Terror

17-jährige Hamburger wollten in den Krieg ziehen

Die Eltern hatten die Polizei alarmiert. Der Staatsschutz ermittelt. Die Ausreisepläne nach Syrien und in den Irak waren sehr konkret. Die vier Jugendliche hatten bereits One-Way-Tickets für Flüge.

Hamburg. Sie wollten in den Krieg ziehen und konnten erst kurz vor ihrer Ausreise gestoppt werden. Vier Jugendliche aus dem Stadtteil Altona sollen nach Informationen Hamburger Behörden Vorbereitungen getroffen haben, in die Bürgerkriegsgebiete in Syrien und dem Irak zu reisen. Wie das Abendblatt aus verlässlichen Kreisen erfuhr, handelt es sich um zwei 17-jährige Jungen und zwei Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren. Drei der Minderjährigen haben türkische Wurzeln, einer der Jungen stammt aus Gambia.

Die Eltern der Jugendlichen sollen unter anderem One-Way-Tickets in die Türkei bei ihren Kindern entdeckt und am Mittwoch die Polizei alarmiert haben. Die Ausreisepläne waren also bereits sehr konkret. Wie das Abendblatt erfuhr, sollen die männlichen Jugendlichen, die der Polizei als Kleinkriminelle bekannt sind und die sich in den vergangenen Monaten auffallend radikalisiert haben sollen, die Reise geplant haben. Aktuell beraten Polizei, Jugendamt und Schulbehörde, wie sie mit dem brisanten Fall umgehen sollen. Auch der Staatsschutz ermittelt.

Nach Erkenntnissen des Hamburger Verfassungsschutzes sollen in den vergangenen Monaten mehr als 40 Hamburger in den Nahen Osten gereist sein, um für Terrororganisationen wie Islamischer Staat zu kämpfen oder sie auf andere Art zu unterstützen. Ein Drittel der Ausgereisten soll schon wieder nach Deutschland zurückgekehrt sein. Zuletzt hatte das Abendblatt über einen Hamburger Schüler berichtet, der wenige Wochen vor seinem 19. Geburtstag in Syrien bei Kämpfen ums Leben gekommen war. Der junge Islamist, der zuletzt eine Stadtteilschule besuchte, soll über die Türkei nach Syrien gereist sein.

Noch unklar ist, wie die vier Jugendlichen auf ihren verhängnisvollen Weg gelenkt wurden. Der fast 19-Jährige war noch als Schüler auf der Straße von Salafisten angeworben worden und hatte sich dann mehr und mehr in das Netz der Extremisten verstrickt. Der Verfassungsschutz nannte unlängst die Zahl der deutschen Konvertiten in der islamistischen Szene „erheblich“. Eine Analyse des Landesinstituts für Lehrerbildung registriert „vermehrt organisierte islamistische Aktivitäten“. In dem Behördenpapier werden die Namen von insgesamt sieben Schulen genannt, vor allem im Osten der Stadt.

Derweil hat Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) in der Diskussion um gewaltbereite Islamisten den Druck auf die Bundesregierung erhöht. „Mich ärgert, dass der Bund seit Monaten in der Gesetzesdebatte über den Umgang mit gewaltbereiten Extremisten keinen Schritt weiterkommt“, sagte er dem Abendblatt. Die Teilnahme an Terrorcamps müsse unter Strafe gestellt, der Personalausweis gewaltbereiter Extremisten eingezogen werden. Sollte der Bund bis Ende Oktober keine klaren Regeln beschließen, werde Hamburg eine Bundesratsinitiative starten, kündigte Neumann an.