Kirche im Norden

Nordkirche - Sehr viele Details müssen geklärt werden

Pfingsten 2012 startet die Nordkirche. Noch sind allerdings sehr viele Punkte offen. Die Fragen sollen ohne Zeitdruck geklärt werden.

Schwerin/Kiel. „Evangelische Kirche im Norden“ oder doch lieber „Hansekirche“? Kirchenamt oder Konsistorium? Der offizielle Name für die Pfingsten 2012 startende Nordkirche und die Benennung ihrer künftigen Ämter und Einrichtungen seien „sehr emotionale Themen“, sagt der mecklenburgische Landesbischof Andreas von Maltzahn. Schließlich seien sie „bei vielen Menschen mit heimatlichen Gefühlen verbunden“.

Doch dieses Thema ist momentan noch nicht dran. „Wir wollen uns diesen Fragen ohne Zeitdruck während einer Klausur stellen“, so von Maltzahn. Schwerpunkt der Fusionsverhandlungen zwischen nordelbischer, mecklenburgischer und pommerscher Kirche sei momentan vielmehr die Erarbeitung einer gemeinsamen Verfassung. Sie werde allen Synodalen rechtzeitig vor der ersten gemeinsamen Tagung Ende Oktober in Travemünde vorgelegt. Doch zunächst wird die mecklenburgische Synode auf ihrer am Donnerstag in Plau am See beginnenden Frühjahrstagung über den Stand der Verhandlungen informiert. Die pommersche Synode tagt Mitte April in Züssow bei Greifswald.

„Das ist ein wahnsinniger Prozess, der da läuft“, sagt auch der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit und räumt ein: „Wir haben alle ein wenig unterschätzt, wie viele Details geklärt werden müssen“. Doch „trotz einiger Knackpunkte“ sei die Stimmung in den gemeinsamen Arbeitsgruppen „sehr gut“.

In vielen Bereichen gehe es derzeit um die Frage, welche Gesetze vereinheitlicht werden müssen, erläutert auch sein mecklenburgischer Amtskollege von Maltzahn. Eine Ausnahme wird dabei sicherlich das Arbeitsrecht bleiben. „Hier werden wir in den nächsten Jahren unterschiedliche Wege gehen, weil Mecklenburg und Pommern zunächst beim Dritten Weg bleiben wollen“, fügt der Schweriner Bischof hinzu.

Laut Fusionsvertrag soll es in Schleswig-Holstein und Hamburg bei der Tarifpartnerschaft zwischen den Gewerkschaften und dem kirchlich-diakonischen Arbeitgeberverband bleiben. In den künftigen Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern hingegen werden die Gehälter und Arbeitsbedingungen auch in den kommenden Jahren von Mitarbeitervertretungen und Kirchenleitung ohne Beteiligung der Gewerkschaften ausgehandelt.

„Der Dritte Weg ist kein vernünftiger Weg“, kritisiert Ulrich Dombrowski, Mitarbeitervertreter in Lübeck. Zwar könne er den Aufschub dieser Frage „kirchenpolitisch verstehen“, aber damit nicht zufrieden sein. Die Mitarbeitervertretungen aller drei Landeskirchen hätten sich für „eine Arbeitsrechtssetzung per Tarifvertrag“ ausgesprochen. Nur wenn Kirche sich auch mit Gewerkschaften auseinandersetze, sei sie „Kirche in der Welt“.

Für Diskussionsstoff sorgt auch die Frage, wie die neue Kirche mit dem Thema Segnung von homosexuellen Partnern umgeht. Während Abromeit jüngst seine ablehnende Haltung dazu bekräftigte, hatte sein Schleswiger Kollege Gerhard Ulrich betont, dass es hierbei „ein fusionsbedingtes Zurück hinter die in unserer Kirche erreichte Beschlusslage und Praxis mit mir nicht geben wird“.

Abromeit sieht in diesem Dissens dennoch kein Hindernis für die Nordkirche. Als Knackpunkt bezeichnet er hingegen die Frage, ob die rund 96.000 Mitglieder umfassende pommersche Kirche weiterhin Mitglied im Kirchenbund der Union Evangelischer Kirchen (UEK) bleiben könne. Sowohl die rund 2,1 Millionen Mitglieder starke nordelbische als auch die mecklenburgische Kirche mit ihren rund 196.000 Kirchenmitgliedern gehören der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) an. In der Verfassung der UEK ist Abromeits Angaben zufolge nicht vorgesehen, dass ein einzelner Kirchenkreis, Mitglied sein könne. Es werde beraten, ob die gesamte künftige Nordkirche einen Gaststatus in der UEK einnehmen kann und will.

Angesichts des laufenden Fusionsprozesses in den Landeskirchen sehen sich auch die beiden Diakonischen Werke in Mecklenburg-Vorpommern in Zugzwang. Möglichst noch im Verlauf des Jahres, „spätestens aber bis zum 31. Dezember“ soll nach zwei gescheiterten Anläufen ein Zusammenschluss unter Dach und Fach gebracht werden, bestätigte der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Pommern, Bernd Röll. Voraussetzung sei, dass die beiden Landessynoden auf ihren bevorstehenden Tagungen wie geplant die kirchenrechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen.