Hamburger Sportgala

Boris Herrmann adelt Hamburgs Sportler des Jahres

Lesedauer: 6 Minuten
Björn Jensen und Rainer Grünberg

Livestream zur Sportgala 2021 mit Gebärdensprache

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Segler Buhl, Tennisspielerin Akugue und Alsters Hockey-Damen ausgezeichnet. St. Paulis Göttlich fordert HSV-Trainer Thioune heraus.

Hamburg. Die Freude war groß, als Emily Wolbers das Ergebnis erfuhr, auf das sie gehofft hatte. Die Hockeydamen des Clubs an der Alster, für die Wolbers spielt, gewannen bei der erstmals digital veranstalteten Hamburger Sportgala die Auszeichnung als Hamburgs Mannschaft des Jahres 2020.

Mit mehr als 200 Stimmen Vorsprung vor dem Hamburger Judo-Team und rund 400 vor dem Beachvolleyball-Duo Julius Thole/Clemens Wickler (ETV) siegte die Auswahl von Cheftrainer Jens George, die im Februar 2020 in Stuttgart den deutschen Hallenmeistertitel gewonnen hatte, bei der Online-Abstimmung auf abendblatt.de. „Für uns ist das ein toller Erfolg. Wir freuen uns riesig“, sagte Wolbers, die wie Vertreter der anderen beiden nominierten Teams live zugeschaltet war.

Auch Buhl und Akugue ausgezeichnet

Erstmals in der Geschichte der Sportgala wurde ein Preisträger im Livevoting ermittelt. Die beiden Einzelsieger hatte eine Jury ausgewählt, bestehend aus Hamburgs Sportsenator Andy Grote (SPD), dem Hamburger Unternehmer (ECE) und Sportmäzen Alexander Otto (Alexander-Otto-Sportstiftung), Hamburgs Handball-Weltmeister Pascal Hens, der früheren Bundesliga-Volleyballerin Nina Braack (VT Aurubis) und Abendblatt-Sportchef Alexander Laux.

Die Wahl fiel auf Segelweltmeister Philipp Buhl (31) vom Norddeutschen Regatta Verein (NRV) und Noma Noha Akugue (17), deutsche Hallentennismeisterin vom Club an der Alster. Für die Wahl hatten der Hamburger Sportbund (HSB) und das Abendblatt der Jury jeweils drei Kandidaten und Kandidatinnen vorgeschlagen: bei den Frauen Akugue, Badmintontalent Thuc Phuong Nguyen (17) vom Horner TV und Pararuderin Sylvia Pille-Steppat (53/Wilhelmsburger Ruderclub); bei den Männern Buhl, Schwergewichts-Boxprofi Peter Kadiru (23) und Torben Johannesen (26) vom Ruder Club Favorite Hammonia. Das langjährige Mitglied des erfolgreichen Deutschland-Achters hatte die Wahl bereits dreimal gewonnen.

Boris Herrmann gratuliert dem "Vorzeigesegler"

41 Hamburger Einzelsportlerinnen, -sportler und Vereine konnten sich im vergangenen Jahr über Siege bei deutschen Meisterschaften oder Medaillen bei Europameisterschaften freuen. Mit Buhl wurde einer von ihnen sogar Weltmeister. Im Februar 2020 gewann er als erster Deutscher vor Melbourne (Australien) den Titel in der Bootsklasse Laser, qualifizierte sich für die Olympischen Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August). „Das ist eine schöne Ehre für mich, Hamburgs Sportler des Jahres zu sein“, sagte er im Sportgala-Interview. Live-Glückwünsche gab es vom Hamburger Segelidol Boris Herrmann, der Buhl als „einen der deutschen Vorzeigesegler“ würdigte.

Während Buhl bei der WM zu den Mitfavoriten gehörte, wurde Akugue von ihrem Sieg bei den deutschen Hallentennismeisterschaften in Biberach ebenso überrascht wie von der Auszeichnung. „Ich fühle mich sehr geehrt und hätte mit dieser Auszeichnung niemals gerechnet“, sagte sie. Rothenbaum-Turnierdirektorin Sandra Reichel, die live zugeschaltet war, sagte: „Wir würden uns freuen, wenn wir Noma mit einer Wildcard bei uns im Turnierfeld begrüßen könnten.“ In diesem Jahr wird in Hamburg erstmals seit 2002 wieder ein Damenturnier ausgetragen. Anfang kommender Woche soll der endgültige Termin dafür bekannt gegeben werden.

