Stormarn
Deutsche Bahn

Defekte Züge bringen Pendler auf die Palme

Erika Erdmann (58) fährt täglich mit der Bahn von Harburg nach Ahrensburg zur Arbeit. Sie ist genervt von den alltäglichen Verspätungen.

Erika Erdmann (58) fährt täglich mit der Bahn von Harburg nach Ahrensburg zur Arbeit. Sie ist genervt von den alltäglichen Verspätungen.

Foto: Eileen Meinke

Kunden klagen über Ausfälle und Verspätungen der Linie RB 81 zwischen Hauptbahnhof, Ahrensburg, Bargteheide und Bad Oldesloe.

Ahrensburg/Bargteheide. Auf der Strecke Hamburg–Lübeck vergeht nach wie vor kaum ein Tag ohne Zugausfälle und Verspätungen. Tausende Pendler, die aus Stormarn nach Hamburg oder in der Gegenrichtung unterwegs sind, beklagen teils erhebliche Zeitverluste. „Wie viel Zeit meine Mitfahrer und ich am Bahnsteig verbringen mussten, ist nicht mehr hinnehmbar und eine absolute Qual“, sagt Volker Raith, der vom Hamburger Hauptbahnhof nach Bargteheide zur Arbeit muss.

Sogar Landesverkehrsministerium schaltete sich ein

Ähnlich ergeht es Erika Erdmann, die aus Harburg nach Ahrensburg fährt. „Die täglichen Verspätungen bereiten mir Probleme bei der Arbeit“, sagt die 58-Jährige, die bei einer Textilreinigung beschäftigt ist. Wenn sie morgens zu spät komme, um den Laden aufzuschließen, werde sie oftmals von einer langen Warteschlange begrüßt. „Es ist fast schon zum Alltag geworden“, sagt Erdmann. Mehr Pünktlichkeit ist auch der größte Wunsch der Ahrensburgerin Veronika Reichhard (76), die regelmäßig nach Hamburg fährt.

Nachdem sich im Winter die Beschwerden gehäuft hatten, schaltete sich im Februar sogar das schleswig-holsteinische Landesverkehrsministerium ein, kündigte für die Zukunft härtere Vertragsstrafen an. „Ein Lichtblick“, dachte auch Volker Raith, einer von täglich rund 40.000 Kunden auf der Strecke. Die Praxis sieht für ihn anders aus: „Leider hat sich die Situation weiter drastisch verschlimmert.“ Sein Zug um 6.08 ab Hauptbahnhof sei teilweise mehrmals die Woche ausgefallen. Ein Bediensteter habe dem Profiticket-Besitzer auf Nachfrage gesagt, dass es einen Zug zu wenig auf der Strecke gebe.

DB twittert: „Fahrzeugmangel & hoher Schadensstand“

Auf dem Twitter-Kanal von DB Regio Schleswig-Holstein war vergangene Woche von „Ausfällen wegen Fahrzeugmangel & hoher Schadensstand an Fahrzeugen“ zu lesen. Aus dem Grund wurden am Mittwoch die Züge ab Hamburg um 16.21, 16.53, 18.08 und 18.21 gestrichen sowie ab Bargteheide um 19.10 und ab Ahrensburg um 17.37, 17.59, 18.59 und 19.19. Am Freitag fuhr der Regionalexpress Hamburg–Lübeck um 7.34 Uhr wegen einer Fahrzeugstörung nicht.

„Hoher Fahrzeugschadstand“ war am Dienstag für den Ausfall der Regionalbahnen ab Hamburg um 16:21, 16.53, 17.53, 18.08 und 18.53 sowie ab Ahrensburg um 17.59, 18.37 und 19.37 verantwortlich. An jenem Tag fiel zudem mal wieder der vom Kunden Volker Raith angesprochene 6.08-Zug vom Hamburger Hauptbahnhof nach Bargteheide aus. Am Montag davor gab es etliche technische Störungen.

