Stormarn
Prozessauftakt in Lübeck

Legte Feuerwehrmann elf Brände? Jetzt muss er vor Gericht

Am Montag, 13. Januar, beginnt vor dem Lübecker Landgericht der Prozess  gegen den mutmaßlichen Brandstifter. Es ist ein 51 Jahre alter Feuerwehrmann, der elf Mal landwirtschaftliche Gebäude angezündet haben soll. 

Am Montag, 13. Januar, beginnt vor dem Lübecker Landgericht der Prozess  gegen den mutmaßlichen Brandstifter. Es ist ein 51 Jahre alter Feuerwehrmann, der elf Mal landwirtschaftliche Gebäude angezündet haben soll. 

Foto: imo Jann / Timo Jann

Dem 51-Jährigen werden Taten im Herzogtum Lauenburg und in Stormarn zur Last gelegt. Ab Montag verhandelt das Landgericht den Fall.

Reinbek/Möhnsen/Lübeck. Auf frischer Tat hatten die Handschellen am 29. Juni geklickt: Damals soll ein 51 Jahre alter Feuerwehrmann in Kühsen in einer Scheune Feuer gelegt haben, wenig später wurde er festgenommen. Jetzt wird sich der Mann aus einem Dorf in der Nähe von Ratzeburg vor dem Landgericht Lübeck wegen jeweils mehrfacher versuchter und vollendeter schwerer Brandstiftung verantworten müssen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Lübeck auf Anfrage dieser Zeitung.

Bei dem Feuer auf einem Bauernhof starben 45 Tiere

„Der Angeschuldigte bestreitet die Brandstiftungen“, sagt Staatsanwältin Ulla Hingst. Allerdings hatten Polizisten den bereits unter Tatverdacht stehenden Mann beobachtet, ihn nach der Tat in Kühsen festgenommen. Das verheerendste Feuer in der Reihe der Taten war ein Großbrand auf einem Bauernhof in Mühlenrade im Januar vergangenen Jahres. „Er soll einen Stall in Brand gesetzt haben, der durch das Feuer vernichtet wurde. Der Brand griff auf ein Wohngebäude über, das teilweise zerstört und unbewohnbar wurde. Dies soll der Angeschuldigte auch für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen haben“, sagt die Staatsanwältin. Mehrere Kühe und Kälber starben in den Flammen, ein Großaufgebot der Feuerwehr war über Stunden im Einsatz und konnte zumindest Nachbargebäude vor dem Funkenflug schützen.

Hundegebell verhinderte, dass Menschen zu Schaden kamen

Im März war es in Möhnsen nur einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass eine Brandstiftung in einem Wohn- und Wirtschaftsgebäude keine schlimmeren Folgen hatte. Anwohner waren durch Hundegebell auf mehrere Brandstellen im Gebäude aufmerksam geworden. Feuerwehrleute in der Region waren bereits seit Heiligabend 2018 mehrfach gefordert. Auch einen Großbrand auf einem Pferdehof in Havekost wirft die Staatsanwaltschaft dem 51-Jährigen vor, ebenso Brände in Duvensee (November 2018), Nusse (Heiligabend 2018), Niendorf bei Berkenthin (Februar 2019), Klinkrade (März 2019), Berkenthin (April 2019), Koberg (April 2019) und Reinbek (Juni 2019). Meistens brannte es entlang einer 35 Kilometer langen Achse, wobei die Polizei dem 51-Jährigen nicht alle in die Reihe passenden 20 Feuer zuordnen konnte.

Der Fall löst Bestürzung in Kreisen der Feuerwehr aus

Im April 2019 hatte die Polizei wegen der auffälligen Häufung eine Ermittlungsgruppe gegründet. Doch erst am 29. Juni um 2.28 Uhr konnten sich die Fahnder den Tatverdächtigen schnappen. „Wir haben die Nachricht, dass der mutmaßliche Brandstifter aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr stammen soll, mit Bestürzung zur Kenntnis genommen“, sagte Holger Bauer, Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes in Kiel. Die Taten passten nicht zu den Wertvorstellungen, Aufgaben und Zielen der Feuerwehren. Der 51-Jährige ist Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr nahe Ratzeburg und früher auch im Kreis Stormarn in einer Feuerwehr aktiv gewesen.

Bisher hat das Gericht acht Hauptverhandlungstermine angesetzt

Angeblich rückte er nach einem internen Streit nicht mehr mit zu Einsätzen aus und beteiligte sich auch nicht mehr an Ausbildungen. Auffällig: Seitdem häuften sich die Brandstiftungen in der Region. Prozessauftakt soll am Montag, 13. Januar, sein „und es sind bislang acht Hauptverhandlungstermine anberaumt“, sagt Ulla Hingst. Der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft sitzende Mann macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Die Wehrführung suspendierte den Verdächtigen vom Dienst

Auch wenn es immer wieder vergleichbare Vorkommnisse mit zündelnden Feuerwehrleuten gibt, sind solche Fälle laut Untersuchungen die Ausnahme. Die Quote von Brandstiftungen durch Feuerwehrleute liegt gegenüber anderen laut Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband bei 1:3000. Er sagt: „Unsere Feuerwehren mit ihren fast 50.000 Mitgliedern distanzieren sich von derartigem Fehlverhalten ihrer Kameraden aufs Schärfste.“

Der unter Verdacht stehende Mann wurde von der Wehrführung vom Dienst suspendiert. Über weitere Reaktionen werde die Feuerwehr nach Abschluss des Verfahrens entscheiden. Bauer sagt: „Auch Feuerwehren mit ihren Mitgliedern sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Da ist nie völlig auszuschließen, dass es ,schwarze Schafe’ gibt.“