Stormarn
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Feuerwehrmann als Brandstifter? Jetzt reden die Opfer

Heiko Martens zeigt die Überreste der abgebrannten Scheune und seines Autos auf seinem Hof in Niendorf bei Berkenthin

Heiko Martens zeigt die Überreste der abgebrannten Scheune und seines Autos auf seinem Hof in Niendorf bei Berkenthin

Foto: Finn Fischer

Feuerwehrmann aus Reinbek soll für elf Taten verantwortlich sein. Hofbesitzer rätseln, warum er ausgerechnet bei ihnen zuschlug.

Reinbek/Lübeck. Ein Feuerwehrmann soll elf Brände im Süden Stormarns und im Herzogtum Lauenburg gelegt haben. Am zweiten Prozesstag am Landgericht in Lübeck sagten jetzt mehrere Zeugen und auch Opfer des mutmaßlichen Brandstifters aus.

Eine Scheune brennt innerhalb von zehn Minuten ab

Unter den Menschen, die Richterin Helga von Lukowicz am Mittwoch hört, sind auch Wilfried Martens und sein Sohn Heiko (44). Die Familie hat einen Hof in Niendorf bei Berkenthin (Herzogtum-Lauenburg). Am 17. Februar 2019 soll der Angeklagte dort ein Feuer an einer Scheune gelegt haben. „Das Gebäude ist innerhalb von zehn Minuten abgebrannt, das ging alles wahnsinnig schnell“, erinnert sich Wilfried Martens. In der Holz-Scheune standen ein Trecker und ein Mercedes. Den hatte sich der ehemalige Landwirt erst ein halbes Jahr zuvor gekauft. Außerdem waren in der Scheune auch noch zehn Quadratmeter Brennholz gelagert. Alles fiel den Flammen zum Opfer.

Hofbesitzer können Hühner, Gänse und Enten retten

Auch Sohn Heiko Martens schildert dem Gericht die Erlebnisse des Abends. Er und seine Frau wollten gerade schlafen gehen. „Wir haben den Hund noch einmal rausgelassen, da hat er kurz angeschlagen“, sagte der 44-Jährige. Fünf Minuten später habe dann sein Vater wie wild an die Tür gehämmert. Da brannte die Scheune bereits lichterloh. Die Familie suchte die nötigsten Sachen zusammen und befreite die Tiere – Hühner, Gänse und Enten – aus einem nahe dem brennenden Gebäude gelegenen Verschlag. Warum gerade seine Familie zum Opfer des Brandstifter wurde, weiß Heiko Martens nicht. Vielleicht, weil er selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Wohnort ist?

„Von dem Verfahren erwarte ich mir etwas Klarheit darüber, warum er das getan hat“, sagt Martens dem Abendblatt während einer Unterbrechung des Prozesses. Die Zeit nach dem Feuer sei schwer gewesen, vor allem als der mutmaßliche Täter noch nicht gefasst war: „Man kann ja nicht wissen, ob er wiederkommt.“ Er hofft, dass der Brandstifter verurteilt wird.

Der Mann aus Reinbek ist verurteilter Brandstifter

Für Lebewesen glimpflich, wie auf dem Hof der Familie Martens, gingen die Feuer der Brandserie nicht immer aus. In einem Fall starben in einem Stall 30 Rinder. Sonst blieb es bei materiellen Schäden. Menschen wurden nie verletzt. Vielleicht reines Glück, wie die Einschätzung eines Gerichtes bei einem früheren Prozess nahelegt. Der Reinbeker ist ein verurteilter Brandstifter. Er legte bereits Anfang der 90er-Jahre mehrere Brände. Unter anderem im Keller des Hauses seiner Eltern, weil er zuvor mit seinem Vater in Streit geraten war. Immer wieder fiel er durch sein impulsives und zunehmend aggressives Verhalten auf.

Gegenüber Partnerinnen wurde er wiederholt gewalttätig. Anfang der 90er-Jahre verurteilte ihn ein Gericht wegen schwerer Körperverletzung in drei Fällen. Er hatte seiner damaligen Freundin mit der Faust ins Gesicht geschlagen. In einer anderen Beziehung würgte er seine Partnerin fast zu Tode. Wegen seiner Persönlichkeitsstörung war er immer wieder in psychologischer Behandlung, teils in geschlossenen Einrichtungen.

Aggressivität des Angeklagten fiel schon in der Schule auf

Der mittlerweile 51-Jährige ging nur zwei Jahre auf eine Grundschule, anschließend auf eine Sonderschule. Schon dort zeigte er auffällig aggressives Verhalten gegenüber Lehrern und Mitschülern. Er regt sich schnell auf. Das ist offenbar bis heute so. Eine Zeugin war mehrere Jahre mit dem Beschuldigten zusammen. Über die gewalttätige Seite ihres Partners wusste die 40-Jährige nichts, wie sie dem Gericht sagt. Sie beschreibt ihn als „ruhig, höflich und interessiert“. Doch ruhig war er nicht immer. Auch während ihrer gemeinsamen Zeit fuhr er schnell aus der Haut, beruhigte sich erst nach längerer Zeit wieder.

Obwohl sie nicht mehr zusammen sind, besteht noch Kontakt. Auch während es 2018 und 2019 zu den Bränden kam. „Einmal sprach er davon, er müsste mal Feuer legen. Damit die Leute sehen, wie wichtig die Feuerwehr ist“, sagt sie. Das habe sie erschreckt. Dass er das tatsächlich in die Tat umsetzen könne, habe sie ihm aber nicht zugetraut.

Nach einem Streit bei der Feuerwehr beginnt die Brandserie

Bis 2018 war der Angeklagte in der Freiwilligen Feuerwehr, galt bei seinem Wehrführer und unter den Kameraden als zuverlässig und „eine Bereicherung für die Feuerwehr“. Doch dann kam es zum Bruch. Gemeinsam mit Kollegen hatte er Bier getrunken. Dann gab es eine Alarmierung. Er und andere betrunkene Feuerwehrleute durften nicht mit zum Einsatz. Es kam zum Streit und damit möglicherweise zum Auslöser, warum der Angeklagte wieder zum Feuerzeug griff. Der Prozess wird am Montag, 20. Januar, um 9 Uhr fortgesetzt.