Evangelische Kirche

Nordkirche klärt letzte Fragen für 2,4 Millionen Protestanten

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Am Freitag beginnt die Verfassungsgebende Synode in Travemünde. Diskutiert werden dabei die Rechtsgrundlagen der neuen Großkirche.

Lübeck. Lange wurde über die Nordkirche diskutiert und auch gestritten. Um theologische und organisatorische Fragen ging es dabei ebenso, wie ums Geld und um die Bischofsfrage. Mit der Verfassunggebenden Synode, die am Freitag im Ostseebad Travemünde bei Lübeck beginnt, geht die Kirchenfusion in die Zielgerade. In der ersten Lesung werden die 266 Vertreter der Nordelbischen, der Mecklenburgischen und der Pommerschen Landeskirchen die wesentlichen Rechtsgrundlagen der neuen Evangelischen Kirche im Norden diskutieren. Ihr werden rund 2,4 Millionen evangelische Christen zwischen Sylt und Usedom, von der dänischen bis zur polnischen Grenze angehören.

Die Idee des Zusammenschlusses kam von oben. Angesichts schrumpfender Gemeinden und sinkender Kirchensteuereinnahmen wagte die Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (NEK) Anfang 2004 bei ihren Schwesterkirchen in Mecklenburg und Pommern einen entsprechenden Vorstoß. Vorreiterin der Idee war die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter. Für sie ging es nicht nur um finanzielle Aspekte, sondern vor allem um die Überwindung der Mauer in den Köpfen. Ein Zusammenschluss östlicher und westlicher Landeskirchen könne kirchliche Strukturen nachhaltig verändern und ein Zeichen für einen wirklichen Neuanfang sein, hatte sie wiederholt gesagt.

Dennoch scheiterte ihr Vorstoß zunächst am Widerstand der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM). Erst als deren 2004 begonnenen Fusionsgespräche mit der von der Pleite bedrohten Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK) scheiterten und die Pommern ihre Fühler Anfang 2007 in Richtung Berlin-Brandenburg ausstreckten, nahmen die trilateralen Gespräche zwischen NEK, ELLM und PEK Fahrt auf.

Doch bald zeigte sich, dass es nicht so einfach war, drei Kirchen mit unterschiedlichen Traditionen mal eben zu vereinen. Neben ganz realen Problemen, wie unterschiedliche Bezahlung von Pastoren, verschiedene Modelle der Personalvertretung und der Mitwirkung von Kirchengemeinderäten in Ost und West, gab es massive Ängste. Die kleinen Landeskirchen fürchteten, von der großen „Westkirche“ einfach geschluckt zu werden. Pastoren und Gemeinden der NEK dagegen hatten Angst vor einem finanziellen Aderlass zugunsten der finanzschwachen Neulinge. Als ganz heißes Eisen erwies sich die Frage nach dem Sitz des zukünftigen Landesbischofs. Zunächst einigten sich die drei Kirchenleitungen auf Lübeck als an der Schnittstelle zwischen Ost und West gelegen. Doch als zehn Monate später, im Februar 2009, die Kirchenleitungen im Dom von Ratzeburg ihre Unterschriften unter den Fusionsvertrag setzen, wurde darin Schwerin zum Bischofssitz bestimmt.

Der Präses der Pommerschen Synode, Rainer Dally, würdigte vor Beginn der Verfassunggebenden Synode den Verfassungsentwurf als gute Basis einer neuen Landeskirche, in der die Traditionen aller vertragsschließenden Kirchen eingebunden seien. Dennoch dürfte es auf der Synodentagung in Travemünde noch die eine oder andere Diskussion geben, zum Beispiel um den Namen. Denn vor allem die NEK und die ELLM wünschen sich, dass die neue Kirche „Evangelisch-Lutherische Kirche im Norden“ heißen möge.