Teil 11: Gebärmutter

Eine OP, die viele Frauen stark belastet

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Max Conradt

Wenn das weiblichste aller Organe entfernt werden muss, wird das von Frauen sehr unterschiedlich aufgenommen. Ein Experte erklärt die Operationsverfahren.

Die Entfernung der Gebärmutter empfinden viele Frauen als bitteren Verlust und tiefen Einschnitt in ihre gesellschaftliche Rolle, andere, die unter Schmerzen und starken Blutungsstörungen leiden, wünschen sie dringend herbei. Viele tausend Mal im Jahr wird in Deutschland das weiblichste aller Organe entfernt. Die Hysterektomie ist die häufigste gynäkologische Operation.

Sehr viel seltener als früher ist heute eine Krebserkrankung der Gebärmutter die Ursache für eine Operation. Ausdrücklich verweist der Chefarzt der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Albertinen-Krankenhaus, Prof. Dr. Martin Carstensen, auf den Rückgang insbesondere des Gebärmutterhalskrebses in den vergangenen vierzig Jahren. "Dass diese Tumorart auf fast ein Drittel zurückgedrängt wurde", sagt Carstensen, "ist der unbestreitbare Erfolg der Krebsfrüherkennung, obwohl immer noch zu wenig Frauen dieses Angebot nutzen."

Ist ein Krebstumor diagnostiziert, sei es am Gebärmutterkörper, am Gebärmutterhals, an den Eierstöcken oder an den Eileitern, liegt eine sogenannte absolute Indikation vor, und es muss operiert werden. Unumgänglich ist eine Operation auch bei gefährlichen, nicht anders beherrschbaren Gebärmutterblutungen und bei starken Entzündungen. Zu den relativen Indikationen zählen häufige, als zu stark empfundene sowie sehr schmerzhafte Blutungen, Senkungen der Gebärmutter oder der Scheide, deutliche Vergrößerungen der Gebärmutter, Verwachsungen im Bereich des Unterbauches und nicht zuletzt Myome, die gutartigen Muskelgeschwülste, die so groß werden können, dass sie auf Blase und Darm drücken. "Vor diesen Eingriffen", so Prof. Carstensen, "werden mit den Frauen die einzelnen Schritte der Operation und die Narkose besprochen, und dann können sie immer noch über Zustimmung oder Ablehnung entscheiden." Die meisten Frauen, bei denen die Gebärmutter entfernt wird, sind älter als 50 Jahre, manche auch erst 35 und in seltenen Fällen sogar noch jünger.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Gebärmutter zu entfernen, nur bei Krebserkrankungen darf es keine Wahl geben - wegen der dann unbedingt notwendigen guten Übersicht über das Operationsgebiet wird in aller Regel der Unterbauch mit einem Querschnitt knapp oberhalb der Schamhaargrenze eröffnet und die Gebärmutter herausgenommen. Sollte es sich als notwendig erweisen, können während der "abdominalen Hysterektomie" gleichzeitig auch Eierstöcke und Eileiter entfernt werden.

Am häufigsten wird die Gebärmutter durch die Scheide entfernt, sofern diese weit genug ist. "Nach Geburten ist das aber meist der Fall", sagt Prof. Carstensen und verweist auf Vorteile der "vaginalen Hysterektomie": keine sichtbaren Narben, kaum Schmerzen, schnelle Genesung nach der Operation. Die Instrumente führt der Operateur durch die Scheide ein, trennt Gebärmutter und Gebärmutterhals von Scheide, Blutgefäßen und Eileitern und nimmt das Organ heraus. Ist die Gebärmutter dafür zu groß, kann sie sozusagen scheibchenweise entfernt werden.

Eine weitere Operationsmethode ist die gerne als "sanfte" Gebärmutterentfernung bezeichnete laparoskopische suprazervikale Hysterektomie, bei der nur die Gebärmutter, nicht aber der Gebärmutterhals entfernt wird. Allerdings wird dann eindringlich auf die Notwendigkeit verwiesen, die jährlich anstehende Untersuchung zur Krebsfrüherkennung nicht zu versäumen. Der Klinikaufenthalt ist mit zwei bis vier Tagen kurz, und die Frauen gehen davon aus, schnell wieder sexuell aktiv werden zu können. Der "sanfte" Eingriff beginnt damit, dass über einen ersten kleinen Schnitt der Bauchraum zur besseren Sicht auf die Organe mit Luft gefüllt wird, über weitere kleinste Schnitte (sogenannte Schlüsselloch-Technik) werden Op-Instrumente eingeführt, und die Abtrennung der Gebärmutter und ihre Herausnahme durch die Scheide kann über Kamerabilder auf einem Fernsehmonitor gesteuert werden.

Eine weit verbreitete Befürchtung der Frauen lässt sich ausräumen: durch keinen der Eingriffe, abgesehen von ein paar Ausnahmefällen, wird das sexuelle Empfinden beeinträchtigt. Sofern die Eierstöcke nicht entfernt werden mussten, hat auch keiner der Eingriffe negativen Einfluss auf die Produktion der Sexualhormone. Sind sie bei noch jüngeren Frauen entfernt worden, setzt bei ihnen vorzeitig eine künstliche Menopause ein, und sie müssen dann bis zum Zeitpunkt, da die natürliche Menopause beginnt, mit Östrogenen behandelt werden.

"Grundsätzlich muss die Indikation für die Entfernung einer Gebärmutter stimmen", sagt Prof. Carstensen, und verweist noch einmal auf die körperliche und auch seelische Tragweite, die eine solche Operation für die Mehrzahl der betroffenen Frauen hat. "Der Zeitpunkt muss stimmen", fügt er hinzu, "es sollte also nicht zu früh, aber auch nicht zu spät operiert werden. Und vor allem muss die Begründung des Eingriffs gut sein und überzeugen, sonst ist er nicht gerechtfertigt."

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