Pferdesport

Deutsches Derby: Alle gegen Novellist

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Janina Darm und Jens Meyer-Odewald

Der Hengst gilt beim 143. Deutschen Derby als großer Favorit und hat beste Chancen, das Galopprennen für sich zu entscheiden.

Hamburg. Galopprennen gibt es überall, eine solche Stimmung nur auf dem Hippodrom in Hamburg. Wenn die Pferde nach dem Derbystart an der 2400-Meter-Marke erstmals an der voll besetzten Haupttribüne vorbeipreschen, hallt traditionell der berühmte "Horn-Roar" über das Geläuf.

Es zählt zum guten Ton an diesem Festtag des Turfs, dass praktisch alle einstimmen in den kollektiven Begeisterungsschrei: die da oben in den Logen und die da unten an den Rails auf dem Sattelplatz. Zur Verblüffung der auswärtigen Gäste offenbart mancher Hanseat so die südländische Seite seiner Seele.

Ob die Anfeuerungsrufe Novellist zum Sieg tragen? Selten in der Geschichte des altehrwürdigen Hamburger Renn-Clubs von 1852 war die Favoritenstellung so klar wie in der 143. Auflage des Traditionsrennens. "Alles andere als ein Sieg Novellists wäre eine Überraschung", sagte Renn-Club-Vizepräsident und Züchter Albert Darboven. Seine Hoffnungen und die der Lokalpatrioten ruhen auf Russian Song aus Darbovens Gestüt in Rissen. Allerdings startet Jockey Eugen Frank erstmals im Wettstreit um das Blaue Band des Jahrgangsbesten. Der Hamburger Hengst mit dem großen Stehvermögen über die lange Distanz ist der Bruder seines zwei Jahre älteren Stallkollegen Russion Tango, der im Derby vor zwei Jahren Dritter wurde.

+++ Derbymeeting 2012 +++

Sollte es kurzfristig keinen Nichtstarter mehr geben, was angesichts der vorhergesagten guten Wetters als eher unwahrscheinlich gilt, galoppieren am Sonntag gegen 17.40 Uhr (Sport1 live) 14 Konkurrenten gegen Novellist. Eine Stute ist nicht dabei. Partner des 143. Deutschen Derbys ist die Sparda-Bank; die Siegerehrung wird vom auch für den Sport zuständigen Innensenator Michael Neumann vorgenommen. Neben rund 15 000 Zuschauern und viel Prominenz sind die Fußballprofis Claudio Pizarro und Tim Borowski präsent. Ihr Black Arrow rückt mit der Startnummer 2 in die Box und soll sich tatsächlich als Pfeil erweisen. Jockey Lanfranco "Frankie" Dettori versteht es bisweilen, "Pferden Flügel zu verleihen". Black Arrow zählt ebenso wie Salon Soldier unter Filip Minarik, der für 50 000 Euro nachgenannte Baltic Rock und Feuerblitz zu den nach aktueller Form chancenreichsten Herausforderern des Favoriten Novellist.

Feuerblitz, der vom Engländer Robert Havlin gesteuert wird, reist mit der Empfehlung eines Triumphs aus dem Italienischen Derby am 20. Mai nach Horn. Der braune Hengst wurde vom Münchner Unternehmer Patrick Bertermann bei einer Jährlingsauktion in Baden-Baden für nur 3000 Euro ersteigert. Sollte ihm übermorgen der große Coup glücken, würden 300 000 Euro Siegbörse hinzukommen - plus Besitzer- und Züchterprämien.

Insgesamt ist das Deutsche Derby mit 745 000 Euro ausgestattet. Noch wichtiger sind der nur einmal im Pferdeleben zu erringende Lorbeer sowie ein enormer Wertzuwachs durch einen Erfolg in der klassischsten aller Vollblutprüfungen.

Das erfuhr der promovierte Jurist Christoph Berglar bereits im Vorfeld des Großereignisses. Der Züchter und sechsfache Vater war zwischen 1998 und 2000 Manager des deutschen Galopper-Direktoriums, besitzt im US-Bundesstaat Kentucky eine Ranch und steht vor dem größten Erfolg als Züchter. Dabei wollte der Kölner sein Pferd Novellist vor zwei Jahren eigentlich versteigern, behielt es mangels ernsthafter Angebote dann aber doch. Welch weise Entscheidung.

Der Dunkelbraune gewann bisher alle vier Rennen seines Lebens mit Leichtigkeit, als habe er einen Turbo im Leib. Auch wenn Berglar gar nicht gern über Geld spricht, ist bekannt, dass für Novellist in den vergangenen Wochen Kaufangebote in Millionenhöhe eintrafen - auch aus dem Ausland. Sie wurden allesamt abgelehnt. Diese starke Haltung kann sich Sonntag bezahlt machen. So und so.