Hockey

Wenn aus einem Traum ein festes Ziel wird

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Björn Jensen
Hockey-Nationalspieler Benedikt Schwarzhaupt im Wohnzimmer seines Elternhauses in Großflottbek. Beim GTHGC begann er als Fünfjähriger mit Hockey.

Hockey-Nationalspieler Benedikt Schwarzhaupt im Wohnzimmer seines Elternhauses in Großflottbek. Beim GTHGC begann er als Fünfjähriger mit Hockey.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Nach einem starken Debüt im Hockey-Nationalteam könnte Benedikt Schwarzhaupt zum Olympiakandidaten werden.

Hamburg. Da ist dieser Zwiespalt, den Benedikt Schwarzhaupt noch nicht auflösen kann. Ist die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) für ihn noch ein Traum oder schon ein Ziel? Diese Unterscheidung war ihm schon als Junge wichtig, und für jemanden, der sich als erfolgsorientiert bezeichnet, muss das auch so sein. Träumen kann man immer, aber damit aus einem Traum ein Ziel wird, muss man aufwachen, um an der Verwirklichung arbeiten zu können.

Kommen wir also zu den Fakten. Benedikt Schwarzhaupt hat am vergangenen Sonntag sein Debüt im Kreis der deutschen Hockeyherren gegeben. Auch seinem körperbetonten Einsatz in der Innenverteidigung war es zu verdanken, dass im Pro-League-Duell mit dem Erzrivalen Niederlande in Amsterdam ein 3:1-Sieg gelang. „Danach ist mein Handy vor Glückwünschen fast explodiert. Das hat mir noch einmal vor Augen geführt, was für ein besonderer Moment das war“, sagt der 20-Jährige, der in der Bundesliga für den Uhlenhorster HC aufläuft.

Einladung zum A-Kader-Lehrgang: Mehr als eine Aushilfe

Von einem gelungenen Debüt darauf zu schließen, nun ein festes Mitglied des deutschen A-Kaders zu sein, das wäre vermessen. Auch deshalb übt sich Benedikt Schwarzhaupt in Zurückhaltung, was die Frage nach Olympia angeht. „Für mich ist jeder Lehrgang eine Chance, mich zu entwickeln. Aber Druck habe ich gar nicht, ich habe ja nichts zu verlieren“, sagt er.

Seine Planung war darauf ausgelegt, im November die U-21-WM in Indien zu spielen. Dann jedoch kam, weil mit dem Mülheimer Ferdinand Weinke (26) und Mathias Müller (28) vom Hamburger Polo Club zwei arrivierte Innenverteidiger langfristig ausfielen, im November die Einladung zum A-Kader-Lehrgang nach Mannheim. Und dort zeigte sich rasch, dass der Youngster, obwohl geschwächt durch eine kurz vorher überstandene Corona-Infektion, mehr sein kann als eine Aushilfe.

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„Bene hat sich reibungslos in den Kader eingefunden. Er ist ein ganz feiner Junge, der sich in den vergangenen Jahren super entwickelt hat“, sagt Bundestrainer Kais al Saadi, der 2018 als UHC-Chefcoach schon Schwarzhaupts Wegbereiter in den Herrenbereich war. Besonders imponiere ihm, „dass er trotz seiner Körperlänge von 1,91 Metern sehr geschickt und physisch stark verteidigt, sehr beweglich und passsicher ist.“

Eine Beschreibung ist das, mit der Benedikt Schwarzhaupt konform geht. Er würde sie noch um die Eigenschaft ergänzen, ein Führungsspieler mit ausgeprägter Siegermentalität zu sein, „aber im Nationalteam halte ich mich natürlich noch zurück.“ An der Seite einer meinungsstarken Legende wie dem Berliner Martin Häner (32) wachsen zu können, das sei sehr wichtig für ihn, aber auch keine neue Erfahrung. „In meinem ersten Herrenjahr durfte ich beim UHC neben Moritz Fürste spielen. Laute Ansagen bin ich also gewohnt.“

Golf oder Hockey? Seine Wahl hat er nie bereut

Dass er sich um eigene Entscheidungen nicht herumdrückt, verdeutlicht der Fakt, dass er als 14-Jähriger zwischen einer Karriere im Golf oder im Hockey wählen musste. In beiden Sportarten war er Hamburger Meister, aber weil sein Vater Ralf 15 Jahre für den Großflottbeker THGC in der Bundesliga und seine Großmutter für die deutsche U-16-Auswahl gespielt hatte und ihm der Teamsport deutlich mehr Spaß machte, traf er eine Wahl, die er nie bereut hat.

Wie es weitergeht in den nächsten Monaten, das will der HSV-Fan auf sich zukommen lassen. Am Montag hat er mit der letzten Klausur das vierte Semester seines International-Management-Studiums an der Kühne Logistics Uni abgeschlossen, erst im Herbst muss er wieder an die Bücher. „Zeitlich wäre es möglich, sowohl Olympia als auch die U-21-WM zu spielen“, sagt er. Es ist nur ein Nebensatz im Laufe des Gesprächs. Aber so spricht keiner, der noch träumt.

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