Pandemie

Wie der Corona-Impfstoff von Biontech unseren Körper schützt

Biontech-Impfstoff weckt Hoffnungen auf Ende der Pandemie

Weltweit forschen Pharmafirmen und wissenschaftliche Institutionen an Impfstoffen gegen das Coronavirus. Dem Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer ist jetzt offenbar ein Durchbruch gelungen. of BioNTech headquarters in Mainz, Germany

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Biontech und Pfizer melden, dass ihr Corona-Impfstoff in Studien 90-prozentigen Schutz bietet. Wir erklären, wie das Mittel wirkt.

Berlin. Es ist eine ganz neue Art von Impfstoff, die das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 auf den Markt bringen möchten. Wie funktioniert das Präparat? Und welche Hürden gibt es bei der Logistik? Antworten auf die wichtigsten medizinischen Fragen:

Wie wirkt der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer?

Bei dem Impfstoffkandidaten von Biontech und Pfizer handelt es sich um einen sogenannten genbasierten Impfstoff, auch mRNA-Impfstoff genannt. Dabei erhält der Körper genetisches Material des Virus, eine Art Bauplan in Form von RNA für den Bau von Virusteilen, sogenannten Virusproteinen. Auf diese Virusproteine reagiert dann das Immunsystem – etwa mit der Bildung von Antikörpern.

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Im Fall des Biontech-Kandidaten, der die Bezeichnung BNT162b2 trägt, soll der Körper das sogenannte Spike-Protein herstellen, das an der Oberfläche des Virus sitzt und mit dessen Hilfe es in die Körperzellen eindringt. Vorteile an dieser Art der Impfstoff-Produktion: Es besteht kein Risiko einer Erkrankung – und die Entwicklung ist weniger aufwendig. Lesen Sie auch: Der Kampf um den Corona-Impfstoff hat eben erst begonnen

Laut den ersten Zwischenergebnissen zeigt das Vakzin eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent. „Sollte sich dieser Trend in den Daten fortsetzen, das heißt ein Schutz von über 90 Prozent der Geimpften, wäre dies eine unerwartet hohe Impfeffizienz, die mit vielen der routinemäßig eingesetzten Impfstoffe, wie zum Beispiel gegen Influenza, nicht erreicht wird“, sagt der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, Leif-Erik Sander.

Zwar wurde nie zuvor wurde ein solcher Impfstoff für die Anwendung bei Menschen zugelassen, „aber die Sicherheitsprüfungen für diese Art der Impfstoffe dauern schon lange an“, sagt Bernd Salzberger von der Uniklinik Regensburg. Denn eine Sorge sei gewesen, dass dieses genetische Virusmaterial vom Körper aufgenommen und eingebaut werden könnte. „Aber alle Vorversuche, die bereits gemacht wurden, zeigen, dass das nicht der Fall ist. Und es wurden viele Vorversuche gemacht“, sagt Salzberger, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie ist.

Corona-Impfstoff von Biontech – Wie lange hält die Wirkung an?

Das lässt sich aktuell noch nicht sagen, da eine Langzeitbeobachtung noch nicht möglich war. Was sich aber sagen lässt: Der Schutz hatte sich bei den Studienteilnehmern 28 Tage nach Beginn der Impfung, die in zwei Dosen verabreicht wird, aufgebaut. Lesen Sie auch: Biontech-Gründer: Dieses Ehepaar macht der Welt Hoffnung

Videografik: So wirken Impfungen
Videografik- So wirken Impfungen

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Laut Biontech konnte das unabhängige und externe Data Monitoring Committee (DMC), das die Zwischenanalyse der Daten durchgeführt hat, keine schwerwiegenden Sicherheitsbedenken feststellen. „Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass der Beobachtungszeitraum für relevante Impfnebenwirkungen noch zu kurz ist“, sagt Leif-Erik Sander von der Charité.

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Auch Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing weist trotz aller hoffnungsvollen Daten auf den kurzen Beobachtungszeitraum hin: „Natürlich müssen nicht nur Langzeitwirkungen im Sinne der Protektion beobachtet werden, auch Langzeitnebenwirkungen müssen langfristig auf dem Radarschirm bleiben. Aber: „Zumindest kurzfristig war dieses Vakzin sehr sicher“, so Wendtner. Mehr zum Thema: Was Sie wissen sollten, bevor Sie Biontech-Aktien kaufen

Warum ist die Bereitstellung so schwierig?

Ein RNA-Impfstoff bringt Besonderheiten mit sich: Die RNA kann kaputt gehen, wenn sie zum Beispiel warm wird, sagt Bernd Salzberger. Deswegen sei für die Aufbewahrung und den Transport eine sehr gute Kühlkette notwendig. „Wir werden den Impfstoff in einem Minus-75-Grad-Kühlschrank lagern.“ Eine Möglichkeit, die nur die wenigsten medizinischen Einrichtungen haben. Auch aus diesem Grund sollen deutschlandweit Impfzentren eingerichtet werden.

Auch der Transport des Impfstoffs muss geplant werden – die Deutsche Post ist nach Angaben von Post-Chef Frank Appel vorbereitet. Weltweit betreibe die Post 180 Standorte, die auf die Bedürfnisse der Pharma-Industrie zugeschnitten seien. Dort könnten empfindliche Medizinprodukte in verschiedenen Temperaturzonen gelagert und verpackt werden, wird Appel in Medienberichten zitiert.