Bundestrojaner

Sicherheitsfirma enthüllt weitere Hintertüren bei Späh-Software

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Kaspersky sieht Lücken beim Firefox Browser, bei Skype und beim Datei-Manager von Windows. Was kann der Bundestrojaner noch?

Berlin. Experten der IT-Sicherheitsfirma Kaspersky haben nach eigenen Angaben eine weitere Komponente der staatlichen Späh-Software analysiert, die vom Chaos Computer Club (CCC) an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Dabei stießen sie auf eine neue Version des Trojaners, wie der Kaspersky-Experte Tillmann Werner in einem Blog-Beitrag mitteilte. Diese Form des Staats- oder Bundestrojaners unterstützt demnach nicht nur die gängige 32-Bit-Ausführung von Windows, sondern auch das neuere 64-Bit-System. Außerdem sei die Liste der Programme, die Ermittler auf dem Rechner von verdächtigen Personen überwachen wollen, mit 15 Anwendungen länger als bisher.

Überwacht werden demnach neben dem Datei-Manager von Windows, dem Browser Firefox und der Telefon-Software Skype auch weitere Anwendungen fürs Telefonieren im Internet (Voice over IP) sowie Chat-Programme. Die Spähsoftware besteht aus fünf Dateien, die in einem Installationsprogramm enthalten sind, das eine weitere Sicherheitssoftwarefirma, F-Secure, gefunden hat.

Das Bundesverfassungsgericht hat der Überwachung von Computern enge rechtliche Grenzen gesetzt. Die Online-Durchsuchung eines Rechners ist nach einem Urteil aus dem Jahr 2008 nur bei konkreter Gefahr für hochrangige Rechtsgüter zulässig. Für das Abhören von Internet-Telefonaten gelten aber die weniger strengen Regeln der tausendfach praktizierten Telefonüberwachung – solange es allein dabei bleibt.

Nach der Affäre um die unerlaubten Funktionen der Bundestrojaner, die in Bayern offenbar zum Einsatz gekommen sein sollen, sieht die bayerische FDP-Landtagsfraktion Handlungsbedarf. Es gebe „rechtliche Grauzonen“, sagte der Innenexperte Andreas Fischer nach Gesprächen mit Experten der Polizei im Landeskriminalamt. Es müsse nach der Aufklärung der aktuellen Fälle „schnellstmöglich Rechtssicherheit geschaffen werden“.

Derzeit überprüft der Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri, die Trojaner-Einsätze. Die FDP wird nach den Worten von Fischer die Ergebnisse „zum Anlass nehmen“, dass sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Petri „vor den betreffenden Ausschüssen des bayerischen Landtags zu den Vorfällen äußern“. (dpa/dapd)