Pinneberg
SHMF

Schenefeld: Ein Graf spielt Ersatzkünstler

Glück im Unglück: Der Stummfilmpianist Stephan Graf von Bothmer war kurzfristig für einen erkrankten Künstler in Schenefeld eingesprungen

Glück im Unglück: Der Stummfilmpianist Stephan Graf von Bothmer war kurzfristig für einen erkrankten Künstler in Schenefeld eingesprungen

Foto: Sarah Stolten / HA

Mit Livemusik von Stephan Graf von Bothmer zu alten Stummfilmklassikern endet das Schleswig-Holstein Musik Festival in Schenefeld.

Schenefeld. Zu Beginn war die Skepsis unter den etwa 300 Besuchern im Schenefelder Forum noch spürbar. Livemusik zu Stummfilmen? Würde das funktionieren? 90 Minuten und mehrere „Dick und Doof“-Filme später war das Eis gebrochen. Das Konzept des Stummfilm-Pianisten Stephan Graf von Bothmer ging auf. Mit der Live-Interpretation des Musikers, der zu vier der besten Kurzfilme von Stan Laurel und Oliver Hardy am Flügel spielte, fand das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) im Kreis Pinneberg am Freitag seinen krönenden Abschluss. Der Graf eroberte schnell die Herzen des Publikums – die berauschende Darbietung am Piano, ergänzt um Maultrommelmusik und Comedy-Elemente machten es möglich.

Mit diesem großen Erfolg war ein paar Tage vor dem Konzert nicht zu rechnen gewesen. Kurz vor dem Finale der SHMF-Reihe im Kreis Pinneberg in Schenefeld geschah das, vor dem es jedem Konzertplaner graut: Der Künstler sagte ab. Der ursprüngliche vorgesehene Cellist Eckart Runge musste das Konzertprojekt „Cello Cinema“ mit dem Pianisten Jacques Ammon krankheitsbedingt streichen. Die SHMF-Organisatoren standen ohne Zugpferd da – und das bereits das zweite Mal in Folge. Denn schon im vergangenen Jahr hatte das Programm in Schenefeld umgeschmissen werden müssen. Auch damals hatte ein Künstler kurzfristig abgesagt.

Nicht für jedes Konzert gibt es Ersatz

Einen Plan B haben die Organisatoren vom SHMF nicht für jeden Spielort parat. Für jeden Künstler einen zweiten Mann im petto zu haben, das wäre bei einer so großen Veranstaltungsreihe nicht machbar, wie SHMF-Pressesprecherin Bettina Brinker betont. In einem Fall wie dem Schenefelder müsse also improvisiert werden, um einen vollwertigen Ersatz zu finden. „Dass jemand krankheitsbedingt absagt, kann immer passieren“, so Brinker. „Es ist aber jedes Mal ein neue Herausforderung jemanden zu finden, der zum Programm passt. Umso mehr freut man sich, wenn am Ende ein toller Künstler gefunden werden konnte.“

Auch die Besucher gilt es zu überzeugen. Die haben für ihr Geld schließlich eine andere Show erwartet. Besetzungs- und Programmänderungen berechtigen jedoch nicht zur Rückgabe der Karten. „Wir haben etwas anderes erwartet“, sagt die Schenefelderin Renate Spranger am Freitag. Daher gehe sie automatisch kritischer in die Veranstaltung. Doch der Stummfilm-Pianist konnte auch sie mit seinem Geschick am Flügel überzeugen. „Ich bin positiv überrascht“, so Sprangers Fazit.

Es grenze an ein Wunder, dass Stephan Graf von Bothmer es möglich gemacht habe, das Konzert in Schenefeld doch noch durchzuziehen, so SHMF-Chefdramaturg Frank Siebert. Der Künstler selbst kennt die Situation, wenn das Publikum anfänglich zurückhaltend reagiert. „Das, was ich mache, ist ein Nischenprogramm. Deshalb ist es nicht immer einfach den Saal vollzubekommen“, erklärt er. „Ich habe in Kolumbien, auf den Philippinen, in Uruguay und Brasilien gespielt und über 600 Filme vertont. Am Ende fanden es die Leute stets toll.“ So auch in Schenefeld, wo allein der Film stumm blieb, die Zuschauer aber lautstark applaudierten.