Norderstedt
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Prostituierte zog Freiern Geld aus der Tasche

Eine Statue der Justitia

Eine Statue der Justitia

Foto: Michael Rauhe

Das schilderte ein Polizeibeamterm vor dem Jugendschöffengericht in Norderstedt. Junge Frau wegen gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt.

Norderstedt.  Diese Informationen über das Geschäft mit dem schnellen Sex gab es im Gerichtssaal wohl noch nie. Vor dem Jugendschöffengericht schilderte ein 37 Jahre alter Polizeibeamter von der Davidwache als Zeuge, wie Prostituierte naiven Provinzlern die Scheine aus der Tasche ziehen.

Tatort war die Herbertstraße. „Den Männern wird Geschlechtsverkehr für 50 Euro versprochen. Danach geht’s ins Separee“, berichtete der Polizist. Dort würden oft „Nachverhandlungen“ beginnen. Bargeld sei nicht gern gesehen. Deshalb bitten die Frauen ihre Kunden um deren Kreditkarten inklusive PIN-Nummern, oder sie halten den Männern gleich ein Kartenlesegericht hin.

Bei diesem Betrugsschema kommt zu diesem Zeitpunkt eine zweite Liebesdienerin ins Spiel, die den Freier ablenken soll. In der Zwischenzeit geht die Prostituierte zu einem Geldautomaten vor der Tür. „Da wird kräftig abgehoben, teilweise bis zum Tageslimit“, sagte der Rotlicht-Kenner. Die erhoffte sexuelle Gegenleistung werde hinterher nur in den seltensten Fällen erbracht.

Aufmerksam verfolgte die Frau auf dem Anklagestuhl die Infos, denn: Was der Zeuge schilderte, ist gewerbsmäßiger Betrug. Weil sie zur Tatzeit im März 2016 noch nicht 21 Jahre alt war, musste sich die heute 22-Jährige vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Ins Geschäft mit dem schnellen Sex war die Angeklagte bereits mit 18 gerutscht. Drei Betrugsfälle warf ihr die Staatsanwaltschaft vor, zwei räumte sie ein. Weil die Betrugsfälle mehr als zwei Jahre zurückliegen, machte sie Erinnerungslücken geltend. In einem Fall hatte sie laut Anklage 350 Euro Honorar verlangt, aber 1200 Euro abgehoben, in einem anderen Fall statt 150 Euro 500 Euro abgebucht. Zwei Männer, damals mit einem Kegelclub aus dem Münsterland in Hamburg unterwegs, schilderten als Zeugen, wie sie in der Herbertstraße über den Tisch gezogen wurden.

Mit ihrem zum Zopf gebundenen dunklen Haar, dem prallen Pullover und einer seriösen Brille wirkte die schlanke Frau mehr wie eine Studentin. Sie sei durch falsche Freunde ins Milieu gerutscht. Jetzt wolle sie sich aus ihrem Gewerbe zurückziehen: „Ich bin damit durch.“ Bis heute wisse ihre Mutter nicht, womit sie ihr Geld verdiene. „Es ist zu hoffen, dass sie ins normale Leben zurückfinden. Wir wollen ihnen dabei helfen“, sagte Richterin Claudia Naumann. Das Urteil: ein Jahr und acht Monate Jugendstrafe wegen zweimal gewerbsmäßigen Betrugs und einmal wegen Beihilfe. Die junge Frau bekommt eine Bewährungshelferin, sie muss zur Schuldnerberatung und hat sich umgehend bei einer Beratungsstelle für Aussteiger aus dem Milieu zu melden. Dazu muss sie 1900 Euro an mehrere Geschädigten zurückzahlen.