SPD-Chef Gabriel wirbt für doppelte Staatsbürgerschaft

Türken und Deutsche streiten zum Jahrestag des Anwerbeabkommens

Berlin. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat sich zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens für die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft starkgemacht - und prompt Widerspruch aus Bayern und von der FDP-Bundestagsfraktion geerntet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte die Leistungen türkischer Zuwanderer, ebenso wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir. Zur Feier des Jubiläums wird am Mittwoch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Berlin erwartet.

"Wir brauchen endlich ein Recht auf eine doppelte Staatsbürgerschaft", sagte SPD-Chef Gabriel "Bild am Sonntag". "50 Jahre nach dem Anwerbeabkommen wäre das ein ganz starkes Signal an die seit Jahrzehnten hier lebenden Türkinnen und Türken." Die SPD werde in Kürze dazu einen Gesetzentwurf in den Bundestag einbringen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, eine doppelte Staatsbürgerschaft widerspreche den Integrationszielen. "Wer den deutschen Pass will, muss sich eindeutig zu Deutschland bekennen."

Westerwelle schrieb in einem Beitrag für die Zeitung "Hürriyet": "Wir haben allen Grund, bei der Annäherung aneinander nicht nachzulassen: Das gilt für das Miteinander von Deutschen und Türken in Deutschland genauso wie für das Verhältnis zwischen der Türkei und der Europäischen Union."

Nach einem "Focus"-Bericht hat es bei der Vorbereitung der Feier Differenzen zwischen Berlin und Ankara gegeben. So habe ein großformatiges Foto von 1964 für Verstimmung gesorgt, das den späteren Ministerpräsidenten Bülent Ecevit mit Gastarbeitern bei Ford zeigte. Erdogan habe das Foto seines 2006 gestorbenen Widersachers austauschen lassen. Zudem habe Ankara darauf gedrängt, die als islamkritisch geltende deutsch-türkische Autorin Hatice Akyün von einer Podiumsdiskussion auszuladen. Das habe das Auswärtige Amt abgelehnt.

( (dpa/HA) )

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