„Pierre Vogel ist nicht willkommen“

Mitte-Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) spricht sich gegen den Zuzug des Salafisten-Predigers aus

Wilhelmsburg. Der islamistische Prediger Pierre Vogel hat seinen Wohnsitz nach Hamburg verlegt. Nach Abendblatt-Informationen hat er sich, seine Frau und seine vier Kinder in Wilhelmsburg gemeldet. Dort soll er einen Untermietvertrag abgeschlossen haben. Die Wohnung soll einem Bekannten gehören, der sich ein Jahr an einem unbekannten Ort aufhält. Der Salafist hatte seinen Umzug nach Wilhelmsburg angekündigt. Er steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Erst am Wochenende hat Vogel eine Kundgebung am Hachmannplatz abgehalten.

Die Nachricht des Neubürgers kommt im zuständigen Bezirksamt Mitte nicht gut an. Darauf angesprochen, macht Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) keinen Hehl aus seinem Unbehagen. „Pierre Vogel ist nicht willkommen“, sagte Grote dem Abendblatt. Das Gedankengut, das Salafisten wie Vogel verbreiteten, widerspräche einem modernen Islam und wirke einem Zusammenleben, welches von Respekt geprägt sei entgegen. Vogel nutzt mittelalterliche Rhetorik und provoziert damit. So hat er etwa die Steinigung von Frauen gefeiert oder gefordert, dass Dieben die Hand abgehackt werden solle. Es sind bewusste Provokationen, die Vogel aussendet. Die spektakulären und emotionalen Auftritte lockt Muslime, vor allem junge und Konvertiten, an.

Der Hamburgische Verfassungsschutz kündigte gegenüber dem Abendblatt an, Pierre Vogel nach dessen Umzug nach Wilhelmsburg genau im Auge behalten zu wollen. „Auch weil wir Erkenntnisse haben, dass er Kontakte zur dschihadistischen Salafisten-Szene in Hamburg hat und ausbauen will“, sagt ein Mann vom Verfassungsschutz. Besonders wachsam sei man auch deshalb, weil bekannt sei, dass Vogel schon häufig die Harburger Taqwa-Moschee besucht hat. Sie gilt als Anlaufstelle für radikale Islamisten. Vogels Umzug bedeute jedoch nicht, dass der Verfassungsschutz nun von einer geänderten Gefahrenlage durch die Salafisten-Szene in Hamburg ausgehe. Schon länger ist bekannt, dass der 36-jährige, ehemalige Boxer in Hamburg für seine Familie – seine Frau und die vier Kinder – eine Bleibe sucht. Nach Angaben des Verfassungsschutzes nehme seine Bedeutung in Nordrhein-Westfalen ab, zuletzt seien immer weniger Anhänger zu seinen Kundgebungen gekommen.

Dass Vogels Einfluss in der Salafisten-Szene schwindet, belegt nach Auffassung des Verfassungsschutzes auch die vergleichsweise geringe Beteiligung an seiner Kundgebung am vergangenen Sonnabend auf dem Hachmannplatz. In der Spitze waren nur 250 Zuhörer dort, die allerdings, so der Beamte weiter, überwiegend der Hamburger salafistischen Szene angehörten.

Bezirksamtsleiter Grote jedenfalls betrachtet den Zuzug Vogels mit Sorge. Schon seit geraumer Zeit sei eine aktive Szene von Salafisten in verschiedenen Stadtteilen zu beobachten, die Konfrontationen suchten. So hätten in der Vergangenheit vermehrt Gleichgesinnte etwa in Jugendeinrichtungen Druck auf junge Mädchen ausgeübt, sich zu verschleiern oder die Bereitstellung von Gebetsräumen gefordert.