Pinneberg
Schenefeld/Halstenbek

Aus dem Kreis Pinneberg nach Las Vegas

Die beiden Show-Pianisten David Harrington (l.) und sein Partner Götz Östlind haben große Ziele. In der Barclaycardarena werden Produzenten aus den USA und Kanada im Publikum sitzen

Die beiden Show-Pianisten David Harrington (l.) und sein Partner Götz Östlind haben große Ziele. In der Barclaycardarena werden Produzenten aus den USA und Kanada im Publikum sitzen

Foto: angeliefert / HA

Im Kreis Pinneberg begann die Karriere von David Harrington. Am 30. Januar spielt er mit Partner Götz Östlind in der Barclaycardarena.

Schenefeld/Halstenbek.  Er ist Pianist, Sänger, Entertainer und Comedian – und auf dem Weg zum Olymp des Showbusiness. Wenn David Harrington am 30. Januar mit seinem Partner Götz Östlind auf die Bühne der Barclaycardarena in Hamburg tritt, werden auch Produzenten aus den USA und Kanada im Publikum sitzen und die beiden Show-Pianisten in Augenschein nehmen. In Nordamerika waren beide noch nicht. Und wenn es soweit kommt, darf’s auch gern eine Nummer größer sein. Las Vegas beispielsweise. „Warum nicht“, sagt Harrington, der seine Wurzeln in Halstenbek und Schenefeld hat und schon als Achtjähriger gemeinsam mit Richard Clayderman auf dem Flügel spielte. „Vegas finde ich sehr spannend, aber nur mit eigener Show und für einen begrenzten Zeitraum.“

Konzerte im höchsten Gebäude der Welt

Ganz schön selbstbewusst. Und doch fast zwingend nach dem steilen Aufstieg, den die beiden „Showpianisten“ seit gut sechs Jahren hingelegt haben. Tourneen führten die beiden mit ihrer Show aus virtuoser Klavierkunst, Schauspiel, Witz, Comedy und ausdrucksstarkem Gesang fast um die ganze Welt.

So konzertierten sie beispielsweise im höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa in Dubai, sangen und spielten – weltweit im TV übertragen – zum Auftakt des Formel-1-Rennens auf dem Dach der Boxengasse des Nürburgrings die deutsche Nationalhymne im Duett an zwei Flügeln und ritten in Marokko auf einem weißen und einem schwarzen Dromedar zu ihren gleichfarbigen Flügeln, um das Konzert in Marrakesch zu beginnen. Klingt ganz schön abgehoben, doch es sind nur einige Highlights einer Traumkarriere, die David Harrington und sein Partner hingelegt haben.

Mutter Renate erkannte schon im Kindergartenalter das musikalische Talent des jungen David. Im Alter von fünf Jahren bekam der junge Halstenbeker Klavierunterricht, mit acht gewann er den renommierten Teldec-Klavierwettbewerb, der ihm eine Begleitung des damaligen Piano-Stars Richard Clayderman bei seiner Europa-Tournee bescherte.

Im Schenefelder Gymnasium prägten ihn sein Musiklehrer Stefan Köttgen und Christiane Seifert, die Leiterin der Theater AG. Beide brachten ihn auf den Weg, Theater und Musik zu verknüpfen.

Kein Wunder, dass Harrington nach dem Abi 1992 mit dem Musikstudium begann, in Hamburg und Berlin die Fächer Klavier, Dirigieren und Gesang (lyrischer Tenor) studierte. An der Freien Uni Berlin studierte er anschließend Theaterwissenschaft, Soziologie und Kommunikationswissenschaften, schloss mit den Magister Artium ab.

Harrington dirigierte Erstaufführung von Dirty Dancing

Sein beruflicher Weg begann als Dirigent und Pianist in zahlreichen Musicalproduktionen wie Cats, Das Phantom der Oper, Little Shop of Horrors, My Fair Lady und weiteren Produktionen. Als Assistent von Michael Reed (Musical Supervisor von Andrew Lloyd Webber) war er in Workshops der Firma Stage Entertainment beteiligt an der Entwicklung des Udo-Jürgens-Musicals Ich war noch niemals in New York.

