Planetarium

Der Sternenhimmel über Hamburg im Oktober

Der Sternenhimmel über Hamburg im Oktober.

Der Sternenhimmel über Hamburg im Oktober.

Foto: Katja Frauenkron/Planetarium Hamburg

Im Oktober erscheinen am Sternenhimmel über Hamburg wieder viele Sternschnuppen – die richtige Zeit für heimliche Wünsche.

Hamburg.  Seit Herbstbeginn geht es abwärts mit der Sonne. Rasant kürzer wird im Oktober ihr täglicher Weg am Himmel. Sie verliert elf Grad Höhe, während sie vom Tierkreissternbild Jungfrau in das Sternbild Waage zieht.

Der Sonnenaufgangspunkt verlagert sich von Osten nach Südosten und der Sonnenuntergang von der Westrichtung nach Südwesten. Es wird deshalb immer früher dunkel, und dazu trägt auch das Ende der Sommerzeit am 27. Oktober bei. Die Stunde, die wir Ende März übersprungen haben, bekommen wir dann zurück. Die zunehmende Dunkelheit wird etwas gemildert durch das sanfte Licht des Mondes. Abend für Abend macht sich der zunehmende Mond immer breiter, bis er am 13. Oktober schließlich als Vollmond die ganze Nacht erhellt. Erst in der letzten Oktoberwoche hat sich unser treuer Begleiter in die zweite Nachthälfte zurückgezogen.

Jupiter am Südwesthorizont

Bereits in der Abenddämmerung taucht Jupiter auf. Er leuchtet heller als alle Sterne, ist allerdings nur noch tief am Südwesthorizont im Sternbild Schlangenträger zu sehen, bevor er untergeht. Zu Monatsanfang ist er noch bis kurz nach 21 Uhr zu sehen. Am Monatsende verschwindet er bereits bei Dämmerungsende gegen 19 Uhr. Weiter links von Jupiter leuchtet der viel schwächere Saturn im Sternbild Schütze. Er bleibt noch fast zwei Stunden länger am Himmel als Jupiter.

Am Abend des 3. Oktober stand die Mondsichel nur zwei Grad nordwestlich des Riesenplaneten. Zwei Abende später, am 5. Oktober, steht der Halbmond dann rechts unterhalb von Saturn. Und am letzten Monatstag, am 31. Oktober, kommt der Mond sogar ein zweites Mal bei Jupiter vorbei.

Das auffällige Sommerdreieck mit den Sternen Wega, Deneb und Atair ist bereits nach Südwesten gerückt. Und durch das Sommerdreieck zieht das Lichtband der Milchstraße hoch über unseren Kopf hinauf zum Himmels-W und weiter zum Osthorizont. Über dem Nordosthorizont funkelt der helle Stern Capella im Fuhrmanns – ein typisches Wintersternbild.

Geschöpfe aus dem Wasser

In südlicher Richtung leuchten spätabends nur lichtschwächere Sterne. Aber der Fantasie tut dies keinen Abbruch – die griechische Sagenwelt platzierte dort eine abenteuerliche Runde aus exotischen Geschöpfen. Die meisten davon sind wohl dem Wasser entsprungen. Da sind zunächst die beiden ausgedehnten Sternbilder Wassermann und Fische. Weiter südlich davon erahnen wir das Sternbild Walfisch. Und etwas höher finden wir die Sternenfigur des Widders. Durch diese Sternbilder ziehen Planeten, Mond und auch die Sonne.

Vom 10. bis 15. Oktober wandert der Mond längs dieses Pfades und passiert dabei die beiden lichtschwachen Planeten Neptun und Uranus. Der grünlich schimmernde Uranus ist in einer recht sternarmen Gegend im Sternbild Widder unter besten Bedingungen bereits mit bloßem Auge zu sehen. Ein Fernglas hilft, ihn etwa elf Grad südlich von Hamal, dem hellsten Stern des Widders, zu finden. Uranus wird in diesem Monat von unserer Erde überholt. Er steht am 28. Oktober in Opposition zur Sonne und ist die ganze Nacht am Himmel.

Immer höher steigt abends das geflügelte Pferd Pegasus. Es stellt nach der griechischen Sage ein weiß geflügeltes Pferd dar, das aus dem Wasser kommend gen Himmel galoppiert und den Dichtern zu ihren Gedankenflügen verhelfen soll. So mühevoll es auch sein kann, sich in den Sternen dieses Dichterrosses vorzustellen – viel leichter kann man sich ein „Herbstviereck“ einprägen, das von den drei hellsten Sternen des Pegasus und dem hellsten Stern der Andromeda gebildet wird. Das Herbstviereck ist ein auffälliges und leicht zu merkendes Muster­ am Herbsthimmel, das um Mitternacht­ halb hoch im Süden platziert ist und im Laufe der zweiten Nachthälfte nach Westen driftet. Der nord­östlichste Stern im Herbstviereck ist der Hauptstern Alpha im Sternbild Andromeda, der Tochter von König Kepheus und Königi­n Kassiopeia, die wir beide weiter nördlich am Himmel verewigt finden.

In klaren mondlosen Nächten ist es vergleichsweise leicht, im Sternbild An­dromeda unsere Nachbarmilchstraße, den Andromedanebel (M 31) zu entdecken. Mit bloßem Auge ist er ein kleiner nebeliger Lichtfleck – hoch über unseren Köpfen – zwischen dem Himmels-W der Kassiopeia und dem Herbstviereck.

Andromedanebel mit mehr als 300 Milliarden Sternen

Mit einem Fernglas erkennen wir seine längliche Form, doch erst die Beobachtungen von Edwin Hubble in den 1920er-Jahren mit den damals weltgrößten Fernrohren zeigten, dass dieser Nebelfleck eine eigene Milchstraße mit mehr als 200 Milliarden Sternen ist, die weit jenseits unseres eigenen Sternensystems gelegen ist. Mit 2,2 Millionen Lichtjahren Distanz ist dieser scheinbar so winzige Nebelfleck das fernste Objekt, das wir mit bloßem Auge am Nachthimmel erkennen können.

In diesem Monat kreuzt unsere Erde wieder die Bahn des Halleyschen Kometen. Wir können die von ihm verstreuten Staubteilchen dann in unserer Lufthülle nur etwa 100 km über unseren Köpfen verglühen sehen, als Sternschnuppenstrom der „Orioniden“. Dieses „Feuerwerk“ ist so benannt, weil die Leuchtspuren anscheinend aus allen Richtungen zum Sternbild Orion, das nach Mitternacht im Südosten auftaucht, heranströmen. Das Maximum der Orioniden ereignet sich in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober. Doch man kann den ganzen Monat immer wieder Sternschnuppen sehen, besonders in der zweiten Nachthälfte.

Frühaufsteher haben am Monatsende die Chance, das Wiedererscheinen des Planeten Mars zu erleben. Unser Nachbarplanet stand am 2. September noch von uns aus gesehen hinter der Sonne und taucht nun allmählich wieder am Morgenhimmel auf. In der beginnenden Morgendämmerung können wir seinen rötlichen Lichtpunkt über dem Ostsüdosthorizont entdecken. Er bewegt sich im Sternbild Jungfrau, dessen Sterne sich noch nicht gegen die Morgendämmerung durchsetzen können.