Handball

Wolff will Olympiasieg – wird Sigurdsson Fußball-Trainer?

An ihm kommt keiner vorbei: Torhüter Andreas Wolff parierte phasenweise sensationelle 56 Prozent der spanischen Angriffsversuche im EM-Finale

An ihm kommt keiner vorbei: Torhüter Andreas Wolff parierte phasenweise sensationelle 56 Prozent der spanischen Angriffsversuche im EM-Finale

Foto: Adam Nurkiewicz / Bongarts/Getty Images

Wie schon vor der EM geht Torwart-Gigant Andreas Wolff mit forschen Tönen voran. Aber Bob Hanning kontert mit deutlichen Worten.

Nach dem sensationellen Titel der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der EM in Polen schwappt eine Euphoriewelle durch Deutschland. Als Europameister ist die Mannschaft von Trainer Dagur Sigursson automatisch für die Olympischen Spiele im Sommer qualifiziert. Während die Spieler an den ganz großen Coup glauben, mahnen die Verantwortlichen zu Demut. Die Handballer seien bei Olympia in Rio nicht zum Siegen verdammt.

Stattdessen soll der Neuaufbau der Nationalmannschaft kontinuierlich fortgeführt werden und in vier Jahren in Tokio gekrönt werden. „Wir arbeiten alle auf das Ziel Olympia 2020 hin“, erläuterte Bundestrainer Dagur Sigurdsson in der Bild die Zielstellung. Im ZDF-Morgenmagazin ergänzte Handball-Vize Bob Hanning: „Ich glaube, jetzt ist ein bisschen Demut angebracht, nicht gleich alles wieder in den Himmel zu heben.“ Für seine Zielsetzung, 2020 den Olympiasieg zu holen, wurde Hanning vor einem Jahr noch belächelt, jetzt kann die Goldmedaille nicht schnell genug kommen.

Durch den 24:17-Erfolg im EM-Finale gegen Spanien hatten die deutschen Handballer die Qualifikation für die Rio-Spiele und WM 2017 in Frankreich geschafft. Prompt warnte Hanning vor zu hohen Erwartungen. Bei der EM in Polen habe die Mannschaft locker aufspielen können: „Keiner hat etwas von ihnen erwartet. Jetzt ist die Situation genauso - typisch deutsch -, jetzt muss eine Medaille bei den Olympischen Spielen her. Alles Kokolores natürlich“, sagte Hanning.

Wird Sigordsson Fußball-Trainer?

Auch Bundestrainer Sigurdsson stellte fest: „Es ist alles sehr dicht in der Weltspitze. Aber jetzt sind wir ganz oben. Wenn man Europameister ist, ist man die beste Mannschaft in Europa. Punkt. Wir werden hart arbeiten, damit wir weiter oben bleiben.“ Aber nach dem Genießen müsse man „Demut zeigen. Arbeitswillen und Konzentration müssen dann wiederkommen“.

Internationale Pressestimmen: "Spanien hatte nicht das Recht, im Finale zu stehen"

Was die eigenen Fähigkeiten betrifft, sei Demut aber offenbar nicht so wichtig. Denn Sigurdsson könne sich eine Karriere als Fußball-Trainer vorstellen. „Ja, ich habe das früher öfter überlegt sogar. Dann aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Ich denke, dass ich das könnte. Es ist alles ähnlich. Natürlich ist die Taktik anders. Aber eine Truppe zu führen ist genau das gleiche. Ob du Firmenmitarbeiter hast oder eine Mannschaft - die Zusammensetzung ist ziemlich ähnlich“, sagte der Isländer.

Wolff will Olympiasieg in Rio

Ähnlich forsch kündigte Torwart-Titan Andreas Wolff in Interviews im Gießener Anzeiger und der Welt an: „Wir stehen nun an der Weltspitze und holen uns jetzt auch noch den Olympiasieg in Rio und die nächste WM. Vielleicht ist das die Geburt einer großen Generation.“ Dass Wolff seinen forschen Tönen auch Taten folgen lässt, stellte er allerdings bereits vor der EM unter Beweis, als er den Titel ankündigte. Er sollte recht behalten.

Hanning, der auch Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin ist, hat Rückschläge jedoch einkalkuliert. „Diese Mannschaft braucht Zeit, diese Mannschaft wird definitiv große Rückschläge erleben, aus denen sie genauso viel lernen kann wie aus dem Erfolg.“ Doch wenn man ihr Zeit gebe und sie sich Schritt für Schritt mit ihrem Trainer entwickeln könne, „dann steht sie vor einer großen Zukunft“.

Schließlich soll schon bald wieder so gefeiert werden, wie am Montag: Da waren die Europameister in Berlin von 9000 Fans in der Max-Schmeling-Halle bejubelt worden.