Pinneberg

Hort-Missbrauchsprozess: Staatsanwalt fordert 18 Monate auf Bewährung

Nach 13 Monaten brach Uwe B. in seinem letzten Wort sein Schweigen - und in Tränen aus. "Ich habe keine Kinder angefasst, ich stehe nicht auf kleine...

Elmshorn/Itzehoe. Nach 13 Monaten brach Uwe B. in seinem letzten Wort sein Schweigen - und in Tränen aus. "Ich habe keine Kinder angefasst, ich stehe nicht auf kleine Mädchen", stammelte der Angeklagte. Mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage-Vertretern ging am gestrigen 38. Verhandlungstag der Elmshorner Hort-Missbrauchsprozess in die Endphase. Das Urteil wird die Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe am 17. März verkünden.

Die Vorstellungen der Prozessbeteiligten könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Verteidiger Arne Timmermann einen Freispruch für seinen Mandanten beantragte, forderte Staatsanwaltschaft Tobias Engelstätter eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten - und Opferanwalt Jens Bulnheim gar eine Gefängnishaft von zwei Jahren und drei Monaten. Letzteres erscheint allerdings unwahrscheinlich, schließlich musste die Anklage im Laufe des Verfahrens kräftig Federn lassen.

22 Straftaten aus den Jahren 2005 und 2006 waren Uwe B. vorgeworfen worden, darunter 20 sexuelle Übergriffe auf acht Kinder des DRK-Hortes. "Bis auf drei Fälle hat sich der hinreichende Tatverdacht nicht bestätigt", musste Staatsanwalt Engelstätter nach der Vernehmung von mehr als 40 Zeugen einräumen. Hauptgrund dafür: die Einschätzung der psychologischen Sachverständigen Petra Hänert.

Sie war im Mai 2007 in das Verfahren eingetreten, nachdem die vorherige Gutachterin Petra Wolf am ersten Verhandlungstag wegen Befangenheit ausschied. Hänert vertrat in der Neuauflage des Verfahrens die Auffassung, dass die Aussagen von sieben der acht Opfer wegen "subjektiver Beeinflussung" nicht verwertbar seien. Und beim achten Kind stufte Hänert lediglich drei der sechs von ihm angezeigten Taten als "dem Angeklagten zuzuordnen" ein. Diese Aufsplittung wiederum hält die Verteidigung für unzulässig, sie forderte gestern vergeblich ein weiteres Gutachten.

"Es bleibt ein schaler Nachgeschmack", so Christoph Heer, einer der Opferanwälte. Sein Kollege Torben Schneider rechnete mit der Opferhilfeeinrichtung Wendepunkt ab. Sie war von den Eltern eingeschaltet worden, hatte vor Eingreifen der Polizei Hortkinder befragt und so deren Aussage nach Meinung der Gutachterin wertlos gemacht. Schneider: "Hier stieß fachliche Inkompetenz auf Ignoranz." Die Eltern der Opfer seien "entsetzt und erschüttert" über die Vorgehensweise des Wendepunktes.

Für Verteidiger Timmermann indes ist klar, dass der Angeklagte selbst das Opfer ist. "Herr B. war zur falschen Zeit am falschen Ort." Der 62-Jährige - dessen Frau Ingrid leitete die Einrichtung und wurde im März 2008 vom Vorwurf der Beihilfe freigesprochen - habe dort als Hausmeister ausgeholfen und sei Vertrauensperson der Kinder geworden. Nachdem ein schon vorher von sexuellem Missbrauch betroffenes Mädchen unberechtigte Vorwürfe erhoben habe, sei im unglückseligen Zusammenspiel von Wendepunkt, Eltern, Kripo und Staatsanwaltschaft eine Lawine ins Rollen geraten. Timmermann: "Mein Mandant kämpft um seine Glaubwürdigkeit und seine Selbstachtung, eine Verurteilung wäre eine Katastrophe."