Zaghafter Abzug am Hindukusch

Bundeswehr will 2012 erstes Feldlager an afghanische Sicherheitskräfte übergeben

Kabul. Es ist der erste konkrete Schritt für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Sie will 2012 das erste deutsche Feldlager im Norden des Landes aufgeben. "Wir haben die Hoffnung, dass wir im Laufe des Jahres 2012 die Sicherheitsverantwortung in Badachschan mit dem PRT in Feisabad beginnend in afghanische Hände geben können", kündigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin mit Blick auf das Wiederaufbauteam (PRT) an. Die abgelegene Provinz ist seit Jahren relativ friedlich. Im Feldlager in Feisabad sind rund 280 deutsche Soldaten stationiert. Neben Feisabad betreibt die Bundeswehr im Norden noch zwei größere Camps: das Hauptquartier in Masar-i-Scharif und das Lager in der Unruheprovinz Kundus.

Derzeit sind rund 5300 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz, wegen des Truppentauschs etwas mehr als gewöhnlich. Anfang kommenden Jahres soll das Kontingent erstmals seit Beginn des Einsatzes vor zehn Jahren verkleinert werden. Geplant ist eine Reduzierung auf zunächst 4900 Soldaten. In einem zweiten Schritt plant die Bundesregierung dann eine weitere Reduzierung bis auf 4400 Soldaten zum Ende des kommenden Jahres. Dazu dürfte eine Aufgabe des Lagers in Feisabad beitragen. Der Bundestag muss das neue Mandat noch billigen, die Abstimmung darüber findet Ende Januar statt. Derzeit liegt die Mandatsobergrenze bei 5350 Soldaten, darin ist eine flexible Reserve von 350 Soldaten enthalten.

In weiten Teilen des deutschen Verantwortungsbereichs im Norden Afghanistans sollen künftig afghanische Soldaten und Polizisten selbst für Sicherheit sorgen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte am Sonntag die lange erwartete Liste der Gebiete bekannt gegeben, die in der zweiten Welle an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben werden sollen. Unter anderem sollen die Afghanen in der Stadt Feisabad und in der Provinz Takhar, wo die Bundeswehr im Ort Talokan ein kleineres Camp unterhält, die Sicherheitsverantwortung übernehmen. In Takhar hatte es zuletzt mehrere schwere Anschläge gegeben, bei denen auch ein deutscher Kommandeur verwundet wurde.

De Maizière begrüßte die Ankündigung Präsident Karsais, warnte aber zugleich vor überzogenen Erwartungen. Der Übergabeprozess verlaufe schrittweise und dauere in jeder Region bis zu 24 Monate. Die Nato-Schutztruppe Isaf werde mit der Übernahme der Gebiete durch die Afghanen daher nicht schlagartig von der Verantwortung entbunden, sondern unterstütze die afghanischen Soldaten und Polizisten zunächst weiter. Als positiv bewertete de Maizière den erstmaligen Rückgang der Anschläge im Land gegenüber 2010 um 25 Prozent im Land von 12 000 auf 9000 Zwischenfälle.

Die internationale Schutztruppe, an der die Bundeswehr beteiligt ist, will ihre Kampfeinheiten bis Ende 2014 aus Afghanistan abziehen. Am 5. Dezember findet in Bonn eine große Afghanistan-Konferenz statt, bei der die internationale Gemeinschaft sich zehn Jahre nach dem Sturz der Taliban verpflichten will, das Land nach dem Abzug der Truppen langfristig zu unterstützen.