Nach 1:3 gegen Fürth

St. Paulis Kapitän Avevor erleidet Wadenbeinbruch

Kapitän Christopher Avevor verletzt sich bei einem Zweikampf schwer.

Kapitän Christopher Avevor verletzt sich bei einem Zweikampf schwer.

Foto: Leonie Horky / WITTERS

Zudem ist das Syndesmoseband beim Verteidiger gerissen. Trainer Jos Luhukay erklärt pampige Antwort auf Frage zur Aufstellung.

Hamburg. Am Sonnabendmorgen meldete sich Christopher Avevor zu Wort. Über seinen Instagram-Kanal bedankte sich der Kapitän des FC St. Pauli für die zahlreichen Genesungswünsche. Ehemalige Mitspieler wie Sami Allagui, aktuelle Kollegen wie Dimitrios Diamantakos oder Greuther Fürths Stürmer Daniel Keita-Ruel, der in den folgenschweren Zweikampf am Freitagabend verwickelt war, wünschten dem Innenverteidiger, der sich bei der 1:3-Niederlage des Kiezclubs schwer am Sprunggelenk verletzt hatte, alles Gute.

Und diese Genesungswünsche kann Avevor bestens gebrauchen. Nach eingehenden Untersuchungen im UKE und in der Endo-Klinik - unter anderem wurde eine MRT-Untersuchung gemacht - gab der Club am Sonnabend um 16.26 Uhr bekannt, dass sich der Leistungsträger einen Wadenbeinbruch im linken Bein zugezogen hat. Zudem ist auch das vordere Syndesmoseband gerissen. Ein Schock für die ohnehin verletzungsgeplagten Hamburger. "Das ist für uns – aber vor allem für Christopher – eine ganz bittere Nachricht. Wir werden als Mannschaft und als Club alles dafür tun, damit Christopher schnellstmöglich wieder in unserem Kreis sein kann und wünschen ihm von Herzen gute Besserung“, sagte Trainer Jos Luhukay.

Im Verlauf der kommenden Woche soll der 27 Jahre alte Abwehrspieler operiert werden. Wie lange Avevor pausieren muss, ist noch unklar.

St. Pauli braucht Verstärkungen in allen Mannschaftsteilen

Klar ist: Der FC St. Pauli, der bisher lediglich die Talente Leo Östigard und Viktor Gyökeres sowie die derzeit verletzten Ergänzungsspieler Rico Benatelli und Boris Tashchy verpflichtet hat, muss auf dem Transfermarkt noch einmal tätig werden. Durch den Ausfall von Avevor ist mit der Innenverteidigung eine neue Baustelle im Kader hinzugekommen, wenngleich Sportchef Bornemann glaubt, in der Breite gut genug aufgestellt zu sein. "Ein Philipp Ziereis kommt zurück. Wir haben Florian Carstens und Marc Hornschuh. Östigard wird nicht all zu lange mehr ausfallen. Die Innenverteidigerposition ist numerisch nicht die Hauptbaustelle, aber wenn der Kapitän für eine gewisse Zeit fehlt, tut es uns besonders weh", sagte der 47-Jährige.

Torhüter Himmelmann trauert "fünf verlorenen Punkten" hinterher

Unter dem Strich steht für St. Pauli jedoch: Ein Punkt aus zwei Spielen gegen Gegner, mit denen der Club nach eigenen Ansprüchen auf Augenhöhe sein will. Gegen Fürth konnte man rein vom Willen her den Spielern wenig vorwerfen, allerdings fehlte es häufig an der nötigen Überzeugung. "Soll ich mich jetzt hinstellen und sagen, dass wir ordentlich mit dem Ball gespielt haben? Das ist ja alles ganz nett. Am Ende des Tages fehlen uns fünf Punkte. Damit sind wir nicht zufrieden", kritisierte Torhüter Robin Himmelmann.

