Ahrensburg. Viel Theater um Baggerführer Manni und ein Damenkränzchen. Für Regisseurin Andrea Rühling geht es vor allem um Rollenklischees.

Auch wenn der Titel der neuen Inszenierung der Niederdeutschen Bühne Ahrensburg ganz danach klingt, erlebt Ehemann Manni (Holger Meincke) alles andere als „Een kommodigen Avend“. Nämlich viel Theater. Doch zunächst sieht alles danach aus: Weil das Ritual des wöchentlichen Skatabends ausnahmsweise ausfällt, stellt sich der Baggerführer auf einen gemütlichen Feierabend allein zu Hause ein. Denn seine Frau hat sich auf den Weg zu ihrer Mutter gemacht, die einen Unfall erlitten hat. In der ganzen Hektik hat sie allerdings vergessen, das übliche Treffen mit ihren sechs Freundinnen abzusagen oder Manni darüber zu informieren. Der Ablauf ist immer derselbe: Es wird geklönt und getratscht, Cocktails werden gemixt und neue Produkte getestet. Eine Verkaufsparty, bei der die Frauen unter sich sind. Doch diesmal kommt alles anders.

Manni wird von dem Ansturm der eintreffenden Besucherinnen überrascht. Es ist ein bunt gemischtes Grüppchen, das den überforderten Hausherrn sofort in Beschlag nimmt und nicht mehr aus den Fängen lässt: die resolute Witwe Caro (Käthe Hotz), die besserwisserische Lehrerin Katharina (Tatjana Petrak), die verplante Emily (Jutta Valentin), Besitzerin einer Boutique, Floristin Lucy (Antje Körner), die den Mann fürs Leben sucht, Fleischerei-Fachverkäuferin Jasmin (Kira Lichtenfeld) und Verkaufstalent Hanna (Erika Sonntag). Über Manni bricht ein verbales Gewitter herein, wie er es noch nie erlebt hat. Dabei geht es durchaus auch um pikante Themen. Die Besucherinnen nehmen kein Blatt vor den Mund. Diese geballte Frauenpower setzt dem Macho ganz schön zu. Doch an Flucht ist überhaupt nicht zu denken.

Theater Ahrensburg: Plattdeutsche Komödie „nicht so flach, wie es klingen mag“

Autor Ingo Sax hat das plattdeutsche Theaterstück Anfang der 2000er-Jahre verfasst. Sowohl der männlichen Hauptfigur als auch den weiblichen Charakteren hat er klar definierte Geschlechterrollen zugewiesen. Es ist diese strikte Trennung der Welten, von der der Stoff und die Komik ein ganzes Stück weit leben.

Von ihrem Platz im Zuschauersaal aus verfolgt Regisseurin Andrea Rühling bei den Proben konzentriert das Geschehen auf der Bühne.
Von ihrem Platz im Zuschauersaal aus verfolgt Regisseurin Andrea Rühling bei den Proben konzentriert das Geschehen auf der Bühne. © NBA | Manfred August

Die Regisseurin sagt: „Es handelt sich zwar um ein Lustspiel, aber das ist nicht so flach, wie es klingen mag.“ Inhaltlich gehe es darum, wie Männer und Frauen sich dem anderen Geschlecht gegenüber verhalten, wenn sie auf ungewohntem Terrain aufeinandertreffen. „Auf der einen Seite der Mann durch und durch, verheiratet und ein kleiner Macho, auf der anderen Seite sechs Frauen, die sich nichts vormachen lassen. Sie sind teils verheiratet, verwitwet oder leben in einer Beziehung und kennen somit ihre Männer.“ Sie inszeniere gern Komödien, „die sich mit einem Augenzwinkern auf die Macken von Menschen beziehen“, so Rühling.

Neues Lustspiel der Niederdeutschen Bühne verlangt Darstellern viel ab

„Een kommodigen Avend“ erfordere sehr viel Konzentration von den Darstellern. „Alle befinden sich die ganze Zeit über auf der Bühne und führen parallel Gespräche.“ Rühling lobt das Ensemble: „Es ist eine tolle Crew, die sich gegenseitig unterstützt.“ Mit einem breiten Altersspektrum von 20 bis 87 Jahren. Die Regisseurin arbeitet zeitgleich an einem zweiten Bühnenstück: Auch das Oldie Kabarett Ahrensburg ist in der Probenphase für eine neue Aufführung..

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Andrea Rühling krönt mit dieser Regiearbeit ein Jubiläum: Seit 25 Jahren ist sie aktiv bei der Niederdeutschen Bühne Ahrensburg. Durch eine Nachbarin sei sie im Jahr 1998 zum Verein gekommen. „Angefangen habe ich mit dem Nähen von Kostümen. Es folgten Einsätze als Inspizientin und Darstellerin.“ Lehrgänge und die Zusammenarbeit mit Profiregisseuren hätten bei ihr den Wunsch nach einer eigenen Regiearbeit geweckt. Mit Erfolg. „Seit 2011 habe ich bei vielen Stücken Regie geführt. Die letzten Inszenierungen waren ,Dree Mann an de Küst‘, ,Single, 66, söcht ...‘ sowie einige Weihnachtsmärchen.“

Das Lustspiel „Een kommodigen Avend“ wird an drei Terminen aufgeführt: Freitag, 23. Februar (20 Uhr), Sonnabend, 24. Februar (15 Uhr), und Freitag, 1. März (20 Uhr), im Alfred-Rust-Saal, Wulfsdorfer Weg 71. Karten zu 12,60 Euro bis 18,10 Euro im Vorverkauf gibt es unter ticket-regional.de/nb-ahrensburg und in der Buchhandlung Stojan (Hagener Allee 3a). An der Abendkasse kosten die Tickets 14 bis 19 Euro.