Stuttgart 21

Eine Doppelspitze soll das Mammutprojekt retten

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Trotz der Gespräche geht der Abriss weiter. Bahn-Chef Grube: Stuttgart 21 ist zwischen die Fronten des Wahlkampfes in Baden-Württemberg geraten.

Stuttgart/Berlin. Für das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21 soll künftig eine Doppelspitze werben. Dem ehemaligen Stuttgarter Regierungspräsidenten Udo Andriof (CDU) werde der Leonberger Unternehmensberater Wolfgang Dietrich zur Seite gestellt, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Koalitionskreisen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und Bahnchef Rüdiger Grube wollen die Nachfolger des SPD-Politikers Wolfgang Drexler an diesem Freitag vorstellen.

Andriof (68) hat zuletzt die Expertenkommission der Landesregierung zum Amoklauf von Winnenden geleitet. Andriof war von 1989 bis 2007 Regierungspräsident in Stuttgart und war in dieser Zeit bereits im Raumordnungsverfahren mit dem Projekt Stuttgart 21 befasst. Dietrich ist Jahrgang 1948 und hat in den achtziger Jahren ein mittelständisches Softwareunternehmen aufgebaut. Drexler war in der vergangenen Woche von dem Posten zurückgetreten, weil er seine ehrenamtliche Tätigkeit nicht mehr mit der Haltung der SPD im Land und im Bund vereinbaren konnte. Die SPD tritt für einen sofortigen Baustopp ein.

An diesem Freitag treffen erstmals Gegner und Befürworter des Milliarden-Bauprojektes zu Gesprächen zusammen. Bei dem von der katholischen Kirche in Stuttgart vermittelten Dialog soll es unter anderem um die Einsetzung eines Moderators gehen.

Volker Kauder, Unionsfraktionschef im Bundestag, rechnet trotz der Proteste gegen Stuttgart 21 mit einem Erfolg der schwarz-gelben Landesregierung bei der Wahl in Baden-Württemberg im März 2010. „Die Landtagswahl ist beileibe keine Abstimmung über Stuttgart 21. Die Bürger wissen, dass es im Kern darum geht, ob Baden-Württemberg weiter ein starkes Land ist“, sagte Kauder der Deutschen Presse-Agentur.

Kauder mahnte: „Wir müssen an Stuttgart 21 festhalten.“ Das Konzept sei aus seiner Sicht nach wie vor überzeugend. „Wir dürfen keine wetterwendische Politik machen“.

Vor den Gesprächen über Stuttgart 21 hat Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube die Gegner des Vorhabens kritisiert. Es gehe schon lange nicht mehr um Stuttgart 21, sagte er dem Hörfunksender HR-Info. „Wir sind zwischen die Fronten der Wahlkampfstrategen geraten mit Blick auf die Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg.“

Grube lehnte es erneut ab, die Arbeiten zu unterbrechen. Das gelte auch für die Dauer der Gespräche mit den Gegnern. „Es wird keinen Baustopp geben. Alle hatten lange genug Zeit, sich an dem demokratischen Prozess zu beteiligen.“