Krankenhaus-Hygiene

Hamburger Kliniken reagieren auf Skandal

Nach den Vorgängen in Mainz werden Hygienemaßnahmen überprüft und Infusionen ausgetauscht

Hamburg. Der Klinikskandal um verseuchte Infusionen an der Uniklinik Mainz hat bundesweit die Krankenhäuser aufgeschreckt. Viele Kliniken reagieren auf den Tod von drei Frühgeborenen, indem sie Infusionslösungen aus dem Verkehr ziehen, Verfahren checken oder ihre Mitarbeiter zu mehr Vorsicht mahnen. Die Babys waren gestorben, nachdem sie mit Darmbakterien verunreinigte Nährlösungen erhalten hatten, die in der Krankenhausapotheke aus neun verschiedenen Bestandteilen zusammengemischt wurden. Bislang ist zwar unklar, ob die Säuglinge tatsächlich durch die Bakterien starben; zwei hatten Herzfehler, eines war ein extremes Frühchen. Ebenfalls unklar ist, ob Bestandteile der Nährlösung, die von verschiedenen Herstellern stammen, bereits bei Lieferung verunreinigt waren, oder ob die Verunreinigung erst bei der Zusammenmischung in der Klinikapotheke zustande kam.

Dennoch ziehen auch Hamburger Krankenhäuser Konsequenzen. "Bei uns waren zwei der Bestandteile, die in Mainz für die Nährlösungen verwendet wurden, vorhanden", sagt Christine Jähn, Sprecherin des Universitätsklinikums Eppendorf. "Diese als verdächtig vorsorglich vom Hersteller zurückgezogenen Produkte haben wir sofort vor Anlaufen des Produktionsprozesses aus dem Verkehr gezogen."

Als absolute Vorsichtsmaßnahme habe das UKE zudem die Anzahl der mikrobiologischen Proben vorsorglich erhöht. Die Ergebnisse aller Prüfungen seien einwandfrei: "Die Nährlösungen für Frühgeborene werden in der Krankenhausapotheke des UKE seit 1998 in einem feststehenden automatisierten Verfahren hergestellt. Seitdem hat es keine Auffälligkeiten gegeben."

Das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift verfügt über keine eigene Krankenhausapotheke. "Wir bekommen fertige Nährlösungen steril von einer externen Firma geliefert, die ihre Produkte strengen Kontrollen unterzieht", sagt Dr. Axel Hennenberger, Chefarzt der Abteilung Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin. "Außerdem arbeiten wir mit dem Institut für Hygiene zusammen, dessen Fachkräfte bei uns regelmäßig Schulungen durchführen."

Die Asklepios-Kliniken setzen auf Information: "Wir verfolgen genau die Entwicklung in Mainz. Alle mit entsprechenden Aufgaben betrauten Mitarbeiter wurden alarmiert und nochmals auf die gültigen strengen Hygieneregeln hingewiesen", sagte Jens Bonnet, Sprecher der Asklepios-Kliniken. Für die Herstellung von Nährlösungen gebe es schon jetzt sehr strikte Regeln, die die Sterilität dieser Infusionen sicherstellen. Die Nährlösungen werden in der asklepioseigenen Apotheke hergestellt aus den Einzelkomponenten, die angeliefert werden. "Wir halten uns an die sogenannte 'good manufacturing practice'. Das sind Regelungen, die auch in der Pharmaindustrie für die Herstellung solcher Infusionen gelten", sagte Jens Bonnet.

Das Marienkrankenhaus zieht keine aktuellen Konsequenzen, weil "die Hygiene in unserer Klinik sowieso einen hohen Stellenwert hat", sagte Petra Perleberg, Sprecherin der Klinik. So gebe es z. B. 1,25 hauptamtliche Stellen für Hygienebeauftragte. Sie führen zu festgelegten Terminen Begehungen und Kontrollen aller Bereiche des Krankenhauses durch und nehmen unangekündigte Stichproben, zum Beispiel durch Untersuchungen auf Bakterien in Operationssälen. Zudem gebe es in jeder Fachabteilung Mitarbeiter, die neben ihrer eigentlichen Arbeit als Hygienebeauftragte tätig sind.