Norderstedt
Neue Bürgerinitiative

Henstedt-Ulzburg soll grüner werden

Mit einem grünen „X“ sollen sich die Henstedt-Ulzburger für ökologische Lebensqualität aussprechen. Das wünscht sich die Bürgerinitiative (von links): Hiltrud Conz, Maren Luner, Verena Grützbach, Angelika Dubber, Ina Krause, Jörg Schlömann, Holger Möckelmann, Erika Christiansen und Ilona Schlömann.

Mit einem grünen „X“ sollen sich die Henstedt-Ulzburger für ökologische Lebensqualität aussprechen. Das wünscht sich die Bürgerinitiative (von links): Hiltrud Conz, Maren Luner, Verena Grützbach, Angelika Dubber, Ina Krause, Jörg Schlömann, Holger Möckelmann, Erika Christiansen und Ilona Schlömann.

Foto: Christopher Herbst

Die Bürgerinitiative „HU-Blattwerk“ will die Politik unter Druck setzen und hofft auf Rückhalt aus der Bevölkerung.

Henstedt-Ulzburg.  Sie wollen erst das Ortsbild verändern – und dann möglichst auch die Ortspolitik. Die Bürgerinitiative „HU-Blattwerk“ tritt selbstbewusst auf, wenn sie darüber spricht, was in Henstedt-Ulzburg nicht funktioniert – und was sich dringend ändern muss. Es sind auch die Lehren eines Kampfes, den einige der Mitstreiter vor zwei Monaten geführt und verloren haben. Denn die Gruppe hat sich aus den „Lindenrettern“ konstituiert, also jenem Zusammenschluss, der sich für den Erhalt eines 80 Jahre alten Laubbaumes an der Kreuzung Kisdorfer Straße/Bürgermeister-Steenbock-Straße eingesetzt hatte.

Die Linde wurde letztlich am 2. August gefällt, der Investor – ein Makler aus dem Ort – sorgte für vollendete Tatsachen, obwohl noch keine Fällgenehmigung vorlag. Gleichwohl hatte eine knappe politische Mehrheit den Bebauungsplan beschlossen – im Wissen darum, dass der Baum spätestens nach Ende der Schonzeit (1. Oktober) gefällt werden durfte.

„HU-Blattwerk“ setzt sich für den Grünerhalt ein

Das soll sich auf keinen Fall wiederholen, sagt die Bürgerinitiative. „Alle Bäume kommen weg, wenn gebaut wird. Wir sind für den Schutz aller Bäume in Henstedt-Ulzburg“, sagt Hiltrud Conz. „Eigentlich bleibt uns ja nichts anderes übrig, als sich an den Bäumen festzuhalten. Es heißt immer Klima, Klima, Klima, aber dann werden Bäume abgesägt. Das ist eine Diskrepanz, die nicht zu akzeptieren ist.“

Und so wurde aus den „Lindenrettern“ binnen drei Tagen „HU-Blattwerk“ mit dem Leitmotto „Grünerhalt für Lebensqualität“. Das heißt: Alte Bäume sollen nicht mehr weichen, sondern die Baupläne entsprechend angepasst werden. Und wenn einer gefällt wird, dann müssten die Ersatzpflanzungen in zentraler Lage geschehen und nicht nur am Gemeinderand. Das fordert Verena Grützbach – sie ist eigentlich Gemeindevertreterin der WHU, aber ebenso Mitglied bei „Blattwerk“. Aus ihrer Sicht ist der Baumschutz in Henstedt-Ulzburg viel zu locker. „Die Gemeinde ist Mitglied im Bündnis der Kommunen für biologische Vielfalt. Sie sollte sich schämen.“

Sie verweist auf das Integrierte Gemeinde-Entwicklungskonzept (IGEK), bei dem sich die Bevölkerung über diverse, ortsteilspezifische Workshops einbringen konnte. „Der Grünerhalt und der Erhalt des dörflichen Charakters standen ganz oben bei den Wünschen.“ Dass eine politische Mehrheit das nicht berücksichtigt hätte im Falle der Linde, sei eine „Farce“. Grützbach: „Dann können wir uns das IGEK auch sparen.“

Die Initiative kritisiert die aktuelle Ortsentwicklung

Ilona Schlömann erinnert sich an einen Satz, der bei einer IGEK-Veranstaltung fiel: „Wir haben Investoren zu bedienen.“ Sie entgegnet: „Selbst wenn wir gleichwertigen Baumersatz schaffen könnten, wird der Schaden auch unsichtbar angerichtet bei der Symbiotik der Kleinlebewesen – bei der Linde, bei jedem Baum.“

Es geht um die für viele Henstedt-Ulzburger zentrale Diskussion: Soll und muss die Großgemeinde noch größer werden über weitere Wohngebiete? Oder kann sich der Ort so etwas nicht mehr leisten? Jörg Schlömann sagt, das mit „Siedlungsdruck“ sei „Unsinn“. Laut Verena Grützbach könne mit „Fug und Recht behauptet werden: Das Soll ist erfüllt.“ Sie plädiert vielmehr für Innenentwicklung.

Mit Buttons und Flyern, die an die Haushalte verteilt werden, will die Bürgerinitiative für sich werben. Doch am prägnantesten soll das grüne „X“ sein, ein stiller Protest gegen eine aus Sicht der Gruppe falsche Entwicklung, angelehnt an das gelbe „X“, der Anti-Castor-Bewegung. Diese Kreuze sollen auf Grundstücken stehen, an Häusern befestigt sein. Andere Henstedt-Ulzburger sollen gern eigene Exemplare basteln, können diese aber beim „Blattwerk“ bekommen. Deren Mitglieder setzen darauf, dass so eine lokale Bewegung entsteht, an der die Politik nicht mehr vorbeikommt. Erst recht nicht viereinhalb Monate vor der Bürgermeisterwahl. „Wir werden bei allen politischen Sitzungen vertreten sein“, kündigt Jörg Schlömann an.

Über www.hu-blattwerk.de ist die Bürgerinitiative online erreichbar. Am Dienstag, 19. November (19.30 Uhr), findet zudem im Bürgerhaus eine Veranstaltung mit einem Vortrag des Naturschützers Axel Kramer statt. Sein Thema: Natur in einer Gemeinde erhalten – und neu schaffen.