Nach Klitschko-Kampf

Chisora wieder frei - Klitschko mit Sehnenanriss

Nach der schweren Prügelei mit David Haye ist der Boxer Dereck Chisora am Flughafen München festgenommen worden. Klitschko verletzt.

München. Profiboxer Dereck Chisora ist von der Münchner Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der Brite war am Sonntagmorgen nach seiner Prügelei mit dem früheren Weltmeister David Haye festgenommen worden. „Aufgrund der Vorfälle von Samstagabend sind kriminalpolizeiliche Ermittlungen erforderlich“, hatte ein Polizeisprecher erklärt. Chisora war am Flughafen vor der geplanten Heimreise mit seinem Trainer Don Charles aufgegriffen und ins Münchner Polizeipräsidium gebracht worden. Dort wurde der Profiboxer wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung sowie Bedrohung befragt. Zunächst wurde keine Anklage gegen Chisora erhoben.

+++ 50.000 Dollar Strafe für Chisora wegen der Ohrfeige +++
+++ Klitschko musste hart fighten aber gewinnt nach Punkten +++

Der Aufenthaltsort von Haye ist weiter unbekannt. Die Polizei hatte in seinem Hotelzimmer nach dem Briten gesucht, ihn aber dort nicht angetroffen. Chisora und Haye hatten bei der Pressekonferenz nach Chisoras Niederlage gegen WBC-Weltmeister Witali Klitschko für einen Eklat gesorgt. Die beiden Briten lieferten sich nach gegenseitigen Provokationen eine handfeste Schlägerei. Mit in Deutschland zuvor im Rahmen eines Profiboxkampfes nie dagewesener Brutalität schlugen Chisora und dessen Trainer Don Charles auf ihren Erzrivalen David Haye und dessen Trainer Adam Booth ein. Am Ende der minutenlangen Auseinandersetzung, die erst vom eilig verstärkten Sicherheitspersonal beendet werden konnte, bluteten beide Trainer aus Risswunden im Gesicht.

Entzündet hatte sich der Streit, als der frühere WBA-Weltmeister Haye, der seinen Titel im Juli 2011 in Hamburg an Vitalis jüngeren Bruder Wladimir verloren hatte, auf der Pressekonferenz lautstark ein Duell mit Vitali eingefordert hatte. Haye war als Co-Kommentator für den britischen Pay-TV-Sender BoxNation in München und hatte deshalb auch Zugang zur Pressekonferenz. Im Vorfeld hatte er Chisora mehrfach beleidigt und dessen WM-Reife infrage gestellt. Als Chisoras Promoter Frank Warren Hayes wiederholte Forderungen mit der Frage konterte, warum dieser nicht zunächst gegen seinen Mann antrete, bezeichnete Haye Chisora mehrfach als "Verlierer“, woraufhin dieser mit den Worten "Sagst du mir das auch ins Gesicht?“ vom Podium stieg und auf den rund 15 Meter entfernt stehenden Haye zustürmte.

Die sportliche Nachricht des Abends hieß dennoch: Vitali Klitschko bleibt WBC-Weltmeister im Schwergewicht. Mit einem einstimmigen Punktsieg (119:111, 118:110, 118:110) setzte sich der 40 Jahre alte Ukrainer gegen den Briten Dereck Chisora, 28, durch.

Zunächst entbrannte eine Schubserei, in deren Verlauf Haye Chisora zufolge mit einem Glas auf seinen Rivalen losging. Als die Trainer eingriffen, eskalierte die Situation. Haye und Charles schlugen wie von Sinnen mit bloßen Fäusten aufeinander ein. Als Haye schließlich ein Kamerastativ packte und damit in Richtung des Chisora-Coaches schlug, erlitt sein Trainer Booth im Getümmel einen tiefen und stark blutenden Cut auf der Stirn, mutmaßlich durch den entfremdeten Einsatz des Stativs. Kurze Zeit später hatten die Sicherheitsleute die Streithähne dann endlich getrennt.

Die herbeigerufene Polizei, die sofort mit der Spurensicherung begann, nahm Strafanzeige gegen alle an der Prügelei Beteiligten auf. Zudem dürfte der als penibel bekannte englische Verband British Boxing Board of Control drastische Strafen für die vier Schläger aussprechen. Für Chisora hatte der Verband bereits eine hohe Geldstrafe angekündigt, nachdem dieser am Freitag beim offiziellen Wiegen Vitali Klitschko eine Ohrfeige verpasst hatte. Der Weltverband WBC wollte dem 28-Jährigen dafür rund 50.000 Dollar von dessen Kampfbörse abziehen.

Die Klitschko-Brüder, die das Wortgefecht der britischen Raubeine zunächst amüsiert verfolgt hatten, zeigten sich tief betroffen von dem Vorfall. „Das ist eine Schande für unseren Sport“, sagte Wladimir, 35, der im Plenum gesessen hatte und seine Titel von WBA, IBF und WBO am 3. März in Düsseldorf gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck verteidigt. In der Betroffenheit ging fast ein wenig unter, dass sich Vitali in der vierten Runde so schwer an der linken Schulter verletzt hatte, dass er fortan seine Führhand nicht mehr einsetzen und den Kampf einzig mit der Rechten gestalten konnte. Dei Untersuchung ergab einen Sehnenanriss in der linken Schulter.. „In den nächsten Tagen werden weitere Untersuchungen erfolgen, eine Operation ist nach jetzigem Stand nicht nötig“, sagte Klitschkos Arzt Prof. Dr. Bernd Kabelka.

Die Verletzung war bei Klitschko etwa nach einem Drittel des Kampfes aufgebrochen. Er habe nach der vierte Runde den ganzen Kampf nur noch mit rechts bestritten, sagte Klitschko: „Ich habe keine Kraft mehr im linken Arm.“ Klitschkos Trainer Fritz Sdunek vermutete, dass eine alte Blessur wieder aufgebrochen sei. „Witali konnte mit der linken Hand nicht mehr arbeiten, wie er wollte“, sagte Sdunek. Im Jahr 2000 hatte Klitschko im WM-Kampf gegen den Amerikaner Chris Byrd einen Sehnenabriss in der Schulter erlitten. Er hatte damals aufgeben müssen und seinen WM-Titel dadurch verloren.

Mit Material von dpa

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