Auch HSV-Trainer Thioune zugeschaltet

Seit nunmehr 15 Jahren ist die Hamburger Sportgala, eine Initiative der Stadt Hamburg und des Abendblatts, das größte gesellschaftliche Ereignis des Hamburger Sports. Mehr als 1000 Gäste feierten einst im Börsensaal der Handelskammer am Rathaus, zuletzt rund 600 in der ehemaligen Volksbank Arena am Volkspark. Dieses Jahr musste das Fest aus bekannten Gründen abgesagt werden, die Sportgala aber sollte Corona nicht zum Opfer fallen.

Im Aufnahmestudio der Veranstaltungstechnik Neumann & Müller am Anckelmanns­platz in Hammerbrook durften die Moderatoren allerdings nur Sportsenator Grote vor Ort begrüßen. Alle weiteren Gesprächspartner mussten per Video zugeschaltet werden: HSV-Cheftrainer Daniel Thioune, St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich, Sandra Reichel, Oliver Stork, Präsident des Duvenstedter SV, Atlantik-Ruderin Steffi Kluge, Basketball-Nationalspieler Justus Hollatz (Hamburg Towers) und Handballspielmacher Leif Tissier (HSV Hamburg).

„Der Hamburger Sport muss zurück auf die Bühne“, sagte Grote. „Mit der Sportgala geben wir dem Sport etwas von der Sichtbarkeit und Anerkennung, die er gerade in der Corona-Pandemie besonders verdient. Viele Erfolge mussten im Stillen gefeiert werden. Das holen wir jetzt digital nach – stolz und voller Zuversicht auf bald bessere Zeiten.“

St. Paulis Boss fordert Daniel Thioune heraus

Auf die hofft auch HSV-Trainer Thioune: „Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen, in leeren Stadien Fußball spielen zu müssen. Die Fans gehören einfach dazu“, sagte er im Sportgala-Interview. Auf die Frage, ob er auf einen HSV-Aufstieg in die Erste Bundesliga wetten würde, antwortete Thioune, er würde darauf wetten, „dass wir alles dafür geben werden. Am Ende des Tages bekommt jeder das, was er verdient, wenn er fleißig ist, wenn er beharrlich ist, wenn er alles gibt für den Erfolg und alles andere hinten anstellt.“

Oke Göttlich dankte seinem Team um Cheftrainer Timo Schultz und Sportchef Andreas Bornemann dafür, dass sie mit ihrer Arbeit den Höhenflug möglich gemacht hätten, es zur besten Rückrundenmannschaft der Zweiten Liga gebracht zu haben. Den HSV, der nur noch neun Punkte Vorsprung vor dem Stadtrivalen hat, noch einzuholen, hielte er für vermessen. Dafür forderte er HSV-Trainer Thioune heraus, die Stadtmeisterschaft an der Konsole im Fußball-Simulationsspiel „Fifa 21“ auszuspielen.

Active City Award für Saga-Tochtergesellschaft

Neben sportlichen Spitzenleistungen wird auf der Sportgala traditionell auch soziales Engagement ausgezeichnet. Dafür verleiht die Stadt den Active City Award. Diesmal ging er an die Saga-Tochtergesellschaft ProQuartier für ihr Programm „move!“. Im Frühjahr 2020 entwickelte das städtische Unternehmen sein Konzept „Balkonsport“, um in Kooperation mit dem HSV, der TSG Bergedorf oder dem SV Eidelstedt Fitnessprogramme in die Wohnanlagen zu bringen. An den rund 500 Aktionen nahmen etwa 10.000 Mieterinnen und Mieter teil.

Für die Saga ging es laut Vorstand Wilfried Wendel in diesen schwierigen Zeiten darum, „ein starkes Signal zu senden: Ihr seid nicht allein, wir sind für euch da!“

Dieses Signal sollte am Dienstagabend auch von der Hamburger Sportgala #digital ausgehen.

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