Kreis Pinneberg

Landwirt im Glück: Die Spargelernte ist gerettet

Spargelbauer Harm Schmietendorf verkauft seinen Spargel während der Coronakrise hinter einer Plexiglasscheibe. 

Spargelbauer Harm Schmietendorf verkauft seinen Spargel während der Coronakrise hinter einer Plexiglasscheibe. 

Foto: Joana Ekrutt

Erntehelfer sind doch noch auf dem Hof der Schmietendorfs in Wedel eingetroffen. Etliche haben zur Anreise das Flugzeug genommen.

Wedel.  Vor dem Hofladen des Spargelhofs Schmietendorf in Wedel stehen die Kunden am Montagvormittag bereits Schlange. Allein oder in Zweiergrüppchen. Alle mit dem gebotenen Sicherheitsabstand zueinander. Seit Sonnabend hat der kleine Hofladen geöffnet. Da die Sonne seither strahlt, war der Andrang von Beginn an groß. Ein letztlich ziemlich guter Saisonstart für den Familienbetrieb.

Und vor allem eine schöne Wendung, denn Mitte März wusste Spargelbauer Harm Schmietendorf noch nicht einmal, ob er in diesem Jahr überhaupt Spargel würde ernten können. Denn aufgrund der Einreisebeschränkungen und der Grenzschließungen infolge der Coronakrise stand die Einreise seiner Erntehelfer auf der Kippe. 30 Saisonarbeitskräfte beschäftigt Schmietendorf auf seinem Hof. 20 Polen und zehn Rumänen. In jedem Jahr dieselben.

Bis auf fünf Erntehelfer ist die Mannschaft komplett

„25 Helfer konnten noch vor dem Einreisestopp herkommen“, sagt Spargelbauer Schmietendorf. Alle rumänischen Erntehelfer seien am 24. März mit einem Flugzeug über Dortmund eingereist. Von den 20 polnischen Helfern sind 15 drei Tage später mit dem Auto auf dem Wedeler Spargelhof angekommen. Bis auf fünf Erntehelfer ist die Mannschaft also komplett.

Noch falle dieser Verlust nicht ins Gewicht. „Wenn es kalt ist, wächst nichts“, sagt Schmietendorf. Bei den aktuellen Temperaturen könne sich das jedoch bereits im Laufe der nächsten Tage ändern. „Dann müssen wir sehen, ob wir mit fünf Arbeitern weniger auskommen, oder ein Stück der Anbaufläche aus der Ernte rausnehmen.“

Neue Kräfte für den Verkauf im Hofladen

Nachdem öffentlich bekannt geworden war, dass die Spargelernte in Wedel in diesem Jahr auf der Kippe stand, haben sich bei den Schmietendorfs zahlreiche Menschen gemeldet, die auf dem Hof arbeiten wollten. „Das Telefon klingelte in einer Tour.“ 100 Namen und Telefonnummern habe sich das Paar notiert. „Das hat uns natürlich gefreut“, sagt Harm Schmietendorf. Die Bandbreite der Anrufer sei dabei sehr groß gewesen. Vom Schüler über den Studenten bis hin zum Kurzarbeiter. Kurzfristig richteten die Schmietendorfs sogar einen Anrufbeantworter ein, auf dem sie mitteilten, dass sie keine Helfer mehr benötigen.

Da die vertrauten Erntehelfer schließlich doch gekommen waren, bestand der Bedarf nicht mehr. Zudem hält Schmietendorf nicht so viel davon, fachfremde Helfer auf dem Feld zu beschäftigen. Für den Verkauf im Hofladen habe er auf diese Weise jedoch ein paar neue Kräfte gewinnen können. Das sei auch notwendig geworden, da die Arbeit mit direktem Kundenkontakt für einige seiner langjährigen Mitarbeiter, die zur Risikogruppe gehören, in diesem Jahr nicht möglich ist.

Mit Mundschutz wird im Hofladen nicht gearbeitet

Die üblichen Abstandsregeln sind das eine, neue Plexiglasscheiben das andere. Die haben Schmietendorfs im Hofladen anbringen lassen, sodass der Kontakt zwischen Kunde und Verkäufer weiter eingeschränkt ist. Mit Mundschutz wird jedoch nicht gearbeitet. Die Spargelschälmaschine ist jedoch aus dem Laden in ein provisorisch aufgebautes Zelt auf dem Hof umgezogen. „Sonst wird es im Laden zu voll“, sagt Schmietendorf.

An der Maschine steht am Montag Hannelore Luwe und überreicht den Kunden, die den Spargel direkt geschält mitnehmen wollen, nach der Prozedur die weißen Stangen in eine Plastiktüte gehüllt. Die 72-Jährige arbeitet bereits seit zehn Jahren auf dem Spargelhof Schmietendorf. Aufgrund der Coronapandemie ist in diesem Jahr jedoch alles anders. „Das ist ganz neu, man muss sich darauf einstellen.“

Erntehelfer sind getrennt untergebracht

Durch die auf dem Hof getroffenen Maßnahmen fühle sie sich jedoch gut geschützt. „Wir haben liebe Chefs.“ Ob sich die Kunden an die Abstandsregeln halten? „Einige muss man darauf hinweisen, aber dann klappt es“, sagt Luwe. Das bestätigt auch Harm Schmietendorf: „Die Kunden kommen schon erzogen hierher.“ Auf dem Hof sei auch bislang niemand krank, sagt der 48-Jährige. „Die Erntehelfer sind jetzt seit 14 Tagen hier und alle gesund.“ Sie seien getrennt untergebracht und hätten sich aufgrund der Zeit, die sie seit ihrer Einreise schon auf dem Wedeler Hof sind, quasi in Quarantäne befunden.

Dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass die Spargelernte in Wedel in diesem Jahr nicht mehr in Gefahr ist, weiß Schmietendorf von Kollegen. „Einige haben Probleme, weil nicht einmal die Hälfte ihrer Leute gekommen ist.“ Er selbst blickt der bevorstehenden Saison nun optimistisch entgegen: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“