Pinneberg
Kreis Pinneberg

Dieser Linienbus fährt mit Ökostrom

Kreisverkehrsgesellschaft setzt als erstes europäisches Busunternehmen einen E-Omnibus im Linienverkehr ein.

Uetersen. Das, was in China bereits jahrelang gefahrene Realität ist, hatte gestern in Uetersen ihre Europa-Premiere: Die Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (KViP) stellte als erstes europäisches Busunternehmen einen Linienbus vor, der ausschließlich mit einem Elektromotor angetrieben wird. Dieser E-Bus wird jetzt auf allen 16 Buslinien der KViP eingesetzt, die jährlich 2,8 Millionen Fahrgäste bewegt. Er hat eine Reichweite von 250 Kilometern und wird nachts mit Wind- und Solarstrom aufgeladen, sodass er am nächsten Tag wieder einsatzbereit ist. Der Quickborner Energieversorger E.on-Hanse hat dem Busunternehmen in Uetersen dafür eigens eine separate Stromversorgung zur Verfügung gestellt.

Mit diesem Elektromobil, in dem bis zu 86 Personen Platz haben, stelle die KViP eindrucksvoll unter Beweis, was die Abkürzung ihres Firmennamens bedeute, sagte Landrat Oliver Stolz gestern in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung: klimafreundlich, verbrauchsarm, innovativ und praxistauglich. "Gemeinsam sorgen wir für eine Revolution im öffentlichen Personennahverkehr und für einen umweltfreundlichen und gleichzeitig kostengünstigen ÖPNV." So koste die Kilowattstunde Ökostrom zur Aufladung der zwölf Akkus 21 Cent. Der vergleichbare Dieselkraftstoff würde dagegen 40 Cent kosten, rechnete Christian Seitz vor. Der Geschäftsführer der Berliner Firma Euracom hat den Bus in China herstellen lassen. Die Mehrkosten des E-Busses, der mit 380 000 Euro etwa 100 000 Euro teurer ist als ein herkömmlicher Diesel-Omnibus, hätten sich bei einer Fahrleistung von 80 000 Kilometern im Jahr in drei Jahren amortisiert, sagte Seitz.

+++ Visionäre Kreispolitik +++

Der Berliner Unternehmer hatte das Projekt vor drei Jahren angeschoben. Gemeinsam mit dem bayerischen Busunternehmer Sepp Pfeifer aus Waldmünchen entstand am Rande des Oktoberfestes die Idee, Omnibusse mit Elektromotoren herzustellen. Als KViP-Chef Hans-Jürgen Lamla davon vor einem Jahr hörte, war er Feuer und Flamme und wollte unbedingt den E-Bus als erster im Linienbetrieb einsetzen. Daraus entstand die jetzige Partnerschaft zwischen KViP, Kreis Pinneberg, E.on-Hanse und Euracom, die ausgebaut werden soll, wenn sich der E-Bus im Dauereinsatz bewährt.

Davon ist auszugehen. Denn Vorreiter bei der Elektromobilität weltweit ist wie auch auf vielen anderen Gebieten China, weiß Euracom-Seniorchef Detlef Seitz, der 25 Jahre lang in China gelebt hat. Zu den Olympischen Spielen in Peking vor vier Jahren hatte China die ersten E-Busse eingeführt. Inzwischen seien dort 1000 E-Busse im Linienverkehr im Einsatz, sagte Seitz. Die Chinesen hätten bereits 70 Millionen elektrisch betriebene Motorrädern auf den Straßen, und 20 Millionen E-Bikes kämen jedes Jahr hinzu. Das Unternehmen, das jetzt den ersten E-Bus für die KViP gebaut hat, stelle jedes Jahr 3000 Busse her.

Der E-Bus fahre sich genauso wie ein herkömmlicher, sagte Thorsten Ziem, einer der erfahrensten Busfahrer bei der KViP. "Er hat genauso viel Durchzugskraft wie ein Diesel-Bus." Nur sei er viel leiser und umweltfreundlicher. Das einzige Geräusch, das noch zu hören ist, sei die Hydraulikpumpe für die Lenkung des Omnibusses.

Die Reichweite des E-Busses passe ideal zu den Touren der KViP, die zurzeit 32 Busse auf ihren 16 Linien im Kreis Pinneberg einsetzt, sagt Ziem. 227 Kilometer lang sei die längste Tagesschicht eines KViP-Busses. Und die Herstellerangaben deckten sich mit den ersten Erfahrungen. "Wir sind jetzt 40 Kilometer gefahren, und zehn Prozent der elektrischen Energie sind verbraucht."

Das Teuerste an dem Bus ist die Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit rund 100 000 Euro Kosten, erklärte Detlef Seitz. Wenn diese E-Busse jetzt auch in Deutschland zur mobilen Energiewende beitragen könnten, würde sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis immer mehr verbessern.

Die E-Busse könnten auch als mobile Energiespeicher für erneuerbaren Strom eingesetzt werden, erläuterte E.on-Hanse-Vorstand Udo Bottländer. Rund 20 Millionen Euro habe sein Unternehmen im vorigen Jahr für eingespeisten Wind-, Solar- und Biogasstrom ausgezahlt - und der verpuffte, weil die Energie nicht rechtzeitig in die Ballungszentren transportiert werden konnte. Wenn dieser Ökostrom nun effizienter genutzt und in E-Bussen zwischengespeichert werden könnte, "hätten wir hier eine klare Option für eine klimafreundliche Zukunft".

KViP-Geschäftsführer Lamla ist fest davon überzeugt: "Der Elektro-Mobilität gehört die Zukunft. Und wir machen mit diesem ersten Elektrobus im Linienverkehr einen Riesenschritt in diese Richtung."