Pferdesport

Mit virtuellem Derby gegen den Corona-Blues

Durch die Corona-Pandemie musste das Derbymeeting in Klein Flottbek in diesem Jahr ausfallen.

Durch die Corona-Pandemie musste das Derbymeeting in Klein Flottbek in diesem Jahr ausfallen.

Foto: dpa

Mit einer Mischung aus Sport und Talk feiert die Traditionsveranstaltung in Klein Flottbek im Internet den 100. Geburtstag.

Hamburg. Am Himmelfahrtstag, als die Sonne schien und es die Menschen nach draußen zog, war Volker Wulffs Laune im Keller. „Ich habe viele Nachrichten bekommen von Menschen, die schrieben, das sei doch perfektes Derbywetter, und die mir ihr Bedauern ausdrückten. Da habe ich mit voller Wucht gespürt, wie sehr mich die aktuelle Situation doch mitnimmt“, sagt der Chef des Deutschen Spring- und Dressurderbys. In dieser Woche war das Pferdefestival im Klein Flottbeker Derbypark im Reitsportkalender eingeplant. Weil die Corona-Pandemie die Austragung von Großveranstaltungen bis mindestens 31. August verhindert, steht weiterhin in den Sternen, ob es in diesem Jahr noch einen Ausweichtermin geben oder erst 2021 wieder im Hamburger Westen geritten werden kann.

100. Geburtstag wird mit Sondersendung online gefeiert

An diesem Sonntag ist zwar Regenwetter angesagt, Wulffs Laune wird dennoch deutlich besser sein als an Himmelfahrt. Denn obwohl regulärer Sportbetrieb nicht möglich ist, haben der 63-Jährige und sein Team von der Veranstaltungsagentur En Garde ein Programm ausgearbeitet, mit dem der 100. Geburtstag des Spring- und Dressurderbys angemessen gefeiert werden soll. Für den Internetsender ClipMyHorse.tv, der von 15 bis 17 Uhr live und frei empfangbar überträgt, wird es ein zweistündiges Paket mit einer Mischung aus Sport und Talk geben. „Wir wollten den Geburtstag nicht einfach verstreichen lassen und zudem unseren treuen Partnern eine Plattform bieten, sich auch ohne Derby zu präsentieren. So ist die Idee entstanden“, sagt Wulff.

Highlights früherer Derbymeetings werden übertragen

Die Gästeliste hat eine Reihe an prominenten Namen zu bieten. So wird Sandra Auffarth (33), Derbydritte des vergangenen Jahres aus Ganderkesee, unter Anleitung des zweimaligen Derbysiegers Achaz von Buchwaldt (75) ein Training am Großen Wall, der schwersten Hürde des Derbyparcours, absolvieren. Topreiter wie Janne Friederike Meyer-Zimmermann (39), Gilbert Tillmann (38), Toni Hassmann (44) und Rolf-Göran Bengtsson (57), der sein vor drei Jahren in den Ruhestand verabschiedetes Paradepferd Casall mitbringt, lassen ihre prägendsten Derbymomente aufleben.

Auch Dressur-Fans kommen auf ihre Kosten

Und auch die Fans des Dressursports werden bedient. Emma Kanerva (34), Derbysiegerin von 2018, präsentiert mit Dressurderby-Organisator Rainer Schwiebert (69) ein Pas de Deux, das Kathleen Kröncke (30/gebürtige Keller) kommentiert, die 2011 das Dressurderby als jüngste Starterin gewinnen konnte. „Es war überhaupt kein Problem, die Gäste trotz der außergewöhnlichen Situation für uns zu gewinnen. Sie haben sofort zugesagt und sich in die Planungen eingebracht“, sagt Wulff.

In Zusammenarbeit mit den Hamburger Behörden hat er ein Hygienekonzept ausgearbeitet, das maximal 45 Personen auf dem Derbyplatz zulässt. Deshalb appelliert der Derbychef auch an die Fans, nicht spontan nach Klein Flottbek zu kommen, sondern sich die Geburtstagsshow im Internet anzuschauen. Als Bonus gibt es auf der Homepage hamburgderby.de einen virtuellen Rundgang über die Anlage. 60 Schausteller haben ihre Stände, die die Besucher normalerweise vor Ort vorfinden, online bestückt und bieten auf ihren Webseiten Sonderangebote. „Natürlich ist das nicht das Derbyfeeling, das wir alle vermissen“, sagt Volker Wulff, „aber es ist hoffentlich ein Ersatz, der die Wartezeit bis zum nächsten Termin ein wenig verkürzt.“ ​