30 Jahre nach der Gründung

Nordkirche - Vorbild für den Nordstaat?

Die evangelische Kirche hat gut 30 Jahre nach der Gründung Nordelbiens (Hamburg- Schleswig-Holstein) den nächsten Schritt gewagt. Am Wochenende...

Rendsburg. Die evangelische Kirche hat gut 30 Jahre nach der Gründung Nordelbiens (Hamburg- Schleswig-Holstein) den nächsten Schritt gewagt. Am Wochenende legten die Synoden Nordelbiens, Mecklenburgs und Pommerns den Grundstein für eine gemeinsame Nordkirche (ab 2012) und machten sich damit auch zum Vorreiter für eine Fusion der norddeutschen Länder.

"Die Nordkirche kann ein Vorbild sein für einen Nordstaat", sagte der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig), dem Abendblatt. Wie Ulrich geht auch der Finanzexperte der Kirche, Schleswig-Holsteins Ex-SPD-Chef Claus Möller, davon aus, dass mit der Nordkirche der Fusionsdruck auf Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wächst. "An einem Nordstaat führt langfristig kein Weg vorbei."

Ein Selbstgänger war die Nordkirche nicht. In Plau am See (Mecklenburg) stimmten nur 39 der 56 Synodalen (69,6 Prozent) für die Fusion. Die nötige Zweidrittelmehrheit (38 Synodale) wurde so gerade eben erreicht, obwohl Mecklenburg in den Fusionsverhandlungen viel herausgeholt hatte. So soll die Nummer eins der Nordkirche, der Landesbischof, in Schwerin residieren und nicht in Lübeck.

Dieser Bischofsdeal ließ im nordelbischen Kirchenparlament in Rendsburg die Wellen hochschlagen. Vor allem Synodale aus Lübeck und Hamburg beklagten die Schwerin-Entscheidung und die damit verbundene Trennung von Landesbischof und Landeskirchenamt (Kiel). Nach mehr als zehn Stunden Debatte fiel das Ergebnis umso deutlicher aus. Nordelbien segnete die Fusion mit 79,7 Prozent (102 von 128 Synodalen) klarer ab als in Mecklenburg und Pommern (75,9 Prozent - 44 von 58 Synodalen).

Möglich wurde das Top-Ergebnis in Rendsburg durch einige Begleitbeschlüsse. So beauftragte die Synode die Kirchenleitung, in weiteren Gesprächen zur Nordkirche für Hamburg als Sitz des Landesbischofs zu werben. Im Erfolgsfall könnte Hamburg seinen Regionalbischof an Lübeck abtreten. Unberührt blieben die zwei anderen Regionalbischöfe der Nordkirche in Schleswig und Greifswald.

"Das ist ein gutes Zeichen, dass Hamburg weiter im Blick ist", sagte Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen dem Abendblatt. Bisher beharrt Schwerin allerdings auf dem Landesbischof. Klar ist, dass die Leitungen der drei Landeskirchen einer Gesamtsynode im Herbst 2010 den Entwurf einer Nordkirchen-Verfassung vorlegen. Korrekturen sind nur möglich, wenn neben der Gesamtsynode auch jede der drei Landessynoden mit Zweidrittelmehrheit mitzieht.