Sportlerwahl Heute: Inlinehockey-Spielerin Chantal Abel

"Bei der Hymne läuft es mir jedes Mal kalt den Rücken herunter"

Eigentlich wollte sie das Amt nicht. Spielführerin der deutschen Inlinehockey-Frauen zu sein, übte auf die Schenefelderin Chantal Abel keinen großen Reiz aus. „Ich habe mich immer dagegen gewehrt“, sagt die 29-Jährige, die sich vor kurzem aber doch überreden ließ. Die Verteidigerin gehört nun mal zu den erfahrensten im Nationalteam. Vier Europameisterschaften hat sie bereits gewonnen, im vergangenen Jahr kam ein weiterer Vize-Titel bei der EM im dänischen Aarhus hinzu.

Hamburg. Als Fußballer hätte Chantal Abel für diesen Erfolg eine sechsstellige Summe kassiert. Doch in Randsportarten wie der modernen Form des Rollhockeys, die auf Inline-Skates gespielt wird und von der Ausrüstung und den Regeln dem Eishockey ähnelt, zahlen die deutschen Spielerinnen drauf. Sie teilen sich manchmal sogar die Masseurin mit der Konkurrenz. "Es sind die Erinnerungen, die den Aufwand wert sind", sagt Abel. "Bei der Hymne läuft es mir noch immer jedes Mal kalt den Rücken herunter." Die Auswahlspielerin ist stolz darauf für Deutschland aufzulaufen, auch wenn sie einen großen Teil ihres jungen Lebens gar nicht hierzulande verbracht hat. In Ecuador geboren, zog die Tochter eines Flugzeugmechanikers zunächst mit ihrer Familie für sechs Jahre nach Italien, später für weitere acht nach Finnland. "Mit meinem Bruder spreche ich noch heute Finnisch", sagt die polyglotte Athletin, die insgesamt sechs Sprachen fließend spricht.

Video: Inline-Hockey-Spielerin Chantal Abel

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Irgendwann könne sie sich auch eine Rückkehr mit Freund Jan nach Skandinavien vorstellen, meint die nach eigenem Bekunden Sportverrückte, die sich im Sommer mangels Damenteam bei den Männern der HSV North Stars in der Inlinehockey-Regionalliga behauptet und im Winter auf Schlittschuhen für die HSV-Frauen in der Eishockey-Bundesliga aktiv ist. Zudem leitet Abel als Schiedsrichterin Regionalliga-Spiele.

Trotz diverser Verletzungen kann sie nicht von ihren schnellen Sportarten lassen. "Es macht einfach total viel Spaß", sagt die ohne Skates 1,68 Meter große Athletin. "Ich finde außerdem immer noch etwas Verbesserungswürdiges." Wie lange sie das umfangreiche Programm noch stemmen kann, hängt vor allem von ihren beruflichen Aussichten ab. Abel bezeichnet sich selbst als bodenständig, möchte andere Menschen aber abheben lassen: als Flugzeugbauerin. Derzeit absolviert sie ein entsprechendes Studium in Hamburg und verdient sich gleichzeitig bei der Bundesanstalt für Wasserbau etwas hinzu. Als gelernte physikalisch-technische Assistentin analysiert sie die Tragfähigkeit von Böden. Wenn in naher Zukunft aber die Unizeit ein Ende hat und ein Angebot einer Flugzeugfirma der Kategorie Airbus hereinflattern sollte, müsste sie anders als in der Kapitänsfrage wohl nicht lange überlegen. Dirk Steinbach