Europameisterschaft

Deutsche Hockeyherren ziehen ins Halbfinale ein

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Björn Jensen
Florian Fuchs und Niklas Wellen versuchen, den irischen Torwart zu überwinden.

Florian Fuchs und Niklas Wellen versuchen, den irischen Torwart zu überwinden.

Foto: Virginia Mayo / dpa

Mit einem 5:0 gegen Irland zieht das Nationalteam zum 17. Mal ins Halbfinale ein – bei der 17. Teilnahme.

Antwerpen. Ganz in Schwarz spielten die deutschen Hockeyherren, aber Grund zum Trauern gab es nicht. Mit einem 5:0 (2:0, 0:0, 0:0, 3:0)-Sieg über Irland zog die Auswahl von Bundestrainer Stefan Kermas am Dienstagnachmittag im belgischen Antwerpen bei ihrer 17. EM-Teilnahme zum 17. Mal ins Halbfinale ein. Die Tore schossen der Krefelder Niklas Wellen (3.), Tom Grambusch (RW Köln/8.) per Strafecke, der Mülheimer Malte Hellwig (54.), der in Bloemendaal (Niederlande) engagierte Hamburger Florian Fuchs und der Mülheimer Lukas Windfeder per Strafecke jeweils in der Schlussminute.

Das Ergebnis täuschte allerdings ein Stück weit darüber hinweg, dass sich der Rekordeuropameister (acht Titel) schwerer tat, als es notwendig gewesen wäre. Nach einer überragenden Startphase, in der es den Deutschen entgegenkam, dass Irland im Gruppenfinale einen Sieg zum Weiterkommen gebraucht hätte und sich deshalb nicht defensiv einigelte, sondern selbst die Initiative ergriff, verlor das Team phasenweise den Zugriff auf das Spiel, verpasste es aber vor allem, aus den zahlreich herausgearbeiteten Torchancen frühzeitig die Entscheidung herbeizuführen.

So dauerte es bis sechs Minuten vor Schluss, als die Iren ihren Torhüter zugunsten eines elften Feldspielers ausgewechselt hatten, dass Nachrücker Hellwig, der für den verletzten Kölner Marco Miltkau nachnominiert worden war, den Halbfinaleinzug absicherte.

Deutschland hat England in der Weltrangliste überholt

„Wir müssen das kritisch aufarbeiten, dass wir nach der frühen 2:0-Führung so nachgelassen haben. Es war unnötig, dass wir den Iren dadurch Möglichkeiten gegeben haben, im Spiel zu bleiben“, sagte Fuchs. Trainer Kermas wollte angesichts des erreichten Zwischenziels nicht zu hart mit seinen Spielern ins Gericht gehen. „Insgesamt darf man mit einem 5:0 in so einem Entscheidungsspiel durchaus zufrieden sein. Klar ist, dass wir es im dritten Viertel schneller entscheiden müssen. Die Effektivität ist ein wichtiges Thema. Aber am Ende war es eine souveräne Leistung meines Teams“, sagte er.

Der Einzug ins Halbfinale war indes nicht das einzige Ziel, das die Deutschen erreichten. Da England in der Parallelgruppe scheiterte, hat Deutschland die Briten in der Weltrangliste wieder überholt und wird deshalb für die Olympiaqualifikation Anfang November einen Gegner aus dem schwächsten Lostopf zugelost bekommen, den man in zwei Heimspielen bezwingen muss, um das Ticket für Tokio 2020 zu lösen. „Das war für uns auch ein wichtiges Thema, deshalb können wir heute doppelt zufrieden sein“, sagte Kermas.

Am Donnerstag spielen die Deutschen gegen Belgien

Die Qualifikationsspiele könnte man umgehen, wenn man Europameister würde. Allerdings steht dem in der Runde der letzten vier die höchste Hürde im Weg, die es im europäischen Herrenhockey aktuell geben kann. Gegen Gastgeber Belgien ist das im Umbruch befindliche Team am Donnerstagabend (Spielzeit steht noch nicht fest) Außenseiter. Nur drei der letzten zehn Duelle konnte man gewinnen, in der Pro League gab es in Krefeld eine 0:8-Klatsche. Bei der WM 2018 schied man mit 1:2 im Viertelfinale aus, bei der EM 2017 verlor man im Halbfinale im Penaltyschießen. Letztmals konnte Deutschland den Weltmeister und Olympiazweiten bei einem großen Turnier 2015 in der EM-Vorrunde in London 4:0 besiegen.

„Es wird Zeit für ein anderes Ergebnis, keine Frage“, sagte der Bundestrainer, „aber es muss viel in die richtige Richtung laufen, damit wir eine Chance haben.“ 1:0-Torschütze Niklas Wellen sagte: „Ich spiele gern gegen die Belgier, da ist noch mehr als eine Rechnung offen. Und ein Flutlichtspiel in einem vollen Stadion gegen den Gastgeber ist doch das Beste, was es geben kann. Wenn wir den Titel gewinnen wollen, müssen wir sie irgendwann schlagen.“