Diese Woche begann dann etwas besser: Am Montag war es erneut der 6.08-Zug nach Bargteheide, der wegen einer Lok-Störung nicht fuhr. Infolgedessen musste auch der 7.10-Uhr-Zug ab Bargteheide gestrichen werden. Außerplanmäßig hielten deshalb zwei Regionalexpresse in Bargteheide. Am Dienstag fielen vier Züge ab Ahrensburg (17.37), Hauptbahnhof (16.53, 18.08) und Bargteheide (19.10) aus.

Tatsächlich steht der RB 21354 (6.08 Uhr ab Hauptbahnhof) auch nach Bahnaufzeichnungen außerordentlich oft still – von Februar bis Juni an 19 Tagen. „In den meisten Fällen gab es technische Störungen, die leider nicht kurzfristig vor Ort behoben werden konnten, sodass ein Ausfall unvermeidlich war“, sagt Egbert Meyer-Lovis, Leiter des DB-Regionalbüros Hamburg. Grundsätzlich werde versucht, dass bei Ausfällen der Regionalbahn (RB 81) der jeweils nächste Regionalexpress (RE 8/RE 80) auch in Ahrensburg und Bargteheide stoppe. „Halte an weiteren Bahnhöfen sind nicht möglich, da zum Teil die Bahnsteiglängen für Sieben-Wagen-Züge nicht ausreichen und die Züge so viel Verspätung aufbauen würden, dass wichtige Anschlüsse in den Knotenbahnhöfen Lübeck, Bad Oldesloe, Hamburg nicht gewährleistet wären“, so der Bahnsprecher.

Pünktlichkeit nicht schlechter als im Landesdurchschnitt

Die Behauptung, dass es generell zu wenig Züge gebe, weist Meyer-Lovis zurück. „Der DB Regio Schleswig-Holstein stehen für die Leistungen auf der Strecke ausreichend Loks und Wagen zur Verfügung“, sagt er. Allerdings wirkt sich der Unfall von Alt Duvenstedt (Rendsburg-Eckernförde) vom 8. Mai, als ein Regionalzug mit einem Lastwagen kollidierte, bis auf Weiteres auch auf Stormarn aus. Weil dort ein Triebwagen weniger zur Verfügung stehe, müssten gelegentlich lokbespannte Züge aushelfen. „Dies hat zur Folge, dass weniger Reserveloks für die RB 81 zur Verfügung stehen, und es dadurch momentan vereinzelt zu Engpässen kommen kann.“

Um die Reserve zu erhöhen und auf kurzfristig auftretende technische Probleme schneller reagieren zu können, werde die DB Regio „zeitnah“ zusätzliche Loks erhalten. „Perspektivisch ist zudem geplant, die derzeit auf der RB 81 eingesetzten Loks der Baureihe 112 teilweise durch andere Loks zu ersetzen“, sagt Meyer-Lovis.

Trotz der bekannten Störanfälligkeit liegt die Ausfallquote der RB 81 nach Bahnstatistiken seit Februar bei lediglich etwa einem Prozent. „Im landesweiten Vergleich ist die Linie im Schnitt nicht außergewöhnlich schlecht“, sagt Dennis Fiedel, Sprecher des Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH), der im Auftrag des Landes für den Schienennahverkehr im Norden verantwortlich ist. „Die Anzahl der Ausfälle war zuletzt aber natürlich auffällig.“

Auch bei der Pünktlichkeit schneidet die RB 81 nicht unterdurchschnittlich ab. Seit Januar lagen die Monatsquoten zwischen 94 und 96 Prozent. Im Juni waren es allerdings nur noch 92,1 Prozent und beim schnellen RE 80 lediglich 86,3 Prozent. Die Nah.SH-Verantwortlichen seien ständig mit DB Regio im Gespräch. Die Probleme im Betrieb müsse das Unternehmen allerdings selbst lösen. „Wenn die Qualität im Netz Ost im Jahresschnitt dann unter den vereinbarten Zielen liegen sollte, gäbe es auch einen Malus“, sagt Dennis Fiedel. „Lieber wäre es uns, wenn DB Regio die Qualität wieder in den Griff bekäme."