Trainer Luhukay reagiert pampig auf Frage zur Aufstellung

Die 90 Minuten gegen effektive Fürther offenbarten, dass sich St. Pauli noch immer einer Findungsphase befindet. Am Freitagabend zauberte Trainer Jos Luhukay überraschend Rechtsaußen Jakub Bednarczyk, der bisher überhaupt keine Rolle beim Kiezclub spielte, und Niklas Hoffmann im defensiven Mittelfeld aus dem Hut. Der Youngster ist eigentlich ein gelernter Innenverteidiger, spielte bisher in der U23 aber ausschließlich im Abwehrzentrum. Nach dem kurzfristigen Ausfall von Toptalent Finn Ole Becker (Muskuläre Probleme) funktionierte der niederländische Übungsleiter kurzerhand Außenstürmer Ryo Miyaichi zum "Achter" um und setzte nicht auf Christopher Buchtmann, der 77 Minuten auf der Bank schmorte.

Ein Schachzug, der nicht aufging. Die Stärken des Japaners kommen auf der Außenbahn deutlich besser zur Geltung als im Zentrum. Als das Abendblatt Luhukay, der bisher nur eines seiner acht Spiele für St. Pauli gewinnen konnte, nach der Idee hinter dem Schachzug mit Bednarczyk und Hoffmann fragte, reagierte der 56-Jährige pampig: "Weil wir mit elf Spielern spielen müssen."

St.-Pauli-Trainer von Verletzungsnot gefrustet

Einen Tag erklärte der Trainer seine Reaktion in der Pressekonferenz. "Das war überhaupt nicht böse gemeint", sagte Luhukay. Der Niederländer ist zunehmend vom Personalmangel genervt. Mittlerweile fehlen zehn Profis verletzungsbedingt. Deshalb mussten Bednarcyzk und Hoffmann spielen, weil Alternativen wie Buchtmann oder Waldemar Sobota körperlich derzeit nicht in der Lage sind, St. Pauli zu helfen. "Spieler wie Buchtmann oder Sobota fehlen seit mehreren Monaten. Da braucht man Geduld. Man kann fünf Monate Pause nicht in fünf Wochen Vorbereitung aufarbeiten", erklärte Luhukay, der kurzfristig auch noch auf Toptalent Finn Ole Becker (Wadenprobleme) verzichten musste. "Ob es nur Überbelastung ein Faserriss oder Zerrung. Wissen wir noch nicht", sagte der Trainer.

Buchtmann muss körperliche Defizite aufholen

Am vergangenen Montag suchte der St.-Pauli-Trainer das Gespräch mit Buchtmann und zeigte ihm offen auf, woran es gerade hapert. "Christopher war in der Endphase der Vorsaison fünf Wochen raus, dann hatte er vier Wochen Urlaub. Das sind neun Wochen. Und dann beginnt die Vorbereitung. Da musst du körperlich topfit werden, die Form erreichen. Damit kämpft Christopher. Die Fitnessdaten sprechen für sich. Er muss zulegen. Das hat er eingesehen", sagte Buchtmann.

Deshalb schaut St. Pauli weiter auf dem Transfermarkt, nach Verstärkungen. "Es sieht jeder, dass wir in vielen Mannschaftsteilen noch etwas Routine und einen Tick Qualität brauchen können. Heute stand eine ordentliche Fußballmannschaft auf dem Platz. Die jungen Spieler wie Conteh oder Hoffmann haben, solange die Kräfte reichten, eine sehr gute Partie geliefert. Wir tun gut daran, Augen und Ohren offen zu halten, und bis zuletzt alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um der Mannschaft Qualität zuzufügen", analysiert Sportdirektor Bornemann.

Wollen Neuzugänge überhaupt zu St. Pauli kommen?

Das Problem: St. Pauli ist nicht der einzige Club, der nach guten Spielern sucht. "Sind in der Wartestellung, wenn bei den Bundesligisten Spieler keine Perspektive haben. Dann ist der nächste Schritt: Wollen diese Spieler zu St. Pauli, und können wir sie finanzieren?", erklärt Luhukay und ergänzt: "Es sind nicht nur wir im Rennen. Es gibt viele Fragen: Was will der abgebende Verein?, Leihe? Ablösesumme? Will der Spieler ausgeliehen werden oder fest wechseln? Das sind Fragen, die man heute nicht beantowrten kann."

Dabei ist bei der Personallage jede Hilfe willkommen. Zumal in den kommenden Wochen ein Hammer-Programm ansteht. Nach dem DFB-Pokalspiel am Sonntag beim VfB Lübeck warten der VfB Stuttgart, Holstein Kiel, Dynamo Dresden und der große Lokalrivale Hamburger SV.