Kommentar: Gescheiterte Uni-Reform

Die Studenten haben recht

Gestrig sind sie also, die Forderungen der zigtausend Schüler und Studenten, die gestern in ganz Deutschland auf die Straße gegangen sind. Behauptet jedenfalls Wissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU).

Die Politikerin verteidigt bis heute den völlig missratenen Reformprozess, der vor zehn Jahren in Bologna auf den Weg gebracht wurde. Dabei haben sie recht, die Demonstranten, die das Bachelor/Master-System abgeschafft sehen wollen. Und bedeutende bildungspolitische Vordenker wie Konrad Schily oder Professorenvereinigungen wie der Hochschulverband unterstützen sie darin.

Das Kernziel der Reform wurde fast vollständig verfehlt. Was haben die Studenten von europaweit einheitlichen Abschlüssen, wenn Studienortwechsel wegen fehlender Vergleichbarkeit der Leistungen kaum noch möglich sind? Dazu kommt der fehlende wissenschaftliche Anspruch der Bachelorausbildung. In sechs Semestern lässt sich nicht erlernen, wozu früher ein ganzes Studium gebraucht wurde.

Der Gedanke, verstärkt studienbegleitend Prüfungen abzunehmen und nicht alles aufs Examen zu konzentrieren, war zwar richtig. Das Ergebnis ist aber, dass Studenten jetzt zu Hamstern im Laufrad mutieren, die vor lauter Auswendiglernen nicht mehr über den Tellerrand des eigenen Faches gucken können. Wer zum Lebensunterhalt oder zur zusätzlichen Qualifikation auf einen Job während des Studiums angewiesen ist, ist der Dumme. Die einzige Konsequenz kann nur lauten, den Masterabschluss zum Regelabschluss zu machen und das Bachelorstudium zu entzerren. Hamburgs Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) könnte sich profilieren, wenn sie solch strukturelle Probleme angehen würde. Stattdessen lässt sie sich in destruktive Debatten um den Neubau einer überteuerten Minihochschule und den Komplettumzug der Universität verwickeln.