Windhuk

Bombenattrappe: Geheimdienst löst Bombenalarm aus

Die vermeintliche Kofferbombe im Air-Berlin-Jet in Namibia war eine Attrappe. Düpierte der Geheimdienst CIA die Bundesregierung?

Hamburg. Mehr als 24 Stunden lang befürchteten die deutschen Sicherheitsbehörden einen versuchten Terroranschlag. Am Freitag kam heraus: Die vermeintliche Kofferbombe, die in Windhuk (Namibia) vor dem Abflug eines Air-Berlin-Jets entdeckt wurde, war eine Sprengstoff-Attrappe. Nach ZDF-Informationen wurde sie in einem kalifornischen Familienbetrieb hergestellt, der auf Bomben-Dummys zur Überprüfung von Sicherheitskontrollen auf Flughäfen spezialisiert ist. Der Inhaber der Firma, Larry Copello, sagte dem Sender, seine 80 Jahre alte Großmutter habe das Gerät vor vier bis fünf Jahren zusammengebaut und verdrahtet. In Sicherheitskreisen wird vermutet, dass ein westlicher Geheimdienst die falsche Bombe auf dem Airport von Windhuk platziert haben könnte.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte zum Abschluss der Innenministerkonferenz (IMK) in Hamburg, derzeit werde geprüft, ob und gegebenenfalls wann und an wen der Koffer verkauft wurde. "Wichtig ist für uns alle, dass in dem Koffer kein Sprengstoff festgestellt wurde", sagte der Minister. Es sei davon auszugehen, "dass zu keiner Zeit eine Gefahr für die Passagiere oder sonst eine Gefahr rund um das Gepäckstück bestanden hat". Auf die Frage nach dem Einsatz solcher Testkoffer auch durch deutsche Sicherheitsdienste bezeichnete es de Maizière als "sehr unwahrscheinlich", dass deutsche Stellen mit dem Fall zu tun haben könnten.

Wie die Nachrichtenagentur dapd unter Berufung auf Berliner Geheimdienstkreise berichtete, habe es sich offenbar um einen westlichen Dienst gehandelt, der nach dem "Debakel" um die Paketbomben aus dem Jemen einen Versuch zur Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen auf einem "entlegenen Flughafen machen wollte". Es könnte die CIA dahintergesteckt haben. Als "sehr peinlich" hätten es Sicherheitsexperten empfunden, dass Berlin das Bomben-Dummy zunächst als akute Bedrohung gewertet hätte.

Die Polizei wurde unterdessen immer wieder wegen verdächtiger Gepäckstücke alarmiert. Im S-Bahnhof Harburg schossen Einsatzkräfte am Freitag einen herrenlosen Koffer auf - er enthielt aber nur Reiseutensilien. Bei einer Kontrolle auf dem Flughafen Rostock-Laage wurde am Freitagabend eine Laptop-Tasche mit einem Mittel entdeckt, das Sprengstoff zugesetzt wird, aber selbst kein Sprengstoff ist. Die Besitzerin der Tasche durfte nicht wie geplant ins türkische Antalya fliegen.

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele warf de Maizière vor, das Parlament nur unzureichend über die Hintergründe seiner am Mittwoch ausgesprochenen Terrorwarnung zu informieren, zumal in den vergangenen Jahren immer wieder derartige Warnungen herausgegeben worden seien. Ströbele äußerte den Verdacht, die schwarz-gelbe Bundesregierung verstärke jetzt die Terrorangst in der Bevölkerung, um die Sicherheitsgesetze leichter verschärfen zu können.

Auf ihrem Treffen in Hamburg forderten die Länder-Innenminister, wieder die Vorratsdatenspeicherung einzuführen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wurde aufgefordert, "zügig einen Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Mindestspeicherfrist" vorzulegen. Außerdem sprachen sich die Minister für ein eigenes Bleiberecht für gut integrierte jugendliche Ausländer aus. Zudem soll der Bund mehr Mittel für Sprach- und Integrationskurse zur Verfügung stellen.