Berlin. Laut WHO nehmen die Masernfälle in Europa rasant zu. Wie gefährlich ist die Krankheit? Und welche Symptome sind typisch? Der Überblick.

Wenn die Weltgesundheitsorganisation wegen einer sehr ansteckenden Viruserkrankung Alarm schlägt, ist das ein schlechtes Zeichen. Am Dienstag teilte die WHO in Genf mit, dass die Masern-Infektionszahlen stark ansteigen. Im vergangenen Jahr wurden weltweit mehr als 306.000 Masern-Fälle gemeldet, das entspricht einem Zuwachs von 79 Prozent im Vergleich zu 2022. Masern-Fachleute seien aufgrund dieser Zahlen „äußerst besorgt“.

Obwohl die Masern oft als Kinderkrankheit bezeichnet werden, kommt es auch bei Erwachsenen immer wieder zu Ausbrüchen, die zum Tod führen können. So geschehen in Irland, wo vor Kurzem ein Mann an einer Masern-Erkrankung verstorben ist. Auch in NRW wurden im laufenden Jahr bereits 24 Masernfälle gemeldet. Das ist mehr als sonst in einem kompletten Jahr.

Masern auf Vormarsch: WHO warnt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)warnt schon länger eindringlich vor der erneuten Verbreitung von Masern, da sich die Fallzahlen extrem erhöht hätten. Demnach wurden in Europa zwischen Januar und Oktober vergangenen Jahres in Europa rund 30.000 Masernfälle registriert – mehr als 30-mal so viele wie im ganzen Jahr davor (941 Fälle). Am stärksten betroffen waren demnach Kasachstan und Russland mit jeweils mehr als 10.000 Erkrankungen. In Westeuropa lag der Hotspot in Großbritannien, wo mehr als 183 Fälle gemeldet wurden.

Einer der Gründe: Während der Corona-Pandemie sind die Impfquoten gegen Masern gesunken. Allein in der europäischen WHO-Region hatten demnach rund 1,8 Millionen Säuglinge zwischen 2020 und 2022 keine Masern-Impfung erhalten. Ob dabei auch die grundsätzliche Abneigung mancher Menschen gegen Impfungen eine Rolle spielte, ist unklar. Doch was genau sind Masern eigentlich?

Was sind die Masern?

Bei Masern handelt es sich um eine äußerst ansteckende Virus-Erkrankung, die ausschließlich beim Menschen auftritt. Sie wird über infektiöse Tröpfchen übertragen, die von der betroffenen Person eingeatmet werden und so in den Körper gelangen. Infektionen über einfachen Körperkontakt wie Händeschütteln sind aber auch möglich.

Die Masernviren sind deshalb so gefährlich, weil sie noch bis zu zwei Stunden in der Luft überleben, obwohl der Infizierte den Bereich schon längst verlassen hat. Ein direkter Kontakt ist also nicht zwingend notwendig, um sich selbst anzustecken.

Ausbrüche sind hierzulande aber eher selten, da nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit rund 95 Prozent der Menschen in Deutschland dagegen geimpft sind oder die Krankheit bereits durchgemacht haben und sich daher – anders als etwa bei Corona – nicht erneut anstecken können.

Die Masern-Impfung wird meist im Kindesalter durchgeführt.
Die Masern-Impfung wird meist im Kindesalter durchgeführt. © DPA Images | Julian Stratenschulte

Was sind die Symptome bei Masern?

Eine Masern-Erkrankung beginnt ähnlich wie eine schwere Erkältung. Die Betroffenen leiden an verschiedenen Symptomen. Dazu zählen:

  • Fieber
  • Schnupfen
  • Husten
  • Sogenannte Koplik-Flecken. Dabei handelt es sich um weiße Flecken an der Mundschleimhaut.
  • Ab dem zweiten bis vierten Tag der Infektion zeigt sich bei den Betroffenen ein braun-roter Hautausschlag, der sich über den ganzen Körper verteilt, ausgehend vom Gesicht. Wenn sich dieser Ausschlag wieder zurückbildet, bleiben oft schorfartige Schuppen zurück.

In welchem Alter sind Masern besonders gefährlich?

Durch die Masern wird das Immunsystem für einen längeren Zeitraum geschwächt. In der Regel ist man für mindestens sechs Wochen nach der Erkrankung anfällig für Folgeerkrankungen, etwa eine Mittelohrentzündung, Durchfall oder eine Lungenentzündung. Außerdem kann bei 0,1 Prozent der Betroffenen eine akute Gehirnentzündung auftreten. In seltenen Fällen kommt es auch erst im späteren Verlauf zu einer Gehirnentzündung, bei der man alle Gehirnfunktionen verliert und im Anschluss unausweichlich stirbt.

Wie bei vielen Krankheiten sind vor allem ältere Menschen, Personen mit einer Immunschwäche und kleine Kinder unter fünf Jahren von einer Masernerkrankung betroffen, da das Immunsystem nicht mehr sonderlich gut oder noch nicht entsprechend ausgeprägt ist. Die Impfung wird bei Kleinkindern auch deshalb schon ab dem 11. Monat vorgenommen.

Bei Erwachsenen sind die Krankheitssymptome oft heftiger als bei Kindern. Einerseits brauchen sie länger, um sich zu erholen, außerdem treten bei Erwachsenen häufiger Folgeerkrankungen auf.

Teile eines Masernvirus, die mithilfe eines sogenannten Transmissionselektronenmikroskops aufgenommen wurden.
Teile eines Masernvirus, die mithilfe eines sogenannten Transmissionselektronenmikroskops aufgenommen wurden. © DPA Images | Cynthia Goldsmith

Masern: Wie lange ist man ansteckend?

Das variiert. Laut Robert-Koch-Institut ist aber davon auszugehen, dass man bereits vier Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags ansteckend ist. Erst etwa vier Tage nach dem Beginn des Ausschlags ist man dann nicht mehr infektiös.

Impfung und Medikamente: Wie behandelt man Masern?

Der beste Schutz bleibt neben einer durchgemachten Erkrankung die Impfung. Eine andere spezifische Therapie gibt es bisher nicht. Lediglich Symptome oder Begleiterkrankungen wie Fieber oder eine Lungenentzündung können mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. In Deutschland gilt bereits seit März 2020 eine Impfpflicht gegen Masern, die hauptsächlich auf Kitas und Schulen abzielt, aber auch für einige Berufsgruppen wie das Personal in Krankenhäusern gilt.

Wie haben sich die Masen-Fallzahlen in Deutschland entwickelt?

Die Masern sind weltweit verbreitet. Grundsätzlich gilt aber: Die Ausbreitung ist durch die außerordentlich hohen Impfquoten und die vielen durch Krankheit Immunisierten gut eingedämmt. In Deutschland variiert die Zahl der Infektionen zwischen 300 und 2500 Fällen jährlich. Durch gezielte Impfungen im Kindesalter sollen die Masern aber weltweit ausgerottet werden. Deshalb ist es wichtig, die während Corona versäumten Impfungen zeitnah nachzuholen.