Harrington dirigierte die deutsche Erstaufführung von Dirty Dancing in Hamburg und blieb bis 2008 Dirigent an Europas größtem Musical-Theater Neue Flora. Parallel dazu war er zehn Jahre Musikalischer Abendleiter (MD) am Schmidt’s Tivoli Theater in Hamburg, leitete Hunderte von Aufführungen musikalisch. Er dirigierte die Uraufführungen von Martin Lingnaus Musicals Swinging St. Pauli, Heiße Ecke, Karamba und alle anderen Produktionen mit dem Original Tivoli Orchester im Wechsel mit MD Erek Siebel.

Das Leben auf der Überholspur forderte seinen Tribut. 2005 hatte David Harrington mit psychischen Problemen zu kämpfen, litt unter einem Burn-Out-Syndrom, machte trotz allem immer weiter, ließ sich nichts anmerken. „Wie soll man aus einer fahrenden Achterbahn aussteigen?“, erinnert er sich.

Dann 2009/2010 kam die Wende. David Harrington und der Solopianist Götz Östlind kannten sich schon länger, waren beide mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden und kamen auf die Idee, als Klavier-Duo aufzutreten. „Im klassischen Bereich gibt es das öfter, da wird die Duoliteratur nach Noten gespielt“, sagt David Harrington, „im Showbereich war das etwas völlig Neues.“

Abschied vom Dirigentenjob und Musicalszene

Beide wollten einen Sound kreieren, Songs neu für zwei Flügel arrangieren und interpretieren und dies mit Witz und Humor verbinden. „Intellektuell ansprechend, aber auch einmal ein derber Spaß“, so beschreibt der Musiker die Mixtur der Show, die ganz offensichtlich eine Marktlücke schloss.

Harrington ließ seinen Dirigentenjob und die Musicalszene ohne Bedauern sausen („die Branche hat sich ungut verändert, als wir früher nur vier Musicals in Hamburg hatten, waren die Säle voll, heute mit 14 großen Musicals in Deutschland sind sie halb leer, außer König der Löwen und Aladdin“) und stürzte sich in das Abenteuer „Showpianisten“.

Rund 80 Auftritte im Jahr in Deutschland absolvieren die beiden – mit Erfolg. Von 400 Leuten im Schenefelder Forum oder im Winterhuder Fährhaus wuchs das Publikum 2011 auf 2000 in der Hamburger Laeiszhalle, die sie 2011 einmal und 2013 zwei Mal ausverkauft bespielten. Wermutstropfen: „Viele Plätze der Laeiszhalle bieten keinen guten Blick auf die Bühne“, sagt Harrington. Das sei ihnen mehrfach von Besuchern ihrer Shows gesagt worden.

Cirque du Soleil beobachtet die Show-Pianisten

Da kam ein Angebot der Betreiber der Barclaycard-Arena (damals noch O-2-World) gerade recht, es doch einmal in der größten Veranstaltungshalle der Stadt zu probieren. Allerdings wird dafür lediglich eine Kurve der Arena präpariert, sodass etwa 4500 Menschen Platz finden, „alle mit bester Sicht auf die Bühne und die große Leinwand dahinter“, verspricht Harrington. „Für uns ist es auch ein Test, ob wir arenatauglich sind“.

Arena, das klingt ein wenig nach Zirkus. Harrington schmunzelt. Auch ein Vertreter des weltberühmten Cirque du Soleil sitzt am 30. Januar im Publikum, verrät er. Das in Kanada ansässige Entertainment-Unternehmen legt sein Hauptaugenmerk auf Artistik, Theaterkunst und Livemusik. Beispielsweise eine musikalische Show in Schwarz und Weiß im Cirque du Soleil, sinniert Harrington, so wie die Farben der Flügel und Anzüge der beiden, „das wäre schon eine interessante Sache...“

Restkarten für die Show am 30. Januar in der Barclaycardarena gibt es noch an der Abendkasse