Pinneberg

Missbrauch im Hort: Kinder sagen nichtöffentlich aus

Elmshorn. Es waren drei quälend lange Stunden für Nadine. So lange wurde das junge Mädchen gestern vor dem Landgericht Itzehoe als Zeugin befragt. Die Achtjährige war das erste Kind, das zu den Vorgängen im Elmshorner DRK-Hort am Hedwig-Kreuzfeldt-Ring aussagen musste.

Dort soll Uwe B. (61), Ehemann der ehemaligen Hort-Leiterin Ingrid B. (56), zwischen Frühjahr 2005 und Sommer 2006 in 22 Fällen Kinder sexuell belästigt sowie zum Teil körperlich misshandelt haben. Seine Frau, die sich trotz häufender Vorwürfe von Eltern nichts unternahm, ist wegen Beihilfe in elf Fällen angeklagt. Beide schwiegen auch an diesem zweiten Verhandlungstag.

Zehn der 22 angeklagten Taten betreffen die Geschwister Nadine und Lena (Namen geändert). Beide mussten nun aussagen - und sie taten es auf Antrag ihres Opferanwalts Jens Bulnheim unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bulnheim: "Beide haben das Tatgeschehen bis heute nicht verarbeitet, leiden seelisch darunter."

Die Kinder belasteten den Angeklagten. So sollen die Schwestern nach Informationen unserer Zeitung das in der Anklageschrift aufgeführte Kerngeschehen bestätigt haben. An ganz genaue Einzelheiten konnten sie sich jedoch nicht erinnern.

Besonders auf die heute zehnjährige Lena - auch ihre Vernehmung dauerte mehr als drei Stunden - hatte es Uwe B. laut Anklage abgesehen. Auf dem Sofa der gelben Gruppe, im Ruheraum, selbst in einer Strandmuschel fanden laut Staatsanwaltschaft die sexuellen Übergriffe statt, wobei Uwe B. die intimen Stellen des Kindes berührte und es zwang, ihn anzufassen. Dabei soll der Angeklagte häufig eine Decke über sich und das Mädchen gelegt haben, um sein Tun zu verbergen.

Auch bei der zwei Jahre jüngeren Schwester Nadine wurde Uwe B. laut Anklage zudringlich. So soll sich eine der Taten sogar im Gruppenraum abgespielt haben, während die Kinder den Film "Arielle, die Meerjungfrau" ansahen.

Erst begleitete Uwe B. seine Frau ab und zu in den Hort. Als er Ende 2005 seinen Job verlor, kam er täglich mit - und spielte mit den Kindern.

Drei weitere Erzieherinnen, die von Übergriffen nichts bemerkt haben wollen, wurden versetzt. Sie sind als Zeugen geladen, ebenso wie Ermittler sowie Pädagogen vom Wendepunkt, der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch. Auch Eltern der Opfer müssen aussagen. Die Eltern von Nadine und Lena warteten gestern vergebens, ihre Vernehmung wurde verschoben. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt, bisher sind 37 Zeugen geladen.