Pinneberg
Elmshorn: Mammut-Prozess droht

Missbrauch - 36 Zeugen sollen aussagen

Es geht um 18 Fälle in dem Kinderhort. Ehemalige Leiterin (55) und ihr Ehemann (60) ab 31. Mai vor dem Landgericht.

Elmshorn/Itzehoe. Die Missbrauchs-Vorwürfe im DRK-Kinderhort am Hedwig-Kreuzfeldt-Ring in Elmshorn kommen vor Gericht. Ab Donnerstag, 31. Mai, müssen sich die ehemalige Hortchefin Ingrid B. (55) und ihr Ehemann Uwe B. (60) vor der Dritten Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe verantworten. Die Suche nach der Wahrheit könnte langwierig werden: Das Gericht hat bereits im Vorfeld sieben Verhandlungstage bis zum 5. Juli angesetzt.

Die Anklageschrift vom 8. Dezember 2006 ist 15 Seiten lang und listet 18 Fälle auf, in denen Uwe B. - seine Ehefrau ließ ihn als Aushilfs-Hausmeister im Hort arbeiten - zwischen Frühjahr 2005 und August 2006 sexuelle Handlungen an oder vor Kindern vorgenommen haben soll. Zum Teil soll er auch die Opfer gezwungen haben, ihn sexuell zu stimulieren. In zwei weiteren Fällen soll Uwe B. ein Kind körperlich misshandelt haben. Betroffen sind acht Kinder. Sieben sind dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen, lassen sich durch einen Rechtsbeistand vertreten.

Ingrid B. wird Beihilfe in elf Fällen zur Last gelegt. Sie erfuhr bereits im Juni 2006 von dem Verdacht gegen ihren Mann, nachdem Mitarbeiter der benachbarten Lebenshilfe-Einrichtung verdächtige Beobachtungen gemacht hatten. Die 55-Jährige unternahm jedoch nichts und soll so ihrem Mann weitere Taten ermöglicht haben. Die ehemalige Hortleiterin hatte sich Ende November vor dem Arbeitsgericht Elmshorn mit ihrem Ex-Arbeitgeber geeinigt. Das DRK nahm den fristlosen Rauswurf der Frau zurück und wandelte ihn in eine fristgemäße Kündigung um.

Die beiden Angeklagten wohnen in Hamburg, sind auf freiem Fuß. Uwe B. hat im Ermittlungsverfahren alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe abgestritten. Angeblich will er nie mit den Kindern alleine gewesen und für sie so etwas wie der liebe, nette Onkel gewesen sein. Auch von seiner Frau liegt bisher kein Geständnis vor. Sollten beide ihr Verhalten nicht ändern, müssten die betroffenen acht Kinder in den Zeugenstand. Auch zehn erwachsene Angehörige der Opfer sind in dem Verfahren zeugenschaftlich benannt.

Außerdem sind in der Anklageschrift sieben weitere Kinder aufgeführt, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Desweiteren sind acht Erzieherinnen beziehungsweise Nachbarn sowie 13 Ermittlungsbeamte und psychologische Betreuer benannt, die ebenfalls für eine Aussage in Frage kommen.

Von den 46 aufgeführten Zeugen hat die Dritte Jugendkammer unter Vorsitz von Eberhard Hülsing 36 vorgeladen. Es droht ein Mammut-Verfahren. Dieses lässt sich nur verkürzen, wenn die Angeklagten sich geständig zeigen - danach sieht es aber derzeit nicht aus.