Olympia 2010 - Doping

IOC-Präsident Jacques Rogge: Kein Sportler genießt Immunität

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Der "Herr der Ringe" ist überzeugt, dass Vancouver saubere Spiele sieht und möchte den positiven Eindruck nicht durch Doping zerstören.

Vancouver. Jacques Rogge machte in der vorolympischen Woche in Vancouver den Eindruck eines zufriedenen Mannes. Schließlich habe seine Organisation, das Internationale Olympische Komitee (IOC), das Krisenjahr 2009 "ohne größere Dellen" überstanden. Und bei den Winterspielen, die in der vergangenen Nacht an Kanadas Westküste feierlich eröffnet wurden, rechnet der IOC-Präsident mit einem Überschuss von vier Milliarden Dollar.

Und doch mussten die Herren der Ringe am Vorabend der Spiele einen peinlichen Fauxpas einräumen. Die angebliche Liste von 30 gedopten Sportlern, die Startverbot für Vancouver erhalten haben sollen, entpuppte sich als Bluff der Anti-Doping-Agentur (Wada). Die Funktionäre hatten einfach alle Fälle der vergangenen Monate addiert, darunter auch die deutsche Eisschnellläuferin Claudia Pechstein.

Dennoch bleibt Rogge zuversichtlich, dass Vancouver "saubere Spiele" sehen wird. Der 67-jährige Belgier kündigte an: "Kein Sportler wird bei diesen Spielen Immunität genießen. Wir werden zum ersten Mal die Mittel ergreifen können, Athleten zu disqualifizieren, auch wenn sie keinen positiven Test haben, sich aber irgendwelche Anomalien im Blut ergeben."

Einige Länder stehen unter besonderer Beobachtung. "Ich werde auf der Session mit den einzelnen nationalen Verbänden reden und mich über den Fortschritt der Entwicklungen erkundigen, besonders beim russischen Verband." Das IOC fordere dieselben Standards für alle Nationen, "und da scheint es mir, als hätten die Russen Nachholbedarf".

Der IOC-Chef möchte sich den positiven Eindruck dieser Winterspiele nicht durch Dopingquerelen zerstören lassen. Vancouver sei ein "atemberaubendes Muster" für künftige Veranstaltungen. Die Begründung hat viel mit den Gastgebern zu tun. "Vancouver ist eine großartige, liberale Stadt, eine Stadt in einem Land, das für den Sport lebt", sagte Rogge. "Die Kanadier haben bereits eine einzigartige Vorbereitung hingelegt, bei der sehr viel Wert auf den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit gelegt wurde. Es werden magische Tage hier, das verspreche ich."

Dazu könnte auch eine neue Sportart beitragen, die in diesem Winter zum ersten Mal zum olympischen Programm zählt: Skicross, ein rasantes Querfeldein-Rennen auf der Skipiste. Weitere neue Sportarten werden es schwerer haben, olympischen Status zu bekommen. "Es gibt Interessenten", sagte Rogge, "aber ihnen fehlt die Universalität oder die Verbreitung, wie Bandy, dem Vorläufer des heutigen Eishockeys, oder Winter-Orientierungsläufen." Dem Skispringen der Frauen gibt der IOC-Chef künftig durchaus eine Chance, vielleicht schon 2014 in Sotschi. Für Vancouver wäre die Disziplin noch zu früh gekommen, weil es derzeit noch an der Ausgeglichenheit des Feldes hapere.

Auch für das Programm der Sommerspiele gibt es Bewegung. Im nächsten Jahr wird die olympische Programmkommission eine Liste potenzieller Sportarten zusammenstellen. Darauf finden sich Disziplinen wie Soft- oder Baseball, die erst kürzlich gestrichen wurden. Auch Squash, Karate und Rollsport bleiben unter Beobachtung. Allerdings werde es auch neue Opfer geben. "Der Vorstand wird die Kernsportarten von 26 auf 25 reduzieren müssen", kündigte Rogge an. Unruhige Jahre für den Belgier, dessen Amtszeit im Jahr 2013 ausläuft.

Thomas Bach wurde am Freitag in Vancouver von der 122. IOC-Vollversammlung erstmals ohne Gegenkandidaten für vier weitere Jahre zum IOC-Vizepräsidenten gewählt.