Deutsche Meisterschaft

Hamburger Judo-Team setzt in Wandsbek auf den Heimvorteil

Nach dem Titelgewinn 2017 in Leipzig machte Cheftrainer Slavko Tekic ein Selfie mit seinem siegreichen Hamburger Judo-Team.

Nach dem Titelgewinn 2017 in Leipzig machte Cheftrainer Slavko Tekic ein Selfie mit seinem siegreichen Hamburger Judo-Team.

Foto: picture alliance

Die Auswahl will zum dritten Mal in Serie deutscher Meister werden. Sechs ausländische Topathleten stehen im Kader.

Hamburg.  Zumindest der Finaleinzug ist dem Hamburger Judo-Team (HJT) sicher, wenn es an diesem Sonnabend in der Sporthalle Wandsbek zur Final-Four-Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft auf die Matte geht. Davon jedenfalls ist Präsident Rainer Ganschow seit Donnerstagmittag überzeugt. Cheftrainer Slavko Tekic, dem in Judokreisen auch eine Karriere als Wahrsager zugetraut worden wäre, tippte für die Halbfinalpartie gegen den TSV Großhadern einen 10:4-Erfolg für seine Mannschaft. „Ich habe mehrere Pläne im Kopf, wie wir antreten und unser Ziel, den Titel erfolgreich zu verteidigen, erreichen können“, sagte der 48 Jahre alte Serbe, als er auf der Pressekonferenz im Olympiastützpunkt am Alten Teichweg um seine Einschätzung gebeten wurde.

Man mag eine solche Vorhersage als großspurig empfinden; allerdings nur, wenn man den Hamburger Landestrainer nicht kennt. Tekic würde nie einen Gegner unterschätzen. Im Gegenteil: Weil er sich so intensiv mit der Konkurrenz beschäftigt, ist er in der Lage, seine Kämpfer so auf- und einzustellen, dass seine Ergebnispro­gnosen meist erstaunlich präzise ausfallen. „Slavko lebt Judo, er kennt jeden einzelnen Athleten von jedem Team in der Bundesliga. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben“, sagte Ganschow, der Tekic erst im Frühjahr nur dank einer Gehaltsanpassung vom Verbleib in Hamburg überzeugen konnte. „Auch jetzt habe ich wieder gute Angebote. Aber ich hänge an Hamburg und würde nur weggehen, wenn ich Bundestrainer werden könnte“, sagte er.

Ausländische Topathleten im Kader

Die Gegenwart aber, das ist für ihn Hamburg, und auch wenn er mit seiner Auswahl in den vergangenen beiden Jahren den Titel holen konnte und die Hauptrunde 2018 als unbesiegter Nordmeister abschloss, ist Siegen längst nicht zur Routine geworden. „Wir wissen, dass wir hart für den Erfolg arbeiten müssen. Aber ich spüre, dass die Jungs noch lange nicht satt sind“, sagte der Cheftrainer, der personell bis auf den verletzten Dario Kurbjeweit Garcia (Klasse bis 90 kg) aus dem Vollen schöpfen kann.

Menschlich gesehen: Der Judo-Meister

So werden zur Endrunde im 24er-Kader auch sechs ausländische Topathleten stehen, deren Namen Tekic bis zur Abgabe der Starterliste kurz vor dem Halbfinale geheim hält. Pro Begegnung, die je zwei Kämpfe in sieben Gewichtsklassen umfasst, dürfen nur vier von 14 Duellen von Ausländern bestritten werden. In der Hauptrunde hatte man fast ausschließlich auf deutsche Kämpfer und einen starken Hamburger Kern gesetzt, um die Teamphilosophie zu stärken. „Anders als andere Clubs, die immer ihre besten Kämpfer aufbieten, wollen wir unseren lokalen Sportlern die Chance geben, sich zu entwickeln. Wir wollen unsere Talente in Hamburg halten, dafür brauchen sie aber auch den Anreiz, es ins Team schaffen zu können“, sagte Ganschow. Am Sonnabend werden elf von 24 Kämpfern Hamburger Wurzeln haben.

Interesse potenzieller Geldgeber wecken

Ganz ohne internationale Unterstützung könnte Hamburg in der nationalen Spitze nicht mithalten. Halbfinalgegner Großhadern kann immerhin zwölf Meistertitel aufweisen. Der TSV Abensberg, der im ersten Halbfinale (11.45 Uhr) auf Außenseiter Judo in Holle (erstmals bei einer Endrunde dabei) trifft, ist mit 20 Titeln sogar Rekordchampion. Angesichts der Überlegenheit in den vergangenen beiden Jahren und des Heimvorteils gilt das HJT allerdings als klarer Favorit, auch das Finale (15.45 Uhr) zu gewinnen.

Die Ausrichtung von Meisterschaften ist für den Hamburger Verband, dem Ganschow ebenfalls vorsteht, die Chance, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und das Interesse potenzieller Geldgeber zu wecken. „Wir sind durch die sportlichen Erfolge der vergangenen Jahre zu einer sehr attraktiven Marke geworden, viele Topathleten wollen zu uns. Aber finanziell ist die Lage weiterhin angespannt“, sagte Ganschow. Das führt sogar dazu, dass das HJT zur Golden-League-Endrunde in Bukarest (Rumänien), dem Pendant zur Champions League im Fußball, Ende November aus Kostengründen nicht antreten kann. „Es sei denn, wir würden mit einem erneuten Titelgewinn einen neuen Sponsor überzeugen“, sagte Sportdirektor Sascha Costa. So weit wollte jedoch selbst Orakel Tekic nicht vorausblicken: „Wir werden alles geben. Was dann passiert, liegt nicht in unserer Hand.“