Kreis Segeberg

Corona-Krise – Spargelernte ist nicht in Gefahr

| Lesedauer: 6 Minuten
Jörg Riefenstahl
Mike Bolhuis führt den Spargelhof in Tangstedt zusammen mit seiner Partnerin Anja Denzin. In diesen Tagen haben sie viel zu tun.

Mike Bolhuis führt den Spargelhof in Tangstedt zusammen mit seiner Partnerin Anja Denzin. In diesen Tagen haben sie viel zu tun.

Foto: Bolhuis

Auf den Spargelhöfen läuft der Erntebetrieb unter verschärften Bedingungen – ausgeliefert wird auch mit dem „Spargel-Taxi“.

Wiemersdorf/Tangstedt.  Im Norden beginnt die Spargelsaison. Die Erntehelfer sind jetzt täglich auf den Feldern in der Region unterwegs, um die leckeren Stangen zu stechen. Spargelhöfe wie Schäfer in Wiemersdorf und Bolhuis in Tangstedt haben ihre Hofläden auch in Coronazeiten geöffnet. Die frische Ware kommt zudem an vielen Verkaufsständen in der Region und in Hamburg auf den Markt. Wer will, kann sich das Stangengemüse sogar nach Hause liefern lassen. Mit dem „Spargel-Taxi“.

Befürchtungen, die Spargelernte könne dieses Jahr ins Wasser fallen, haben sich nicht bestätigt. ,,Wir sind für die Vorsaison versorgt“, sagt Christian Schäfer, der den Spargelhof in Wiemersdorf zusammen mit seiner Frau führt. 55 Erntehelfer aus Rumänien haben auf Schäfers Hof Quartier bezogen, um auf 60 Hektar Anbaufläche drei Monate lang Spargel zu stechen. Damit sie den Hof nicht verlassen müssen, hat er für sie extra einen Kiosk-Laden eingerichtet. Dort finden die Saisonarbeiter, die in Zweier-Zimmern untergebracht sind, alles für ihren täglichen Bedarf.

Die Erntehelfer zu bekommen, sei jedoch alles andere als leicht gewesen, berichtet Schäfer. 21 Formulare habe er für jeden Mitarbeiter ausfüllen müssen und ihnen außerdem die Flugtickets für die Anreise nach Deutschland bezahlt. Tschechien hat seine Grenzen zum Schutz vor Corona geschlossen. Damit ist Deutschland von Bulgarien und Rumänien aus auf dem Landwege bis auf Weiteres nicht mehr zu erreichen. Aber auch mit dem Flugzeug gibt es offenbar Probleme. ,,Ich habe Mitte März mit sämtlichen Papieren in zwei Leitz-Ordnern auf dem Flughafen gestanden, um 45 Erntehelfer aus Rumänien zu empfangen. Die Tickets waren bezahlt, es war alles mit den Grenzern besprochen.“ Doch als die Maschine aus Bukarest in Frankfurt landete, waren die 45 Sitzplätze leer. Die Erntehelfer durften nicht einreisen.

Um den Bedarf an Saisonarbeitern mit inländischen Kräften zu decken, hat die schleswig-holsteinische Landesregierung die Kampagne ,,Erntehilfe SH“ ins Leben gerufen. Außerdem dürfen Arbeitnehmer in Kurzarbeit ab sofort bis zur Höhe ihres bisherigen Nettolohnes hinzuverdienen. Zudem hatte der Bauernverband den Innenminister gebeten, sich auf Bundesebene dafür starkzumachen, dass künftig auch Asylbewerber in der Landwirtschaft arbeiten dürfen. Unterdessen hat das Bundeslandwirtschaftsministerium signalisiert, dass die Einreisebeschränkungen für Erntehelfer aus Osteuropa gelockert werden sollen. Wer ein Gesundheitszeugnis hat, soll für die Spargelernte mit dem Flugzeug nach Deutschland einreisen können, heißt es.

Aber werden in diesem Jahr auch Studenten und Servicekräfte aus Gaststätten bei der Spargelernte anpacken? Schäfer winkt ab. ,,Spargelstechen ist harte Arbeit. Das kann nicht jeder. Es gibt bei uns keine Menschen mehr, die es gewohnt sind, täglich neun bis zehn Stunden bei Wind und Wetter draußen auf dem Feld drei Monate lang körperlich hart zu arbeiten. Die hauen ab.“ Er könne es sich in seinem Betrieb gar nicht leisten, 20 Leute auszuprobieren, um festzustellen, dass keiner durchhält.

Mit dem ersten Spargel ist der Landwirt indes sehr zufrieden. ,,Der Spargel hat im März viel Sonne gehabt. Die Wachstumsphase hat auf dem leichten Boden sehr früh begonnen. Der Spargel ist schön gleichmäßig gewachsen. Er hat das volle Aroma“, sagt der Fachmann. In seinem Hofladen kostet das Kilo jetzt 4,90 bis 13,90 Euro. ,,Es ist gerade jetzt wichtig, dass die Kunden bei Spargel aus der Region zugreifen“, sagt der Landwirt. Daran hängen auch Arbeitsplätze. Zehn Festangestellte und 80 Saisonkräfte arbeiten übers Jahr in Wiemersdorf.

Am besten wächst Spargel bei 16 bis 20 Grad

In Tangstedt freut sich Landwirt Mike Bolhuis über den ersten Spargel. Er führt den Familienbetrieb zusammen mit seiner Partnerin Anja Denzin. ,,Ich gehöre zu den Glücklichen, die kein Problem haben, Erntehelfer zu bekommen“, sagt Bolhuis. ,,Unsere Erntehelfer kommen alle aus Polen. Sie fahren einfach über die Grenze. Ich bin nie auf Arbeitskräfte aus Rumänien oder Bulgarien umgestiegen. Dafür bin ich jetzt dankbar.“

Sechs Erntehelfer haben damit begonnen, bei Bolhuis Spargel zu stechen. Maximal 25 sollen es werden. Sie wohnen auf dem Hof, zu zweit in Wohncontainern. ,,Wir kaufen für unsere Mitarbeiter ein, damit sie sich etwas Schönes brutzeln können“, sagt der Landwirt.

Auf 15 Hektar gedeiht bei Bolhuis Spargel. ,,Wir waren froh, dass auf den leichten Böden in den kalten Nächten nichts erfroren ist.“ Am besten wächst Spargel bei 16 bis 20 Grad. Um das optimale Klima zu erreichen, werden die langen Kunststofffolien am Tage hin und wieder gelüftet.

Eine Herausforderung bestand darin, neue Verkäuferinnen und Verkäufer für den Hofladen zu finden. ,,Bei uns arbeiten normalerweise viele Rentner. Das geht jetzt leider nicht mehr. Sie gehören zur Risikogruppe“, sagt der Landwirt. Um seine Mitarbeiter und Kunden optimal zu schützen, arbeiten die Verkäuferinnen hinter Plexiglas.

Seit Donnerstag ist Bolhuis’ Hofladen geöffnet. Das Kilo Spargel kostet ab 9,90 bis 14,90 Euro. ,,Auf Wunsch schälen wir den Spargel kostenlos und bringen ihn auch kostenlos nach Hause. Mit dem ,Spargel-Taxi’“, sagt Anja Denzin. Das Taxi fährt auch nach Hamburg. ,,Am Freitag waren wir in der HafenCity unterwegs. Da haben wir eine ganze Straße beliefert. Das hatte eine unserer Kundinnen mit ihren Nachbarn organisiert.“

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