Stormarn
Richtfest

Reinbeker Container-Schule wächst in Rekordtempo

Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer lobte beim Richtfest das Tempo, mit dem der Container-Campus errichtet worden ist.

Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer lobte beim Richtfest das Tempo, mit dem der Container-Campus errichtet worden ist.

Foto: Susanne Tamm

Nach der Asbest-Verseuchung des Schulzentrums feiert das neue Gebäude aus 352 Containern nach nur elf Wochen Richtfest.

Reinbek. Es ist fast alles geschafft: Die Stadt Reinbek hat gemeinsam mit der Firma Siloco, den Handwerkern und der Nachbarschaft Richtfest für die Campus-Schule auf der Freizeitbadwiese gefeiert. Die neue Einrichtung ist aus insgesamt 352 Containern zusammengesetzt. Diese sollen vom 12. August an rund 750 Schülern der Gemeinschaftsschule Unterschlupf bieten.

Denn die von der Asbestkrise geschüttelte Schule musste Ende 2018 mit ihrem Unterricht in fremde Räume in Wentorf, im Gymnasium Sachsenwald sowie für Klausuren auch ins Reinbeker Rathaus ausweichen.

Bei einer Überprüfung waren 2018 in zwei Räumen des Schulzentrums extrem hohe Asbestwerte in der Luft gemessen worden. In sechs weiteren Klassen waren die krebserregenden Fasern in der Raumluft stark erhöht. Die Ursache der hohen Schadstoffkonzentration gab zunächst Rätsel auf. Schnell war jedoch klar: Der Gebäudekomplex muss zurückgebaut und dafür geräumt werden.

Fassadenelemente sind Ursache für Asbestwerte

Beim Richtfest sagte Bürgermeister Björn Warmer: „Wir wissen jetzt, dass Fassadenelemente ursächlich für die hohen Asbestwerte sind.“ Zu der Frage, ob dies nicht ein Widerspruch zu dem Grundsatz sei, dass in Werkstoffen gebundener Asbest ungefährlich sei, will er sich erst nach den Sommerferien gemeinsam mit den Schulleitern äußern. Die Antwort sei „für die gesamte Branche interessant“, sagte er.

Nun gab es erst einmal Grund zum Feiern. Denn nicht nur der Beschluss der Stadtverordneten für den Container-Campus und die dafür benötigten 7,1 Millionen Euro war für Reinbeker Verhältnisse in einem Rekordtempo gefallen. Auch die ausführende Firma Siloco machte ihrem Motto „schnell wohnen“ alle Ehre: „Wenn wir Sie jetzt an die Baustelle da hinten im Schulzentrum ließen, wären wir Weihnachten fertig mit der neuen Schule“, lobte Warmer die Mitarbeiter und Handwerker scherzend.

Innerhalb von elf Wochen, seit Anfang Mai, haben sie das dreistöckige Ersatzgebäude in U-Form mit 5100 Quadratmetern Nutzfläche errichtet. Projektleiter Alexander Hülsberg erzählte: „So ein großes Bauprojekt hat es in der 100-jährigen Geschichte der Firma Siloco noch nicht gegeben.“ Kollegin Nicole Wittorf bestätigte: „Das Gebäude ist von außen komplett fertig.“ Die Wasserleitungen sollen in der kommenden Woche angeschlossen werden. Die heutigen Container-Modelle erfüllten alle aktuellen Anforderungen an Brand- und Schallschutz, seien klimafreundlich heizbar und gegen Kälte isoliert. Derzeit werden die Außenanlagen fertig gestellt und die Verwaltung bereitet den Umzug vor.

Stadt erhält keine Zuschüsse für Asbest-Krise

Der Neubau der Schule soll etwa in zwei Jahren fertig sein, sagte der Bürgermeister. „Dann wird dies hier alles wieder zurückgebaut. Wir werden die Räume bestimmt noch nutzen, aber nicht hier.“ Wo, wollte er allerdings noch nicht verraten.

Der Asbestfall kommt Reinbek teuer zu stehen. Eine Förderung gibt es laut Warmer nur für die neue Schule. Für Kosten, die sich durch eine derartige Krise ergeben, erhält Reinbek keine Zuschüsse. Die Stadt bleibe auf den 7,1 Millionen Euro inklusive Außenanlagen und Logistik sitzen.

Doch das Krisenmanagement, das Schule, Verwaltung und Politik vorgelegt haben, wird von den Eltern belohnt: Sie haben 50 Kinder mehr an der Gemeinschaftsschule angemeldet als zuvor.