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Bundestagswahl: Die Unschärfe der Meinungsforscher

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Leon Grupe
FDP und Grüne: Was sind die Streitthemen?

FDP und Grüne: Was sind die Streitthemen?

Ob "Jamaika" oder "Ampel"-Bündnis, Grüne und FDP werden wohl in jedem Fall an einer neuen Regierung beteiligt sein. Doch die Verhandlungen dürften nicht leicht werden. Denn bei vielen Themen liegen die Partner in spe weit auseinander.

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Die Prognosen der ARD-Demoskopen unterschieden sich teils deutlich vom Ergebnis. Vor allem in Berlin führte das zu falschen Hoffnungen.

Berlin. Als am Sonntagabend um 18 Uhr die erste Prognose in der ARD gezeigt wird, sind SPD und Union gleichauf: Die Balken beider Parteien klettern auf 25 Prozent. Spannender geht es nicht. Die Demoskopen des ZDF sehen zwei Prozentpunkte Unterschied: Die SPD erreicht dort 26, die CDU 24 Prozent.

In den Stunden darauf folgen die Hochrechnungen. Je später der Abend wird, desto stärker kristallisieren sich auch in der ARD die endgültigen Machtverhältnisse zwischen SPD und Union heraus.

Zeitgleich finden an diesem Sonntag Abgeordnetenhauswahlen in Berlin statt. Auch hier werden um kurz nach 18 Uhr die Prognosen in der ARD bekannt gegeben. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Bettina Jarasch, liegt mit etwas mehr als 23 Prozent vorn, dahinter folgt ihre Kontrahentin von der SPD, Franziska Giffey, mit rund 21 Prozent. Dabei hatten die Umfragen aus den letzten Wochen Giffey als Favoritin auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in der Spree-Metropole gesehen.

Bundestagswahl: Ungenaue Prognosen verleiten zu Fehlannahmen

Im ZDF wiederum steht die SPD-Politikerin an der Spitze, die Prognosen gehen wie bei der Bundestagswahl auseinander. "Heute Abend ist es knapp, aber wir sind noch nicht am Ende", sagt Giffey. "Wir sind an einem Punkt, wo alles rauskommen kann."

Sie soll recht behalten. In den nächsten Stunden verschiebt sich das Blatt endgültig zugunsten der Sozialdemokraten. Am Ende kommt die Partei mit 21,4 Prozent als Sieger ins Ziel, die Grünen verlieren gegenüber der ersten ARD-Prognose fast fünf Prozentpunkte und müssen sich mit einem Endergebnis von 18,9 Prozent als zweitstärkste Kraft in der Hauptstadt begnügen.

Schon die kleinsten Prognose-Abweichungen können ein Bild völlig verzerren. Falsche Signale an Politiker und Parteien senden. Die Stimmung auf den Wahlpartys komplett in die andere Richtung kippen.

Dass das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap in der ARD bei der Bundestagswahl zuerst ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU andeutete, nahm die Union zum Anlass, daraus einen Regierungsauftrag zu interpretieren. Die Forschungsgruppe Wahlen prognostizierte im ZDF bereits einen knappen Sieg der SPD.

ZDF mit verlässlicheren Zahlen als die ARD

Auch die Grünen ließen sich bei der Landtagswahl von den ersten Zahlen leiten. Als die ARD Jarasch noch vor Giffey sah, trat die Kandidatin der Grünen vor ihre Anhänger. Sie mahnte zwar, dass das Ergebnis noch abgewartet werden muss, wähnte sich aber dennoch als Siegerin.

Eine Prognose ist eben keine Hochrechnung. Sie basiert nur auf Befragungen von Wählern, die im Wahllokal ihre Stimme abgegeben haben. Und sie umfasst nicht die Stimmen der Briefwähler. Gerade bei der Bundestagswahl war der Anteil der Briefwähler mit 40 Prozent gewaltig, was die Aufgabe der Institute nicht einfacher machte.

Dennoch: Die Meinungsforscher im ZDF gaben im Vergleich zur ARD am Sonntagabend ein deutlich besseres Bild ab.

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