E-Mobilität

Stormarns Süden bekommt bald weitere Stromtankstellen

Thomas Kanitz, E-Werk-Sachsenwald-Geschäftsführer, lädt an einer E-Zapfsäule des Unternehmens ein Fahrzeug auf.

Thomas Kanitz, E-Werk-Sachsenwald-Geschäftsführer, lädt an einer E-Zapfsäule des Unternehmens ein Fahrzeug auf.

Foto: HA

E-Werk Sachsenwald errichtet sechs neue Ladestellen in Glinde und in Reinbek. Damit gibt es im Kreis rund 70 Stationen für E-Autos.

Reinbek. 25 öffentliche Stromtankstellen hat das e-Werk Sachsenwald in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg bisher gebaut. Kostendeckend ist das Geschäft für den Energieversorger mit Sitz in Reinbek aber noch nicht. „Wir sehen es als eine Investition in die Zukunft und als Aufgabe eines kommunalen Unternehmens“, sagt Geschäftsführer Thomas Kanitz dazu. Deshalb erweitern er und seine Mitarbeiter das Netz auch in diesem Jahr und schaffen sechs neue Ladesäulen. Das Projekt kostet rund 60.000 Euro und trägt zur CO2-Minderung des motorisierten Individualverkehrs bei.

Wohngebiete sollen künftig mehr Stromtankstellen bekommen

40 Prozent davon soll der Bund bezahlen. Das e-Werk hat bereits vor Monaten einen Antrag auf Fördermittel gestellt, wartet jetzt auf den positiven Bescheid und rechnet mit diesem in den kommenden Wochen. Mitte des Jahres soll Baubeginn sein. „Wir gehen jetzt mehr in Wohngebiete. Bisher haben wir die Säulen an größere Straßen gestellt. Und dort, wo die Menschen einkaufen“, sagt Kanitz. Es habe vermehrt Anfragen von Bürgern aus Bereichen mit Mehrfamilienhäusern gegeben.

Zwei neue Stromtankstellen sind in Glinde geplant, jeweils eine am Ahornweg und am Holstenkamp. Auch Reinbek wird im Doppelpack versorgt: am Einkaufszentrum Grenzweg im Stadtteil Neuschönningstedt sowie an der Holsteiner Straße. Die fünfte Säule im Süden Stormarns – das Gebiet kommt somit auf 24 e-Werk-Anlagen bis Jahresende – entsteht an der Straße Achtern Barg in Barsbüttel. Im Kreis Herzogtum Lauenburg partizipiert Wentorf mit einer Lademöglichkeit an der Danziger Straße.

Schnellladesäulen kosten etwa 40.000 Euro pro Stück

Rund 10.000 Euro kostet eine Säule inklusive Installation, Beschilderung und Einfärbung der Parkfläche. Autos werden ausschließlich mit Ökostrom gespeist. Die stationäre Anlage ist jeweils mit zwei Ladepunkten mit einer Leistung bis zu 22 Kilowatt bestückt. An ihr können alle Fahrzeugtypen andocken. Der Ladevorgang dauert zwei bis vier Stunden und damit wesentlich länger als an einer Schnellladesäule. So eine hat das e-Werk Sachsenwald auf dem Parkplatz des Ostkreuz-Centers in Oststeinbek am Willinghusener Weg installiert. Dort dauert der Vorgang rund eine Stunde. „Allerdings kostet so ein Stück mindestens 40.000 Euro“, sagt Kanitz. Diese wären vor allem sinnvoll an Autobahnen.

Wer dem ladenetz.de-Verbund angehört, bekommt Extratarife

Das e-Werk hat für das Stromtanken einen Extratarif eingerichtet. Der Grundpreis liegt bei zwei Euro im Monat und 29,75 Cent brutto für jede Kilowattstunde. Kunden können beim Unternehmen eine Ladekarte bestellen und damit auch Säulen von anderen Anbietern nutzen, die dem ladenetz.de-Verbund angehören. Der Preis bleibt gleich, und der Vertrag kann jederzeit mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende gekündigt werden.

Auch haben Autofahrer die Möglichkeit, ihr Elektrofahrzeug an den Stationen mittels QR-Code zu betanken und mit Paypal zu bezahlen. Der kommunale Energieversorger aus Reinbek konnte die Einnahmen bei den Stromtankstellen zuletzt steigern. „In den letzten drei Monaten des Jahres 2019 hat sich die Zahl der Ladevorgänge und auch die abgenommene Strommenge im Vergleich zu den vergangenen Quartalen verdreifacht“, sagt Kanitz.

In Stormarn sind 512 Autos mit Elektroantrieb unterwegs

In Stormarn gibt es nämlich immer mehr Autos mit umweltfreundlichem Antrieb. Ende 2019 waren im Kreis 512 reine E-Autos und 1223 Hybridwagen zugelassen, zwei Jahre zuvor nur 155 Elektrofahrzeuge sowie 656 Hybride mit Verbrennungs- und Elektromotor samt Batterie. Sie können an rund 70 Standorten im Kreisgebiet, die teilweise über mehrere Säulen verfügen, aufladen. Dennoch: Bei 206.000 zugelassenen Autos ist die Zahl der Stromer immer noch gering.

„Den meisten Menschen ist die Kapazität der Batterien noch zu niedrig. Sie wollen mehr Reichweite. Auch der Kaufpreis für Fahrzeuge schreckt im ersten Moment ab“, sagt Kanitz. Wenn man jedoch die Lebensdauer der Fahrzeuge berücksichtige und Unterhalts- sowie Verbrauchskosten gegenrechne, seien Elektroautos mitunter günstiger.

Kaufprämie lässt den Absatz von Elektrofahrzeugen steigen

Kanitz hat folgende Rechnung aufgemacht: Demnach verbraucht ein Elektro-Wagen 15 Kilowatt pro 100 Kilometer. Das kostet rund 4,50 Euro. Ein Benziner, der Super und auf dieser Distanz im Schnitt sieben Liter benötigt, kommt auf 9,80 Euro. Die Zahl der Elektroautos dürfte hierzulande künftig stärker wachsen. Nicht zuletzt wegen der staatlichen Kaufprämie, die erhöht wird. Hersteller kündigten eine Offensive an. Sie planen, viele neue Modelle auf den Markt zu bringen. Außerdem wollen Bund, Länder, Kommunen und die Automobilwirtschaft bis 2022 weitere 50.000 Stromtankstellen in Deutschland errichten.

„Wenn die Nachfrage steigt, werden wir auch mehr als sechs Ladestationen im Jahr stellen“, sagt e-Werk-Geschäftsführer Kanitz. Sein Unternehmen hat schon seit Jahren Elektrofahrzeuge als Dienstwagen, rüstet die Flotte nach und nach um. Mit einer Ausnahme: Bei den großen Werkstattwagen gibt es noch keine umweltfreundliche Alternative.