Pinneberg
Elmshorn: Staatsanwaltschaft Itzehoe schließt viermonatige Ermittlungen ab

Missbrauch im Hort: Ehepaar angeklagt

Uwe B. soll acht Kinder in 20 Fällen sexuell belästigt haben. Seiner Frau Ingrid, Leiterin der Einrichtung, wird Beihilfe vorgeworfen.

Elmshorn. Die Missbrauchs-Vorwürfe im Elmshorner Kinderhort am Hedwig-Kreuzfeldt-Ring haben ein gerichtliches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat nach viermonatigen Ermittlungen Anklage gegen die ehemalige Hortleiterin Ingrid B. (55) und ihren Ehemann Uwe (60), beide aus Hamburg, erhoben. Dem 60-Jährigen wird sexueller Missbrauch von Kindern in 20 Fällen vorgeworfen, seine Frau wird der Beihilfe beschuldigt.

Die Anklage listet Fälle auf, in denen Uwe B. sexuelle Handlungen an oder vor Kindern vorgenommen haben soll. Zum Teil soll er auch die Opfer gezwungen haben, ihn sexuell zu stimulieren. "Es geht um 20 Fälle zwischen Frühjahr 2005 und August 2006", so Staatsanwalt Carsten Ohlrogge. In zwei weiteren Fällen soll Uwe B. ein Kind körperlich misshandelt haben. Laut Ohlrogge sind acht Kinder betroffen. In dem Hort werden täglich etwa 30 Kinder nach Schulende betreut.

Der Fall flog im Juni auf, als Mitarbeiter der benachbarten Lebenshilfe-Einrichtung Uwe B. beim zu vertraulichen Umgang mit Kindern beobachteten. Ingrid B., die über die Vorfälle informiert wurde, bestritt diese und ließ ihren Mann weiterhin im Hort hausmeisterliche Tätigkeiten ausüben.

"Wir werfen ihr Unterstützen durch Unterlassen vor", so Ohlrogge weiter. Im Klartext: Ingrid B. hat, weil sie nichts unternahm, ihrem Ehemann weitere Taten ermöglicht - mindestens elf, so die Staatsanwaltschaft. Die 55-Jährige informierte weder ihren Arbeitgeber darüber, dass sich ihr Gatte täglich im Hort aufhielt, noch leitete sie ein Schreiben der Lebenshilfe mit einer Auflistung der Beschuldigungen weiter. Ingrid B. war gegen ihren Rauswurf vors Arbeitsgericht gezogen, hatte sich mit dem DRK auf die Umwandlung in eine fristgerechte Kündigung verständigt.

"Ich rechne damit, dass der Prozess im ersten Halbjahr stattfindet", so Ohlrogge weiter. Die Vorwürfe seien im Vergleich mit anderen Sexualstraftaten weniger schwerwiegend, dafür die Anzahl der Taten sehr hoch. Daher hat die Staatsanwaltschaft beim Landgericht und nicht beim Amtsgericht Anklage erhoben, weil eine hohe Strafe in Betracht kommt. So droht Uwe B. pro Fall eine Mindeststrafe zwischen drei und sechs Monaten Haft.