Hockey

Deutsche Hockeyherren verpassen EM-Finale

Jojo Grosse und Mats Grambusch (r.) feiern den Hamburger Florian Fuchs (M.).

Jojo Grosse und Mats Grambusch (r.) feiern den Hamburger Florian Fuchs (M.).

Foto: Simon Parkervia www.imago-images.de / imago images / Focus Images

Nach großem Kampf und starker Leistung unterliegen die deutschen Hockeyherren im EM-Halbfinale dem Gastgeber Belgien.

Antwerpen. 54 Minuten lang schnupperten sie an der Überraschung, doch nach einem dramatischen Finish platzte am Donnerstagabend der Traum der deutschen Hockeyherren vom Einzug ins Finale der EM in Belgien. Gegen den gastgebenden Weltmeister unterlag die Auswahl von Bundestrainer Stefan Kermas trotz 2:0-Führung 2:4 (0:0, 2:0, 0:1, 0:3). Gegner des Topfavoriten im Finale (Sa., 20.30 Uhr) ist überraschend Spanien, das sich im ersten Halbfinale gegen Titelverteidiger Niederlande 4:3 (1:0, 1:0, 1:0, 1:3) durchgesetzt hatte. Der Europameister qualifiziert sich direkt für Olympia 2020 in Tokio.

„Es war eine sehr starke Leistung von uns, aber das Ziel war, das Spiel zu gewinnen, deshalb sind wir sehr ent-täuscht“, sagte der Berliner Abwehrchef Martin Häner. Kapitän Mats Grambusch von Rot-Weiß Köln gab zu, „dass wir am Ende leider dem Druck nicht mehr standhalten konnten und die Gegentore mit individuellen Fehlern ermöglichen“. Deutschland kann sich nun am Sonnabend (18 Uhr) im Spiel um Platz drei gegen die Niederlande mit Bronze trösten. Es wäre nach einem großartigen Auftritt allerdings ein schwacher Trost.

Mutig gespielt

Aus nach Penaltyschießen im EM-Halbfinale 2017, Aus im WM-Viertelfinale 2018 mit 1:2, zuletzt Mitte Juni in der Pro League das historische 0:8-Debakel – die Bilanz gegen die Belgier in den vergangenen Jahren war niederschmetternd. Davon jedoch, und auch von der Atmosphäre im mit gut 7000 Zuschauern fast ausverkauften Stadion am Wilrijkse Plein, ließen sich die deutschen Herren nicht beeindrucken. Mutig spielten sie im ersten Viertel nach vorn, gingen das hohe Spieltempo des Weltmeisters mit, stellten dessen Passwege aufmerksam zu – und hatten bei einem Pfostentreffer von Superstar Tom Boon bei der ersten Strafecke der Gastgeber (15.) auch das Glück des Tüchtigen.

Und wer gedacht hatte, dass die Belgier im Anschluss einen Gang höher schalten würden, wurde überrascht von einer deutschen Mannschaft, die an ihre Stärken glaubte und verdient in Führung ging, als Christopher Rühr (21.) eine Hereingabe seines Kölner Clubkollegen Mats Grambusch in Torjägermanier verwertete. Ausgerechnet Rühr, einst auch beim Club an der Alster aktiv, der bislang ein unglückliches Turnier gespielt hatte, war auch am 2:0 beteiligt. Über die rechte Seite drang er in den Schusskreis ein, jonglierte den Ball über drei belgische Schläger hinweg und passte an den langen Pfosten, wo der aktuell in Bloemendaal (Niederlande) engagierte Hamburger Florian Fuchs dankbar einschoss.

Spannend wurde es, als Boon die sechste Strafecke zum Anschlusstreffer nutzte (42.) und damit die Stimmung anheizte. Der Druck wurde von Minute zu Minute höher, und so war der Ausgleich durch Nicolas de Kerpel (54.) die so logische wie verdiente Folge. Nun gab es auf den Rängen und auf dem Platz kein Halten mehr. Victor Wegnez (56.) schoss die Belgier mit einem unhaltbaren Schlenzer in den rechten Winkel in Front, anschließend nahm Kermas Torhüter Victor Aly vom Feld, was dem Gastgeber Konterchancen ermöglichte. Eine davon nutzte Cedric Charlier (59.) zum entscheidenden 4:2.