Flottbek

Das Deutsche Springderby feiert die Jahrhundertparty

Paul Heil siegte 1920 auf seinem Pferd Cyrano beim ersten Springderby in Klein Flottbek.

Paul Heil siegte 1920 auf seinem Pferd Cyrano beim ersten Springderby in Klein Flottbek.

Foto: Ullstein Bild

Vor 100 Jahren wurde erstmals das Springderby ausgetragen – viele Aktionen geplant, Zuschauerrekord erwartet.

Hamburg.  Wenn eine Legende runden Geburtstag feiert, werden Erinnerungen an grandiose Momente wach. 100 Jahre Deutsches Springderby sind Anlass, Tradition und Weltklassesport der Gegenwart in besonderer Art zu kombinieren: Vom 20. bis 24. Mai lockt das Flottbeker Pferdefestival mit einem vielfältigen Programm. „Zum Jubiläum wird dieses Ereignis nachhaltig präsent sein - bis in die letzten Ecken Hamburgs und Norddeutschlands“, kündigt Derbychef Volker Wulff an. Das Team seiner Agentur En Garde, seit 2000 Ausrichter, feilt seit Wochen an der Jahrhundertparty.

Große Sprünge sollen vollbracht werden. Stichworte sind die Gala-Show „The Great Derby Night“ auf dem illuminierten Parcours, eine Ausstellung mit historischen Erinnerungsstücken, Kostümeinlagen im Derbypark. Eine um 2000 Quadratmeter erweiterte Ausstellungsfläche soll ein Museumsdorf sowie ein antikes Pferdekarussell für Kinder bieten. Für fünf Tage soll die „Goldene Ära“ der 1920er-Jahre aufleben – als in den Elbvororten das Deutsche Springderby Premiere hatte.

Buntes Geburtstagsprogramm

Da der Wettstreit um das Blaue Band zwischen 1940 und 1948 kriegsbedingt neunmal ausfiel, steht aktuell der 91. Durchgang an. Erneut werden die Weltbesten des Springreitsports in Hamburg zu Gast sein. Spielt das Wetter über Himmelfahrt mit, könnte erstmals der Rekord von mehr als 100.000 Zuschauern erreicht werden. Neben der hochkarätigen Global Champions Tour, den Derbys im Springen sowie in der Dressur soll ein buntes Geburtstagsprogramm Magnetwirkung haben.

Los geht’s am 20. Mai mit der ersten Derbyqualifikation als sportlichem Bonbon. Am Abend dieses Mittwochs wird eine Show den Bogen zwischen damals und heute schlagen. Im Mittelpunkt steht ein zweistündiges Potpourri aus künstlerischen Darbietungen hoch zu Ross, unterschiedlichen Pferdesportsparten, Kutschen, Kostümen, Legenden und Musik. „Sehr laute Töne wird es nicht geben“, beruhigt Derbychef Volker Wulff die Anwohner in Klein Flottbek. Er betont den „verzaubernden Charakter“ der Veranstaltung. Für die Haupttribüne werden 2500 Karten verkauft. Überdachte Plätze kosten 30, andere 25 Euro.

Ausstellung über die Geschichte des Blauen Bandes

Parallel steigt im Ehrengastzelt an der Jürgensallee ein Geburtstagsfest für 500 Personen unter dem Motto „Party like­ Gatsby“. Tickets inklusive Programm und Gastronomie des Landhauses Scherrer werden für 250 Euro pro Tischplatz offeriert. Wer mag, erscheint in passender Kleidung. Apropos: Am Derbytag, dem Sonntag, wollen alle Offiziellen Kleidungsstücke im Stil der 1920er-Jahre tragen. Nicht nur die Richter und die Mitarbeiter auf dem Parcours, sondern auch das Kassenpersonal sowie das komplette En-Garde-Team machen mit. Turnierchef Wulff geht mit gutem Beispiel voran, will mit Cut und Zylinder vor Ort sein. Das ausgefallenste Kostüm aus dem Publikum wird prämiert.

Um eine Vorstellung von der Erstauflage des Derbys im Jahr 1920 zu haben, ist ab Anfang Mai eine Ausstellung über die Geschichte des Blauen Bandes zu sehen. Vor genau einem Jahrhundert gingen 27 Teilnehmer über die problematischen Derbysprünge. Paul Heil glückte das Bravourstück mit Cyrano. Als Sechster platzierte sich der Hamburger Unternehmer Eduard F. Pulvermann. Er konnte nicht ahnen, dass ein besonders tückisches Hindernis aktuell immer noch seinen Namen trägt.

In einem mobilen Raum am Eingang vis-à-vis der S-Bahn-Station Botanischer Garten werden Plakate und Programmhefte präsentiert. Sie reichen bis 1927 zurück. Sie stammen aus dem Fundus des gastgebenden Norddeutschen und Flottbeker Reitervereins von 1920. Dazu gehört eine Vitrine mit Trophäen der Derbylegende Fritz Thiedemann. Der bodenständige Landwirt aus Weddinghusen bei Heide, jüngstes von neun Kindern einer Bauernfamilie, gewann das Blaue Band fünfmal. Zweimal trug er Deutschlands Flagge bei Eröffnungsfeiern Olympischer Spiele. Wer weitere Erinnerungsstücke zur Verfügung stellen kann oder herausragende Geschichten parat hat, möge sich per Mail (info@engarde.de) oder Post an den Veranstalter wenden.

Information und Unterhaltung

Im Museumsdorf westlich des Parcours soll die Vergangenheit gleichfalls aufleben. Vorgestellt werden Berufe, Kutschen und Gerätschaften aus der Land- und Pferdewirtschaft. Personal in der Arbeitskluft von früher demonstriert die Bedeutung der Pferde als Helfer und Partner des Menschen – zu allen Zeiten. Auf der Anlage verkörpern Schauspielschüler vier markante Charaktere aus der Historie des Derbys. Am Mikrofon stehen Derbygranden wie Achaz von Buchwaldt Rede und Antwort.

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„Wir wollen informieren und unterhalten“, sagt Sophia Egbert, Projektleiterin beim Ausrichter En Garde. Es gibt einen „Jubiläumsjingle“ als musikalisches Markenzeichen, ein in der kommenden Woche erscheinendes Magazin und einen zehn Meter langen Zeitstrahl im Derbypark. Dort sind Daten des Springreitsports sowie des Weltgeschehens verzeichnet – zur Einordnung. Denn 1920, als das Deutsche Derby lossprang, war der Erste Weltkrieg gerade zwei Jahre vorbei. Und der 2000 verstorbene Fritz Thiedemann war erst zwei Jahre alt.

Tickets: 01805/119115 (0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 0,42 €/Min. aus dem Mobilfunk)