Reitsport

Pastorius düpierte die 13 Rivalen und gewinnt Galopp-Derby

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Janina Darm und Jens Meyer-Odewald

Der Hengst und 321:10-Außenseiter gewann mit Jockey Terence Hellier das Deutsche Derby mit einer halben Länge Vorsprung vor Novellist.

Hamburg. Erfahrene Rennbahnfüchse hatten es geahnt: Im Turf ist alles möglich. Beim Sparda 143. Deutschen Derby gestern Nachmittag wurde erneut der Beweis angetreten. Mit dem dreijährigen Hengst Pastorius gewann einer der größten Außenseiter nach Kampf mit einer halben Länge Vorsprung vor dem Topfavoriten Novellist. Siegquote: 321 für zehn Euro. Als Dritter preschte Girolamo unter Andrasch Starke über die Markierung.

Applaus auch für Jockey Terence "Terry" Hellier. Der in Köln-Nippes geborene Engländer dirigierte seinen Vollblüter Pastorius im Einlauf ganz nach außen und düpierte die 13 Rivalen. Es war ein Bravourritt erster Klasse.

"Ich habe immer an Pastorius geglaubt", sagte Hellier um 18 Uhr nach Nationalhymne und Ehrenzeremonie, die von Hamburgs Innensenator Michael Neumann vorgenommen wurde. Neben ihm stand Trainer Mario Hofer. Für den Österreicher war es nach 25 Anläufen der erste Triumph im Wettstreit um das Blaue Band. Zazou hat den Ehrenplatz belegt. Tochter Steffi, am Wochenende selbst siegreiche Berufsrennreiterin, assistierte ihrem Vater bei der Würdigung für den größten Coup seines Berufslebens. Gelungen war gleichfalls eine Überraschung des Renn-Clubs. Dieser präsentierte ein Tableau mit allen Derbysiegern seit 1869 - mit Pastorius als aktuellem Star. Da waren Profis am Werke.

Und Novellist? Der vom Panamesen Eduardo Pedroza gesteuerte Galopper rückte im Schlussbogen zusehends vor, schien auf der Zielgeraden vor dem fünften Erfolg seines Lebens zu stehen, zog dann aber nicht entscheidend durch. Da halfen auch die Anfeuerungsrufe der Zuschauer an den Rails nicht, die zumeist auf den vermeintlich Unschlagbaren gesetzt hatten. Pedroza, der auch bei den anderen Einsätzen gestern wenig glücklich agierte, blieb somit der erste Derbysieg versagt. Sein Pferd war als 17:10-Favorit ins Rennen aller Rennen gegangen. Nur Kondor war 1987 mit 16:10 höher gewettet. Auch er enttäuschte letztlich. Und es kam noch bitterer Podroza: Wegen Peitschenmissbrauchs im Derbyendkampf wurde er für sechs Renntage gesperrt.

+++ Sensation! Pastorius gewinnt 143. Deutsches Galopp-Derby +++

Apropos Enttäuschung. Der italienische Derbysieger Feuerblitz, als Favorit Nummer drei angetreten, hatte als Zehner keine Chance im Rennen. Und für die Fußballprofis Claudio Pizarro und Tim Borowski verlief das Ereignis ähnlich wie die abgelaufene Saison von Werder Bremen: Ihr Hengst Black Arrow, nach Novellist am meisten vorhergesagt, belegte nur Rang fünf. Dafür gab es 10 000 Euro Preisgeld, weniger als bei einem Bundesligasieg.

300 000 Euro plus Prämien in sechsstelliger Höhe kassierte der Österreicher Prinz Franz von Auersperg für seinen Stall Antanando. Der in München tätige Medienunternehmer erlebte nach überstandenem Herzinfarkt aufregende Minuten. Dabei wollte er seinen Vollblüter kurzfristig aus dem Derbyfeld streichen. Die äußerste Startbox in der Steherprüfung über 2400 Meter erschien zu ungünstig. Aber es gibt ja den versierten Routinier "Terry" Hellier, ein Altmeister für alle Fälle.

Wenige auf der Rennbahn wussten von diesem Vorhaben des Prinzen. Neben Trainer Hofer war es der Kölner Jurist und sechsfache Vater Christoph Berglar, der vehement zur Teilnahme riet. Beide Züchter sind Freunde, beiden gemeinsam gehört Nostro Amico, der ebenfalls dabei war und den achten Platz belegte. Also erwies sich Berglar als famoser Sportsmann: Er überredete von Auersperg zum Start und sorgte im Endeffekt dafür, dass sein Pferd Novellist geschlagen wurde. Hut ab; denn diesen trugen gestern viele.

Auch am Totalisator herrschte bei formidablem Rennbahnwetter Hochbetrieb. Nachdem der Wettumsatz am Vortag mit 491 173,80 Euro rund 90 000 Euro über dem des Vorjahres lag, verbuchte der Veranstalter gestern einen leichten Rückgang: In elf Rennen wurden 1 062 572 Euro investiert, 3,7 Prozent weniger als 2011. Im Hauptrennen gaben die Besucher 329 991 Euro an den Schaltern aus. Insgesamt strömten am Wochenende 22 000 Besucher auf das Horner Hippodrom.

Im Hauptereignis des Sonnabends, dem zu Ehren des langjährigen Renn-Club-Präsidenten Franz-Günther von Gaertner ausgetragenen Stutenpreises (55 000 Euro), hatte Andrasch Starke mehr Fortune als im Derby: Im Sattel der favorisierten Cherry Danon siegte er ungefährdet.

Für den in Hanstedt in der Nordheide aufgewachsenen Jockey und seine Kollegen ist heute Ruhetag, der auch zum Präparieren des belasteten Grasgeläufs genutzt wird. Morgen steht dann der Große Idee Hansa Preis auf dem Programm. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit Waldpark, dem Derbytriumphator aus dem Vorjahr. Mit Pastorius hat er einen Nachfolger gefunden, der gestern für eine Turfsensation sorgte.