Studie

Zufriedenheit der Familie ist abhängig von der Zeit für Kinder

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Der wichtigste Lebensbereich für die meisten Deutschen: die eigene Familie. Ministerin Schröder: Wer Kinder erzieht, arbeitet effizienter.

Berlin. Die Familie ist für 78 Prozent der Bevölkerung der wichtigste Lebensbereich. Das ergab der vom Bundesfamilienministerium vorgestellte Monitor Familienleben, den das Institut für Demoskopie Allensbach erhob. „Wie zufrieden die Familien sind, hängt ganz besonders davon ab, ob sie genügend Zeit mit ihren Kindern und Angehörigen verbringen können“, sagte Bundesministerin Kristina Schröder (CDU). Deshalb wolle sie für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgen.

Dass eine gute Vereinbarkeit bisher nach wie vor schwierig sei, finden der Studie zufolge 63 Prozent der Deutschen. Bei Müttern von Kindern unter 18 Jahren seien sogar 72 Prozent unzufrieden, erklärte die Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher. Schröder erklärte, sie wolle sich für flexiblere Arbeitszeiten und eine Unternehmenskultur einsetzen, die nach der Qualität geleisteter Arbeit und nicht nach der Präsenz der Mitarbeiter fragt. Bisher herrsche in den Unternehmen eine „familienfeindliche Präsenzkultur“, sagte die Ministerin. Dabei sei derjenige, der wisse, dass er um Punkt 17 Uhr sein Kind von der Kita abholen müsse, oft die effizientere Arbeitskraft.

Um für mehr Familienbewusstsein in den Unternehmen zu werben, will das Ministerium im Oktober gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Initiative „Flexible Arbeitszeiten“ starten. 34 Prozent der Mütter berichten davon, dass sie Beruf und Kindererziehung schlecht vereinbaren können. Sie wünschen sich eine Ganztagsbetreuung von Kindern (54 Prozent der Befragten), an die Arbeitszeiten angepasste Betreuungszeiten von Kindergärten und Schulen (56 Prozent) sowie eine stärkere finanzielle Förderung (53 Prozent). 60 Prozent der Väter und 41 Prozent der Mütter würden gern ihre Arbeitszeit reduzieren.

Die Grünen-Bundestagsfraktion warf Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) unterdessen vor, mit „Luftnummern“ von zentralen Problemen der Familienpolitik ablenken zu wollen. „Die Ankündigungen der Familienministerin sind reine Luftnummern. Der Familienmonitor zeigt: Ganztagsbetreuung für ihre Kinder und eine stärkere finanzielle Förderung sind die zentralen Wünsche der Eltern – darauf bleibt Familienministerin Schröder jede Antwort schuldig“, sagte die familienpolitische Sprecherin Katja Dörner dem „Hamburger Abendblatt“ (Mittwochausgabe).

Die Ministerin habe die Familien „beim Haushalt der Bundesregierung zu den größten Sparschweinen der Nation gemacht, ihren Etat um mehr als 10 Prozent gekürzt und das Elterngeld für Eltern im ALG-II-Bezug komplett gestrichen“, kritisierte Dörner. „Die Qualität beim Kinderbetreuungsausbau ist für sie bislang kein Thema, dabei ist diese zentral für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“ „Bereits vor Wochen musste Ministerin Schröder eingestehen, dass sie keines ihrer zentralen familienpolitischen Projekte zeitnah in Angriff nehmen würde. Wenn sie jetzt deutliche Verbesserungen für Familien verspricht, sind diese das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.“