Pinneberg
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Elmshorn Pirates erleben ein fortwährendes Fiasko

Zwei Piraten sind enttäuscht; Jan Meininghaus und Christian Otto schauen gedankenverloren auf das Spielfeld

Zwei Piraten sind enttäuscht; Jan Meininghaus und Christian Otto schauen gedankenverloren auf das Spielfeld

Foto: Horst Rischbode

Saisonübergreifend ist das Team in der German-Football-League 2 seit 17 Pflichtspielen ohne Sieg. Verantwortliche glauben dennoch an den Klassenerhalt.

Elmshorn. 7:44, 7:52, 21:32 und 7:45. Was auf den ersten Blick nach Uhrzeiten aussieht, sind die bisherigen Resultate der Elmshorn Fighting Pirates in der Nordstaffel der 2. German-Football-League (GFL). Nach vier Saisonpartien rangiert das Team von Headcoach Jörn Maier auf dem letzten Tabellenplatz. Bereits in der vergangenen Saison konnte die Mannschaft von 14 Partien lediglich eine für sich entscheiden. In sportlicher Hinsicht hatten die Piraten die Fahne eingeholt und standen als Absteiger fest. Doch weil Regionalligist Osnabrück Tigers seinerzeit das Aufstiegsrecht in die GFL2 nicht wahrnahm, entschieden sich die Verantwortlichen für den Ligaverbleib in der zweithöchsten Spielklasse.

Der erhoffte Auf- beziehungsweise Umschwung blieb jedoch, trotz eines ordentlichen Etats von rund 100.000 Euro, aus. „Ich denke, dass da auch sehr viel Psychologie hineinspielt. Wenn wir endlich den ersten Sieg einfahren, dann wird der Knoten platzen“, hofft einer der insgesamt vier Team-Kapitäne, Dennis Wetzke.

Auch Jörg Lorenz, Vorsitzender des 1991 gegründeten Football-Vereins, glaubt an den Klassenerhalt. „Wir haben definitiv die Qualität dazu. Es hört sich immer etwas nach Ausrede an, aber wir haben einige verletzte Leistungsträger.“ Torben Stockfleth brach sich im Auftaktduell in Paderborn das Wadenbein, Quarterback Mathias Lilhauge zog sich zu Beginn der Spielzeit eine Oberschenkelverletzung zu und musste nun im ersten Viertel bei der Niederlage im Rückspiel gegen den gleichen Gegner wieder verletzt ausgewechselt werden. Stammspieler Anthony Hughes hat zudem ebenfalls mit muskulären Problemen zu kämpfen. Einige weitere Akteure stehen dem Trainer momentan nicht zur Verfügung. „Es ist sicherlich ein Faktor, aber uns fehlt einfach der Kampfgeist. In drei von vier Spielen haben wir uns wehrlos, klaglos und blutleer unserem Schicksal ergeben“, sagt Headcoach Jörn Maier. Seine Spieler seien momentan nicht dazu bereit, ähnlich physisch zu Werke zu gehen wie der Gegner. Die ernüchternde Bilanz bisher: Vier Pleiten und ein Punkteverhältnis von 42:173. „Mit Paderborn und Bielefeld hatten wir schon zwei echte Brocken dabei. Jetzt kommen die Begegnungen, die wir gewinnen müssen“, so Wetzke. Gegen die Bielefeld Bulldogs lag Elmshorn zur Halbzeit sogar 14:11 vorne, sieben katastrophale Minuten im dritten Spielabschnitt ließen das Momentum wieder auf Seiten der Ostwestfalen wechseln. 0:27. Am Ende hieß es 21:32.

Am Sonnabend, 23. Mai, ist der Aufsteiger Potsdam Royals zu Gast im Krückaustadion (15 Uhr). Der kommende Gegner konnte allerdings schon Paderborn besiegen. „Eigentlich kann in dieser Liga jeder gegen jeden gewinnen. Nur wir verlieren leider immer“, sagt Maier, der dennoch nicht mit Bauchschmerzen zu den Partien seines rund 50-köpfigen Kaders fährt. „Ich bin seit 21 Jahren Football-Trainer. Das ist einfach meine Leidenschaft“, um dann anzufügen: „Natürlich leide ich, aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir das Zeug dazu haben, zwei Teams hinter uns zu lassen, um ganz sicher in der Liga zu bleiben.“ Wahrscheinlich wird durch eine Neuregelung auch der vorletzte Tabellenplatz reichen. Doch für den Nicht-Abstieg müsste Elmshorn endlich den „Schalter umlegen“, wie es Jörg Lorenz formuliert.

17 Pflichtspiele in Serie – beide Spielzeiten zusammengenommen – verloren die Elmshorn Fighting Pirates. Es sei schwer, eine Siegermentalität in eine Truppe hineinzubekommen, die das Gefühl des Erfolges gar nicht mehr richtig kenne, so Maier. Auch im Rückspiel gegen Paderborn setzte es zuletzt mit 7:45 nach vier Vierteln eine herbe Klatsche. „Mir tut es einfach leid für die Jungs, die im Winter hart gearbeitet haben und dafür nicht belohnt werden“, so Lorenz. Die Stimmung im Team ist derzeit nicht gerade die beste, wie Running Back Wetzke zugibt, aber die Moral sei ungebrochen. Headcoach Jörn Maier hofft, dass seine Spieler gegen die Mentalität, „sich sofort zu ergeben, wenn es nicht läuft“, ankämpft. Und diese negativen Phasen haben ein deutliches Übergewicht gegenüber jenen, in denen den Elmshornern während des Spiels Gutes gelingt.

Es hapert bei den Piraten: In der Theorie sind Seeräuber Diebe, doch das Schiff der Elmshorn Fighting Pirates wird regelmäßig geentert und versenkt. Und das Diebesgut – die Punkte – nimmt immer der Gegner mit.